Konzert auf Cembalo und Kirchenorgel

Konzert in der Christuskirche : Virtuoses Spiel der neuen Organistin

Mit einem Cembalo- und Orgelkonzert, das das Publikum in der Jülicher Christuskirche begeisterte, hat sich die Organistin der Evangelischen Gemeinde, Soline Guillon, musikalisch vorgestellt.

Jülich Die seit 2018 in der Christuskirche als Organistin wirkende Musikerin absolvierte ihr Orgelstudium am Konservatorium Besancon. Sie erweiterte dieses mit dem Erwerb eines Solistendiploms mit Auszeichnung der Musikhochschule Genf / Schweiz und einer Ausbildung in Alter Musik an der University of Washington in Seattle / USA.

2014 führte der berufliche Weg ihres Mannes die in Frankreich geborene Künstlerin mit chinesischen Wurzeln über Korea, Japan und die USA in die rheinländische Herzogstadt. Sie bezeichnet Jülich als „ein bisschen klein“, doch sehr interessant.

„Die Region ist sehr schön, und die Lage im Dreiländereck bietet die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen“, beschreibt Guillon ihre neue Heimat und hofft auf einen längeren Aufenthalt.

In Anlehnung an die regionale Mehrsprachigkeit präsentierte sie ein musikalisches Repertoire von den Kompositionen des Barocks über die Romantik bis hin zu zeitgenössischen Werken.


Mit Saiten und Pfeifen


So erklangen die silbrig-glitzernden Töne eines Cembalos in „Prélude. Gavotte avec 6 doubles“ von Jean-Philippe Rameau. Die leichte, heitere Komposition Rameaus, der zu den bedeutendsten französischen Clavecinisten gehört, übersetzte Guillon brillant mit der charakteristischen Klangfärbung des Instruments. Stark ausgeprägte Akkorde mit eindrucksvollem Tonvolumen sowie die energisch, aber weich ausgespielten Melodien überzeugten auch in „Ciacona f-Moll des deutschen Tonkünstlers Johann Pachelbel sowie in der Komposition „More Palatino“ von Jan Pieterszoon Sweelinck, einem niederländischen Meister der Orgel und des Cembalos.

Ihrem franko-flämischen Zupfklavier, wie ein Cembalo auch genannt wird, entlockte Soline Guillon zunächst durchdringende, fast bestimmende Klänge, um gleich wieder mit hüpfenden, tänzerischen Passagen die Stimmung eines barocken Hofkonzertes zu erzeugen.

In großem Kontrast dazu ertönte dann das erste auf der Orgel gespielte Werk des Abends. „Fantasia und Fuge g-Moll“ von Johann Sebastian Bach, begann klangvoll mit mächtigen Tonkaskaden und wurde von Guillon gefühlvoll durch die unterschiedlichen Passagen in melodischer, beinahe erzählerischer Stilistik bis zum pompösen Finale geführt.


Gelebte Vielfallt


Die „6. Sonate d-Moll op. 65“ von Felix Mendelssohn Bartholdy basiert auf dem Luther-Choral „Vater unser im Himmelreich“. Kunstvoll und melancholisch anmutend brachte Soline Guillon die zu Beginn des Werkes innige, meditative Stimmung zur Geltung. Der wie eine virtuose Toccata aufgeführte Teil „ Allegro molto“ entfesselte die Orgeltöne fast zu einer wutentbrannten Kakophonie, um Entspannung in der „Fuge“ zu finden und in einem verträumten Finale zu enden.

Stilistisch unruhig, temperamentvoll und wild erklang die „Fiesta“ von Emma Lou Diemer. Alle Nuancen des kontrastreichen Tempos und der stets wechselnden Melodielinie wurden von der Organistin in einer avantgardistischen Art meisterlich dargeboten.

So wurden die Zuhörer in der Christuskirche nicht nur von heißen Klängen eines spanischen Flamencos und klassischen Tangos, sondern auch vom Rhythmus des amerikanischen Swings überrascht. Die kontrastreiche Zusammensetzung des Konzertprogramms ist bezeichnend für die Vielseitigkeit und Offenheit ihrer Interpretin.

„Mit Musik ist es ähnlich wie mit den Gerichten“, erklärt Guillon, „jeden Tag das gleiche zu essen, wäre doch langweilig.“ In den Genuss ihrer international geführten Küche kamen die Zuhörer nicht, doch dem Musikgeschmack und seiner Präsentation pflichteten sie mit großem Applaus bei.

(mavo)
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