Konzert von Carmina Mundi in Christuskirche

Carmina Mundi begeistert : Carmina Mundi verzaubert Publikum in Christuskirche

In den Genuss anspruchsvollster a-cappella-Chormusik kamen die Besucher in der vollbesetzten Christuskirche. In einer Vorpremiere zur „Chorbiennale“ in Aachen vom 12. bis 22. Juni bot das mitbegründende 44-köpfige Aachener Ensemble „Carmina Mundi“ (Lieder der Welt) einen etwa einstündigen Vorgeschmack auf das einzigartige NRW-Chorfestival, diesmal unter dem Motto „Nordklang“.

Der vielseitige Aachener Chor unter Leitung von Harald Nickoll hatte seinem neuen Konzertprogramm den Titel „Northern Lights“ gegeben. Das gleichnamige Stück aus der Feder des lettischen Komponisten Ēriks Eŝenvalds zählte auch zu den großartigsten musikalischen Umsetzungen des gesamten Konzerts. Sphärische Klänge entstanden durch die technische Umsetzung der Nordlichter, von der eine Polarexpedition plötzlich ergriffen wird, mit Chor, Solisten und einem Gläser-Orchester.

Die Tonhöhe bestimmten die Chormitglieder, indem ihre Fingerspitzen einfühlsam über den Rand ihrer exakt gestimmten Wassergläser in ihren Händen glitten, während ihre glasklaren Stimmen den Klangteppich vollendeten. Die beiden Solisten nahmen in räumlichem Abstand zum Chor Aufstellung, und wiederholt waren Gruppierungen der Chorsängerinnen und Sänger aus der Rückenperspektive zu sehen, was vermutlich weniger auf die visuelle Abwechslung als auf die technische Klangvollendung zurückzuführen war.

Differenzierbare Intervalle im mikrotonalen Bereich der a-cappella-Stimmen waren vor allem in „Atsalums“ aus der Feder von Jēkabs Jančevskis auszumachen. Der lettische Komponist hatte eine Folkloremelodie mit sehr starken modernen, rhythmischen Elementen und diversen Geräuschen verarbeitet. Zunächst schienen die Chormitglieder förmlich durchs Publikum zu schweben, während ihre Stimmen gemeinsam einen dumpfen, anschwellenden Klangteppich erzeugten. Die Stimmen sangen, flüsterten, lachten und kreischten, zwischendurch solierte eine Coloratursopranistin, eine Trommel war zu hören. Dann herrschte erneut Unordnung, die Stimmen ließen einen dissonanten Geräuschpegel an- und abschwellen.

Einen starken Kontrast dazu bot das harmonische „Requiem“ von Sergey Khvoshchinsky aus Weisrussland. Das Stück war nach Bekunden des Dirigenten Nickoll „auch eine Entdeckung für uns. Es gibt selten ein Stück, dass das Thema so in a-cappella-Musik umsetzt“. Viele Zuhörer schlossen die Augen, als die glasklaren Stimmen zum „Requiem Aeternam“ (ewige Ruhe) einluden.

Bis auf die Stücke „Morning Star“ von Arvo Pärt aus Estland und „Northern Lights“ wurden die Stücke in den Originalsprachen schwedisch, estnisch, lettisch, weissrussisch und litauisch gesungen, was den Anspruch des Ausnahmekonzertes noch verstärkte. Nachdem die Sängerinnen und Sänger bei der Interpretation des norwegischen Stücks „Ned i vester soli glader“ (Nieder im Westen die Sonne sinkt), von Grete Pedersen langsam und bedächtig den Kirchenraum verlassen hatten, spendeten die zahlreichen Besucher für ihre großartigen Leistung lang anhaltenden und donnernden Applaus.

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