Jülich/Bielefeld: Kontobetrug in Millionenhöhe: Haftstrafe für Jülicherin

Jülich/Bielefeld : Kontobetrug in Millionenhöhe: Haftstrafe für Jülicherin

Kontobetrug in Millionenhöhe, Urkundenfälschung am Fließband: „ein außerordentlich ausgeklügeltes System“, nennt es der Richter, in dem die Bande mit höchster krimineller Energie gehandelt habe. Eine der Angeklagten, die am Freitag vom Landgericht Bielefeld zu teilweise empfindlichen Haftstrafen verurteilt wurden, lebt in Jülich. Sie sei „eine schillernde Persönlichkeit“ in diesem Prozess, befand der Richter.

Die Jülicherin, 51 Jahre alt, war die längste Zeit ihres Lebens ein Mann. Einen Teil des Geldes, das sie mit den Mittätern erbeutete, floss in die teure und lange ersehnte Geschlechtsumwandlung. Seit September hatte die Wirtschaftsstrafkammer über die vierköpfige Bande zu Gericht gesessen. Ursprünglich sollen es rund 2 Millionen Euro gewesen sein, die als Tatbeute in die Taschen der Bande gewechselt waren.

Letztlich konzentrierte sich die Kammer strafrechtlich jedoch nur auf 40 handfeste Fälle von Betrug — und ließ den Rest, darunter fast 250 Fälle falscher Konten, im Orkus des umfangreichen Verfahrens verschwinden. Für das Urteil war dies unerheblich. Mit dreieinhalb Jahren kommt die Jülicherin noch gut weg in dem Kanon der ausgesprochenen Haftstrafen.

Die Masche war überaus schlau eingefädelt. Die Jülicherin hatte im Knast einen 55 Jahre alten Österreicher kennen gelernt, vom Gericht im Laufe der Beweisaufnahme als „vielfach vorbestrafter professioneller Fälscher“ ausgemacht. Der wiederum hatte einen Bekannten, der ebenfalls erfolgreich als Profi-Betrüger tätig war und zeitweise aus der Gefängniszelle die Aktivitäten der Bande lenkte. Mit gefälschten Papieren, die zum Teil auf bekannte Persönlichkeiten der Rechtswissenschaft lauteten, und des auf die falschen Identitäten laufenden Post-Ident-Verfahrens eröffnete die Bande Konten, erschlich sich darauf Darlehn und räumte sie ab.

Ein 66-jähriger Italiener aus dem Westerwald unterstützte als Strohmann die Truppe, um mit der Banken-Masche Immobilien im Rheinland und im Sauerland zu erwerben, zu beleihen und das Geld wieder verschwinden zu lassen. Zum Prozessauftakt ging die Staatsanwaltschaft noch davon aus, dass die Frau aus Jülich nur als Kurier bei den Immobilien-Käufen fungiert hatte. Wie Richter Dr. Georg Zimmermann in der Urteilsverkündung am Freitag feststellte, war die 51-Jährige jedoch bereits in einen Immobilienbetrug ihrer Mittäter in Werdohl im Sauerland verstrickt, wegen dem der Profi-Betrüger und der Fälscher bereits 2013 in Bielefeld verurteilt worden waren.

Strafe fällt milder aus

„Ein Mensch für den großen Auftritt“, sei die Angeklagte, betonte der Richter, mit einem „ausgeprägt taktischen Verhältnis zur Wahrheit“. Die Wahrheit ja, denn die Frau habe sich in dem Verfahren letztlich als Kronzeugin betätigt, viele Vorwürfe zugegeben, manche anderen untergeschoben und ihre Mittäter für eigene Vorteile geopfert. Dass sie dies in einem frühen Stadium des langwierigen Prozesses getan habe, sei als „massive Aufklärungshilfe“ von der Strafkammer auch „hoch honoriert“ worden, denn tatsächlich habe das Meiste von ihr Ausgesagte auch einer Überprüfung standgehalten.

Die beiden Haupttäter müssen für fünfeinhalb und fünf Jahre hinter Gitter — wobei dem Fälscher noch eine weitere Haftstrafe von über sechs Jahren auferlegt wurde, die aus der Zusammenziehung mit einem weiteren Urteil zustande kommt. Der italienische Strohmann kommt wie die Jülicherin mit dreieinhalb Jahren davon.

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