Barmen: Konzert beschließt ökomenische Chorwoche in Haus Overbach

Barmen : Konzert beschließt ökomenische Chorwoche in Haus Overbach

Mit einem Abendkonzert in der Klosterkirche von Haus Overbach endete die Ökumenische Chorwoche des Chorverbandes in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Vier Tage lang und acht Stunden täglich studierten die aus ganz Deutschland angereisten Sänger das einspruchsvolle Konzertprogramm ein. Unter den Teilnehmenden waren auch zwei Mitglieder des Chors der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich.

Im Mittelpunkt der Gesänge stand die Stella Maris, Gottesmutter Maria. Deren Bild hat sich über die Jahrhunderte gewandelt. In den verschiedenen Epochen versuchten die Menschen, sowohl in der religiösen Auslegung als auch in der künstlerischen Darstellung das Unbegreifliche um die Mutter Jesu begreiflich zu gestalten.

Die etwas unterschiedliche Wertstellung Marias im katholischen und evangelischen Glauben nahm Kantorin Ursula Wilhelm als Anlass für die Gestaltung des ökumenischen Konzertes. „Für die Katholiken hat Maria einen sehr hohen Stellenwert“, erläuterte sie und „für die Angehörigen der Evangelischen Kirche darf die Mutter Gottes in den Fürbitten nicht mit Jesus Christus gleichgestellt werden“. Die Musikalische Leiterin an der Stadtkirche Remscheid versuchte mit dem Konzertprogramm, die Ansichten beider Konfessionen anzunähern. So ehrte das „Ave Maria“ von Robert Franz in der klangvollen Aufführung der Solistin Susanne Dieudonné die Gottesmutter und Heinz Kleinen sang in einer Solopartie das „Vater unser“. Dieses für alle Christen wichtigste Gebet erklang in der Komposition von Carl August Krebs. Beide Chorsolisten wurden von Christa Zimmermann am Klavier begleitet.

Das gesamte Konzert mit dem Titel „Magnificat, der Lobgesang der Maria“ führte das Publikum auf eine musikalische Reise vom Mittelalter über das Frühbarock bis hinein ins 19. Jahrhundert. Es wurden vorwiegend Werke der gegenwärtig selten aufgeführten Komponisten präsentiert, was für die Zuhörer eine besondere Atmosphäre des musikalisch Unbekannten erzeugte. Das „Ave Hierarchia“, ein mittelalterliches Musikstück aus dem Wienhäuser Liederbuch, entstand um 1460 und gehörte zu den ältesten gregorianischen Gesängen des Abends. Ebenso die Komposition von Michael Praetorius „Mein Seel, o Herr, muss loben dich“ ehrt es den Sohn Gottes.

Der Lobgesang

Das im Programm angekündigte Magnificat ist ein der Maria zugeschriebener Lobgesang an Gott, der im Lateinischen mit den Worten „Magnificat anima mea Dominum“ („Meine Seele preist den Herrn“) beginnt. Die auf das Lukas Evangelium komponierten Chorwerke wurden in den Arrangements von Melchior Frank und Johann Pachelbel präsentiert.

Ein besonderes Erlebnis bescherten die Chormitglieder ihren Zuhörern mit der Aufführung des Stücks „Das deutsche Magnificat“ von Heinrich Schütz. Der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks wurde schon zu Lebzeiten von seinen Landsleuten als „Vater unserer modernen Musik“ tituliert. Dem virtuosen Umgang mit Vokalstimmen in seinen Kompositionen wurden die Chormitglieder voll gerecht. Sowohl in den von einzelnen Chorstimmen brillant vorgetragenen Fragmenten als auch in den gemeinsam gesungenen Passagen gelang perfekte Harmonie.

Das Werk von Andrea Gabrieli „Maria Magdalene, et altera Marie“ erinnerte an das Osterfest und an die Rolle der Mutter Gottes in der Auferstehungsgeschichte. Mit einer großen musikalischen Kompetenz führten die Dirigentin und ihre Sänger die Lobhymnen auf die biblische Königin des Himmels auf. Die gefühlvollen Darbietungen der lateinischen Choräle „Regina coeli“ von Gregor Aichinger und „Ave, Maris Stella“ nach Edvard Grieg bedurften keiner Übersetzung und begeisterten das Publikum. Die bravouröse Interpretation des uralten Kirchenliedes „Salve Regina“ versetzte die Zuhörer in die mystische Welt eines Umberto Eco -Romans.

(mavo)
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