Kommende Siersdorf : Im alten Herrenhaus gibt es viel zu tun

Manchmal ist es ein Zufall oder Einzelschicksal, das später dann zur Geschichte wird. So war es jedenfalls bei dem Jülicher Grafen Wilhelm III., der während des Fünften Kreuzzuges im Nildelta erkrankte und von Ordensbrüdern gesund gepflegt wurde, die dem Deutschen Orden angehörten, einem der großen geistlichen Ritterorden der Kreuzzugszeit.

Grund genug jedenfalls für Wilhelm III., sich bei den Ordensleuten mit einer Schenkung zu bedanken. Das Geschenk betraf zunächst die Kirche in Aldenhoven-Siersdorf „mit allem Zubehör“, wie es in der Schenkungsurkunde von 1219 heißt. Zubehör ist eine leichte Untertreibung, denn zur Kirche gehörte eben auch ein Lehnsgut, d.h. ein Gehöft mit entsprechend zu bewirtschaftendem Land.

Im Verlauf der nächsten Jahre kamen weitere Schenkungen hinzu, aber erst durch den Tausch von Land mit Graf Wilhelm IV. von Jülich wurde die Vergrößerung des Besitzes entscheidend vorangetrieben. Der „clevere Deal“, sicherlich auch begünstigt durch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Orden und dem Jülicher Grafen, führte nämlich dazu, mit dem Bau eines größeren Gebäudes zu beginnen, das heute als sogenannte Kommende zu besichtigen ist.

Genau 800 Jahre liegt die Schenkung zurück. Für den Förderverein Kommende Siersdorf e.V. ist dies der Anlass für ein Festprogramm, zu dem auch öffentliche Führungen durch das Herrenhaus der ehemaligen Deutsch-Ordens Kommende gehören. Eine davon fand erstmalig am vergangenen Sonntag statt. Da hatte Matthias Röder, Mitglied des Vereins, den ca. 30 Anwesenden Interessantes zu berichten. So wurde der Bau 1267 fertiggestellt und war damit eine der ältesten Kommenden des Deutschordens.

Kommende leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet so viel wie einen Besitz einem Dritten anvertrauen, um ihn zu bewirtschaften. Ritterorden, zu denen der Deutschorden ja gehörte, bezeichneten so auch ihre Niederlassungen, von denen es in ganz Europa verstreut sehr viele gab. Nach der Zerstörung der Kommende knapp 300 Jahre später während einer Fehde zwischen Kaiser Karl V. und Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg trat Heinrich von Reuschenberg auf den Plan, dessen Wappen eingangs des Herrenhauses zu sehen ist. Er führte die Ballei Biesen – Ballei nennt man die organisatorische Zusammenfassung verschiedener Kommenden – und zog Siersdorf in seine Bautätigkeit mit ein. So konnte dort an alter Stelle ein prächtiges Herrenhaus im Stil der Renaissance errichtet werden.

Matthias Röder vom Färderverein Kommende - Siersdorf e.V. (im Vordergrund stehend) erläutert die Geschichte der Kommende. Foto: Günter Vogel

Die zweite große Zerstörung erfolgte durch die Angriffe der Alliierten im 2.Weltkrieg. Auch die Inneneinrichtung ging verloren. Seitdem ist das Herrenhaus der Kommende eine Ruine, die 2001 dem Förderverein übertragen wurde. Wenn auch verschiedene Schritte unternommen wurden, Konzepte zur Wiederherstellung des Gebäudes und einer neuen Nutzung zu entwickeln, so etwa durch die Fakultät für Architektur an der FH Köln, blieben diese unverwirklichte Ideen, denn Geld spielt eine entscheidende Rolle. „Unser Ziel, d.h. das Ziel des Fördervereins,“ so Matthias Röder, „ist der Erhalt der Bausubstanz.“ Und das sei schon schwer genug, wie der Gang durch das Herrenhaus zeigt. Es ist in keinem guten Zustand, viele Baustellen in der Baustelle sind zu sehen.

Aber trotzdem ist die Kommende ein wichtiges Geschichtszeugnis, das die Bedeutung des Deutschen Ritterordens dokumentiert und von daher unbedingt vor dem Verfall zu bewahren ist. Eine Besucherin brachte es auf den Punkt, als sie vor der Führung darauf hinwies, dass ein Kulturgut zu erhalten immer eine sinnvolle Investition sei. Denn wie soll Zukunft gestaltet werden können ohne Kenntnis der Vergangenheit?

Führungen durch das Herrenhaus mit seinem großen ebenerdig gelegenen Saal, mit den im Keller befindlichen Räumen für Küche, Vorratsräumen, Brunnen und sogar einer kleinen Kapelle finden jeweils am letzten Sonntag eines Monats statt. In diesem Jahr sind dies der 26.Mai, 30.Juni, 28.Juli, 25.August und 29.September, jeweils um 11 Uhr. Weitere Informationen zur Kommende sind auch unter www.kommende-siersdorf.de zu finden.

(hgv)
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