Klimacamp: „Ende Gelände“ zieht Manheim der Merscher Höhe vor

Klimacamp nicht in Jülich : „Ende Gelände“ zieht Manheim der Merscher Höhe vor

Das Klimacamp von „Ende Gelände“ findet nun weder in Jülich noch in Niederzier statt. Die Braunkohlegegner zieht es nach Kerpen-Manheim, sie wollen die Braunkohle-Infrastruktur „blockieren“.

Zumindest bei den Verantwortlichen in mehreren Rathäusern des Nordkreises dürfte die Ankündigung des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“ am Mittwochnachmittag Erleichterung ausgelöst haben. Das „Klimacamp“, das auf einer Fläche in der Ruraue in der Gemeinde Niederzier untersagt und auf der Merscher Höhe in Jülich genehmigt worden war, wird in beiden Kommunen nicht stattfinden. Es wäre mit großem Aufwand verbunden gewesen.

„Ende Gelände“ teilte mit, dass tausende Menschen in Sonderzügen und Bussen auf dem Weg nach Kerpen-Manheim seien, wo das große Lager derzeit aufgebaut werde. Die geplante Aktion hatte über Wochen viele Diskussionen ausgelöst, zuletzt bei einer Sondersitzung des Jülicher Stadtrates am Dienstag.

Das Bündnis ging gestern auch auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Aachen zur Ablehnung des Eilantrags von „Ende Gelände“ ein, das auf dem Veranstaltungsort in Niederzier beharrte und die Alternative in Jülich ablehnte. Karolina Drzewo, Pressesprecherin von Ende Gelände, hält die Argumentation der Justiz – Umweltschutz – für vorgeschoben. „Naturschutz ist uns wichtig. Allerdings ist es absurd, dass uns aus ökologischen Gründen verboten wird, auf einer Wiese zu zelten, während RWE nebendran ganz legal die Landschaft abbaggert.“ Teile des Jülicher Stadtrats sahen das anders und mutmaßten, dass die „Merscher Höhe“ abgelehnt werde, weil sie zu weit weg vom Tagebaugeschehen liege und „Aktionen“ außerhalb der Zeltstadt erschwere. Das wäre in Huchem-Stammeln anders gewesen. Jedenfalls heißt es in der Mitteilung von „Ende Gelände“ nun, dass die Teilnehmer die „Kohle-Infrastruktur rund um den Tagebau Hambach blockieren“ und damit für den sofortigen Kohleausstieg eintreten wollten.

Der Jülicher Rat hat am Dienstag einstimmig einen Appell an die Veranstalter gerichtet, in jeder Hinsicht friedlich zu protestieren. Mit der zuvor gewünschten Formulierung „gewaltfrei“ hatte die Stadtverordnete Marita Boslar (Grüne) ein „Problem“, weil das eine „Verallgemeinerung“ sei. Einige Kollegen von FDP und CDU fanden das befremdlich. Sie betonten, dass sich ihr Verständnis von Gewaltfreiheit nicht nur auf Menschen, sondern auch auf fremdes Eigentum erstrecke und Protest nur nach Recht und Gesetz erfolgen dürfe.

(vpu)
Mehr von Aachener Nachrichten