Karfreitagsprozession auf die Sophienhöhe: Kommunionkinder schultern das Kreuz

Karfreitagsprozession auf die Sophienhöhe : Kommunionkinder schultern das Kreuz

„Wir haben das in der Familie besprochen, das gehört dazu.“ Da sind sich die neunjährige Lena-Maria Wolff aus Mersch und der achtjährige Maiko Nerlich aus Welldorf einig, die demnächst Erstkommunion feiern. Die Rede ist vom traditionellen Kreuzweg auf die Sophienhöhe.

Passionsweg nachgegangen

Eine Gruppe von Kommunionkindern – eingeladen waren darüber hinaus alle Kinder – gestaltete eine der sechs Stationen auf dem Kreuzweg. „Bei den Erschöpften“ war ihr Haltepunkt überschrieben, geleitet von Sabine Thiel aus St. Franz Sales. Besonders kindgerecht stimmte sie die Kids auf die Kreuzwegstation „Jesus nimmt das Kreuz auf sich und fällt unter dem Kreuz“ ein. Sie lud sie ein, den Passionsweg Jesu nachzugehen, indem sie das mitgeführte Wegkreuz umrundeten, so, als würde ein schweres Kreuz auf ihren Schultern Schmerzen bereiten. Später kauerten sich alle in den Staub und hielten die Hände vor das Gesicht. „So fühlt sich Jesus jetzt. Er fällt in den Staub der Erde und hat kein Gesicht“, leitete Thiel sie an.

Freiwillige aus der Gruppe trugen verschiedene Fürbitten vor, sie beteten für die Kranken, Kinder, Freude und Familie und dankten für die Unterstützung von Eltern und Geschwistern. Nicht zuletzt dankten sie Jesus, der „das schwere Kreuz getragen hat, weil er uns liebt“. Mit Hammer und Nagel schlugen die Kinder alsdann ihre behandelten Themenzettel ans Kreuz, das später ans Gipfelkreuz angelehnt wurde. Ganz selbstverständlich trugen sie auch gemeinsam das Wegkreuz ein großes und steiles Teilstück des Kreuzweges voran.

Als Leitfaden beim Nachspüren vom Kreuzweg Jesu diente das Misereor-Hungertuch des Flensburger Künstlers Uwe Appold mit dem Titel „Mensch, wo bist du?“, die Frage, mit der Gott die ersten Menschen im Paradies gesucht hat. Die „Koslarer Frauen“, eine neue Gebetsgruppe auf dem Kreuzweg, erklärten einleitend im Rahmen der Begrüßung durch Pfarrer Konny Keutmann die Motive. Im unendlichen Blau von Himmel und Wasser dominiert in der Mitte ein schwebender goldener Ring. Gold drückt Gottes Herrlichkeit aus, der Ring symbolisiert den Himmel und die Unendlichkeit.

Vergangenheit und Neubeginn

In Brauntönen ist die Erde als Merkmal für die Vergangenheit im Garten Gethsemane und den Neubeginn gehalten. Rechts unten ist ein unfertiges „gemeinsames Haus“ zu sehen, „an dem wir alle gemeinsam bauen müssen“. Ferner geht am rechten Rand „eine Gestalt aus dem Bild heraus, doch ein heller Schatten folgt ihm“, Gott ruft zum Innehalten und zur Umkehr. Hierzu lasen die Frauen einen Liedtext von den „Wise Guys“ zur einstimmenden Meditation. Er beginnt mit dem Worten: „Mensch, wo bist du? Wo geht die Reise hin? Bist du noch auf der Suche nach gerechtem Leben?“. Die Themengestalterinnen folgerten: „Es ist Zeit, sich ein paar Fragen zu stellen und nach den Antworten zu suchen“. Zur Struktur jeder Themenstation zählten umrahmende Liedrufe und das Kreuzweggebet „Wir rufen dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst“. Ferner gehörte jeweils eine Bibelstelle, Eigentexte und Bibelauslegungen und fürbittendes Gebet dazu. Die Frauengemeinschaft St. Rochus gab zum Thema „Bei den Verurteilten“ Impulse, die Koslarer Frauen hatten den Haltepunkt „Bei den Weinenden“ vorbereitet. Die freie Evangelische Gemeinde (FeG) widmete sich dem Thema „Bei den Bloßgestellten“. Thematisch führte der Kreuzweg mit selbst gestalteten Stationen bis hin zum Tod Christi am Gipfelkreuz, dann wieder bergab ins nahende Ostern.

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