Kirchberg: Epsotech ist Marktführer bei dicken Platten

Kunststofferzeugende Industrie : Epsotech in Kirchberg ist Marktführer bei Platten

Im Foyer der epsotech Germany GmbH in Kirchberg kniet der neue Geschäftsführer Dr. Dirk Hänsch neben einer Amaturentafel, wie sie im Street-Scooter verbaut ist. Vorprodukt dieses Bauteils des Elektro-Transporters der Post ist eine Kunststoffplatte, die in Kirchberg produziert und später in die gewünschte Form gebracht worden ist.

Der Fahrzeug- und Caravanbau inklusive Elektromobilität sind Branchen, für die epsotech Platten als Vorprodukte herstellt, die im weiteren Prozess „veredelt“ werden, beispielsweise durch Thermoformen. Weitere Anwender, die Platten aus Kirchberg verarbeiten, sind beispielsweise Hersteller von Spielgeräten, die statt Holz wetter- und schlagfesten Kunststoff verwenden, oder die Werbebranche, die ebenfalls spezielle Anforderungen an Farben und Oberflächen stellt. „Wir legen sehr viel Wert auf Entwicklung“, betont Dirk Hänsch das Suchen nach passgenauen Lösungen für die über 2500 Kunden weltweit, denen epsotech mehr als 3000 Produkte offeriert.

In den meisen Fällen geht es darum, andere Werkstoffe wie Holz oder Metall durch Kunststoff zu ersetzen, um beispielsweise das Gewicht zu reduzieren oder weitere Produktionsschritte wie das Lackieren von Werkstücken komplett zu ersetzen.

So arbeitet epsotech an neuen Polymeren, die den stetig steigenden Anforderungen der Kunden gerecht werden. Ein Beispiel ist R6, das für Sitzschalen in Zügen gedacht ist und die .strenge Brandschutznorm der Bahn erfüllt. Damit wäre der Kunststoff auch für Busproduzenten interessant. Die Frage, wohin der Markt künftig steuert, wird deshalb im Unternehmen akribisch beobachtet und mit den Kunden wird nach individuellen Lösungen gesucht.

Dr. Dirk Hänsch, seit Jahresbeginn Geschäftsführer der epsotech Germany GmbH,  präsentiert eine Karte mit den acht Vertretungen der epsotech in ganz Europa. Das Hauptquartier der Holding befindet sich in Kirchberg. Foto: Wolters

Dabei kann epsotech auf fast 60 Jahre Produktionserfahrung bauen, denn das Unternehmen ist Ende 2018 durch Umbenennung der ehemaligen Metzeler Plastics GmbH entstanden. Metzeler Plastics war 1960 als Kunststoffwerk Kirchberg für Spritzguss gegründet worden, das später zu einem Produzenten thermoplastischer Halbzeuge entwickelt worden ist. 1988 übernahm die British Vita PLC, Manchester/Großbritannien, einer der fünf weltweiten Marktführer für styrolbasierte Kunststoffe (Polystrol und ABS) den Betrieb und entwickelte das Unternehmen weiter Richtung hochwertiger Thermoplaste. Kunststoffe wie Polystrol, ABS, Polypropylen und Polyethylen werden seither auf 15, zum Teil selbstentwickelten Extrusionsanlagen zu Platten verarbeitet und weltweit vermarktet.

Die Extruder arbeiten wie riesige Fleischwölfe, die Kunststoffgranulat mit Druck, Reibung und Hitze zu Platten verschiedener Dicken „verbacken“. Durch Co-Extrusion ist es möglich, dass in einer Produktionslinie Platten hergestellt werden, die aus bis zu fünf verschiedenen Schichten mit spezifischen Eigenschaften bestehen. Die Platten sind bis zu 19 mm dick und maximal 3,25 m breit. „Wir sind gezwungen, in größere Formate zu investieren“, nennt der Geschäftsführer einen der Trends im Markt.

Die verarbeiteten Kunststoffe wie PE, PP, Polystrol oder ABS haben den Vorteil, dass sie zu 100 Prozent recycelt werden können. So wird etwa der Verschnitt, der beim Zuschneiden spezieller Plattengrößen entsteht, sortenrein gesammelt, gemahlen und anschließend wieder in den Produktionsprozess eingespeist. „Wir nehmen von den Kunden auch den Ausschuss zurück“, nennt Hänsch eine wichtige Rohstoffquelle.

Die von Epsotech produzierten Kunststoffplatten finden sich beispielsweise als Amaturenbrett im Street-Scooter wieder. Foto: Wolters

Der Standort Kirchberg ist schon 2007 weiterentwickelt worden, als die Vitasheet-Gruppe rund eine Million Euro ins Werk investierte, um dort ein neues Zentrum für Forschung und Entwicklung zu installieren, wovon der Standort bis heute profitiert. Dazu gehören auch Kapazitäten für die Tests von Innovationen und die Qualitätskontrolle der Produktion, wofür auch eine Klimakammer vorgehalten wird.

Die Zugehörigkeit zur Vitasheet-Gruppe ist passé, es gibt längst einen Wechsel: Eigentümerin ist die Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag), die 2014 die Vitasheet-Gruppe übernommen hat. Die Dubag veranlasste Ende 2018 die Umfirmierung in epsotech und zudem die Gründung der epsotech Holding GmbH als internationale, mittelständisch geprägte Unternehmensgruppe der Kunststofferzeugenden Industrie, die sich in ihrer Eigenwerbung als Marktführer bei der Produktion von Kunststoffplatten und -folien bezeichnet. Das Hauptquartier der Gruppe mit acht Standorten in ganz Europa befindet sich wie die epsotech Germany GmbH in Kirchberg, wo auch der größte Einzelstandort produziert.

Die Gruppe beschäftigt insgesamt rund 620 Mitarbeiter, davon etwa 180 am Standort Kirchberg. Der Ausstoß betrug 2018 insgesamt 77.000 Tonnen, davon 24.000 Tonnen allein in Kirchberg.