Krankenhaus Jülich lädt zu Veranstaltung ein

„Ich falle doch nicht“ : Jülicher Krankenhaus klärt über Sturzprävention auf

Mit der Überschrift „Ich falle doch nicht – die Bedeutung von Stürzen im Alter“ hat das Jülicher Krankenhaus über Sturzprävention und Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt.

Das Jülicher Krankenhaus hat im Haus ein zertifiziertes Alterstraumazentrum. Auch, um jeden Notfall altersgerecht behandeln zu können, ist dieses jeden Tag rund um die Uhr geöffnet. Im Kulturbahnhof lauschten hierzu zahlreiche, meist ältere Besucher den Vorträgen der Experten.

„Der über 65-Jährige fällt durchschnittlich einmal pro Jahr“, sagte Andreas Pieper, Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und interdisziplinärer Altersmedizin im St.-Elisabeth-Krankenhaus und weiter: „Zwei Drittel der unfallbedingten Todesfälle im Alter sind auf Stürze zurückzuführen.“ Auch der Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Unfall- und Viszeralchirurgie, Dr. Klaus Hindrichs, beleuchtete die Zunahme der Sturzverletzungen im Alter: „Bis 2035 rechnet man mit einer Verdopplung bis Verdreifachung der Altersbrüche.“

Gründe für das Fallen seien unter anderem Alterserscheinungen, wie verminderte Muskelkraft und verringerte Balance. Andreas Pieper verwies allerdings darauf, zusammen mit einem Arzt die Zusammensetzung der verabreichten Medikamente zu prüfen, denn immer wieder „werde ein buntes Potpourri an Medikamenten verabreicht, die sich gegenseitig beeinflussen können.“ Auch ein Abfall des Blutdrucks könne Stürze verursachen. Allerdings benannte Pieper als häufigste Ursache für Stürze vorrausgegangene Stürze. Hierzu zitierte er: „Beim Sturz bricht nicht nur der Knochen, es bricht auch das Selbstvertrauen.“

„Sturzangst ist ein Teufelskreis, der zu Stürzen führt“, sagte Pieper. Oft führe dies zu Immobilität, Isolation und Depression.

Hindrichs verwies weiter auch auf eine gesunde Einschätzung der eigenen Mobilität und erklärte dies anhand von Obstbäumen: „Wenn jemand direkt die höchsten Äste schneiden will und sofort trotz fehlender Beweglichkeit und Kraft auf die hohen Sprossen steigt, ist der Sturz schnell passiert. Das merken wir dann bei uns im Krankenhaus.“

Eine Lösung Piepers für Sturzprävention: „Wer am schnellsten geht, der stürzt am wenigsten und lebt länger.“ Eine Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde sollte gehalten werden können. Um im Alter fit zu bleiben, sei drüber hinaus Bewegung absolut essenziell. Pieper empfahl drei Mal pro Woche 90 Minuten Sport wie Tanzen oder Thai Chi. Begleitet werden sollte dies von einer sehr eiweißreichen Ernährung für die Erhaltung der Muskeln und viel Vitamin D für gesunde Knochen. Auch Nahrungsergänzungsmittel können laut dem Arzt hier eine gute Hilfe sein. Übrigens: „Keine Diät über 70 ohne die Begleitung von Experten. Pummelig, aber dafür agil ist gut“, so Pieper. Denn häufig verliere der Senior nicht sein Fett, sondern seine Muskeln.

Wie die Bewegungsfähigkeit erhalten und wieder gefördert werden kann, erklärte Ergotherapeutin Isabell Marvani von der Praxis für Logopädie und Ergotherapie Karl-Heinz Mader. „Wir bieten Sturzprävention in Form von Hausbesuchen an. Dort weisen wir auf Sturzfallen, wie beispielsweise Teppiche und Kabel hin und erwägen den Einsatz von Hilfsmitteln“, sagte Marvani.

Ist der Sturz und das daraus entstandene Trauma, also die Verletzung nach dem Unfall, eingetreten, bietet das Alterstraumazentrum im Jülicher Krankenhaus auch in Kooperation mit anderen Alterstraumazentren umfassende Behandlungen an.

Für Chirurg Klaus Hindrichs ist das Ziel dieser klar: „Der wichtigste Punkt sind keine Schmerzen und eine Erhaltung der Lebensqualität. Eine Lösung ist eine optimale chirurgische Versorgung.“ Daraufhin stellte er die Möglichkeiten der Chirurgie des Krankenhauses vor. Das Publikum stöhnte mitleidig auf, als Hindrichs eine CT-Bildschleife einer Halswirbelfraktur ablaufen ließ, wodurch sich die Besucher ein Bild von dem Behandlungsverlauf nach der OP machen konnten, denn auf den Bildern waren neben dem Bruch auch Schrauben und der Beatmungsschlauch zu sehen.

„Mit der OP und der Chirurgie ist die Behandlung nicht beendet, wir sind auf unsere Kollegen angewiesen“, sagte Hindrichs abschließend. Hier greift dann beispielsweise die Geriatrie Piepers und die Ergotherapie Marvanis.

Bezüglich einer Demenzwohnung kann man sich bei weiteren Fragen unter der Telefonnummer 02461/682299 informieren.

(mio)