Kriegsgräber als wichtige Zeugnisse der Vergangenheit

Sammlung in Jülich : Kriegsgräber als wichtige Zeugnisse der Vergangenheit

„Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“. Unter diesem Leitwort steht die Arbeit des Volksbundes „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, die als frühe Bürgerinitiative im Dezember 1919 gegründet wurde.

Aus der Not heraus, denn die noch junge Reichsregierung sah sich weder politisch noch wirtschaftlich in der Lage, sich um die Gräber der Gefallenen zu kümmern. Heute betreut der Volksbund 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit rund 2,7 Millionen Kriegstoten und betreibt seit 1953 eine intensive Schul-, Jugend- und Bildungsarbeit.

Warum erhält der Volksbund Kriegsgräber? Selbstverständlich zur Erinnerung an die Millionen Toten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, die massenhaft im jungen Erwachsenenalter „für Gott und Vaterland“ starben, beziehungsweise für Kriegsstrategien geopfert wurden. Zugleich gilt die Arbeit des Volksbundes als Mahnung für die Lebenden, die Friedhöfe dienen als friedenspädagogische Lernorte für nachwachsende Generationen und als Aufforderung zu Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung.

Vielen Menschen sind diese Zusammenhänge klar und sie gaben ganz selbstverständlich ihren Obolus bei der „Haus-, Straßen- und Friedhofssammlung“ der vergangenen Jahre. Oftmals ernteten die freiwilligen Sammler aber auch negative Feedbacks, etwa: „Gebt euer Geld für bessere Sachen aus als den Krieg“, auch in derberer Wortwahl, wie „Kein Geld für Kriegstreiber“. Weil Bürgermeister Axel Fuchs die Sache selbst und die Hintergründe der Sammlung „so wichtig“ findet, wählte er im Vorfeld der aktuellen Aktion vom 31. Oktober bis 19. November mit einer Pressekonferenz ein anderes Format als den öffentlichen Startschuss auf dem Marktplatz.

Fuchs zeigte sich beeindruckt von der Wirkung großer deutscher Soldatenfriedhöfe auf den Besucher, etwa „Maleme“ auf Kreta oder der sogenannte „Studentenfriedhof“ in Ypern (Belgien). „Aus der Geschichte lernen, heißt die Zukunft gestalten“, betonte Oberstleutnant Michael Kommoss, Leiter des Mechatronikzentrums, das diese und andere Aktionen seit vielen Jahren unterstützt.

„Das Interesse wird immer weniger“ beklagte Helmuth Kieven, Ortsvorsteher in Kirchberg, ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Hintergrund ist die Tatsache, dass immer weniger Zeitzeugen aus eigenem Erleben und Erleiden von der Grausamkeit des Krieges berichten können. Deshalb sind historische Dokumente, Gedenkstätten und Denkmäler so wichtig, wozu auch die Kriegsgräber zählen. „Es ist extrem schwer, Leute zu finden, die sammeln. Und die werden wegen des schlechten Feedbacks im nächsten Jahr nicht mehr gehen“, unterstrich Kieven und setzte nach: „In Kirchberg sind wir seit ein paar Jahren sehr gut aufgestellt“.

Fuchs hob die Bedeutung des „besonders Jahres“ hervor, in dem in Jülich mit „einem ganzen Potpourri von Veranstaltungen“ 80 Jahre Reichspogromnacht begangen wird. In fast allen Jülicher Ortschaften werden also zahlreiche ehrenamtliche Sammler für die Kriegsgräberfürsorge unterwegs sein. Zusätzlich steht im Foyer des Rathauses eine Sammelbüchse bereit. Abschließend hob Fuchs den Aufruf der Ministerpräsidenten, Armin Laschet hervor, die Haus- und Straßensammlung zu unterstützen. In diesem Aufruf heißt es unter anderem zusammengefasst: „Diese Erkenntnis (eines friedvollen Europas) wird umso wertvoller in einer Zeit, in der Europa und die Europäische Union von Populisten jeglicher Couleur verächtlich gemacht und bekämpft wird“.

(ptj)