Jülich: Kinderkultursommer Jülich: Die Kulisse entsteht im Kopf

Jülich : Kinderkultursommer Jülich: Die Kulisse entsteht im Kopf

Der Kinderkultursommer ist eine inzwischen traditionelle Jülicher Veranstaltungsreihe, die Kinder durch die Sommerferien begleitet. Im Renaissancegarten der Zitadelle stand nun das Theater „Schreiber und Post“ auf der Bühne, das aus dem Duo Andrea Post und Tim Schreiber besteht. Vor den zahlreichen Kindern und Eltern zeigten sie „Hans im Glück“.

Das Besondere hierbei: Die beiden Schauspieler verzichteten bei der Aufführung auf Requisiten oder aufwendiges Bühnenbild. Denn Post und Schreiber zeigten alles mit einem Mix aus Pantomime und Schauspiel.

Damit war die Phantasie der Kinder gefordert, um den Stück folgen zu können. Hans, der durch Tim Schreiber verkörpert wurde, und auch der Gauner, gespielt durch Andrea Post, träumten vom Glück in Form eines Klumpen Gold. Als Hans alleine auf der Bühne stand — der Gauner war kurz hinter einer Trennwand verschwunden — erschien mit dem Ton der Triangel ein Klumpen Gold auf der Bühne. Also, eigentlich erschien nichts Sichtbares auf der Bühne. Schreiber streckte in seiner Rolle die Hände nach etwas am Boden aus, umfasste den unsichtbaren, runden Gegenstand und hob ihn hoch. „Ein Goldklumpen“, vollendete er die Illusion.

Der Gauner, für die Zuschauer nicht sichtbar, spielte daraufhin die Maultrommel und, untermalt von dem tiefer und höher werdenden Ton, wurde auch der Klumpen in den Händen von Hans schwerer, Hans‘ Hände sanken dann dem Boden entgegen, und er stöhnte vor Anstrengung auf.

Wurde er leichter, richtete sich Hans wieder auf und tat seine Erleichterung verbal kund. Die Kinder lachten herzlich über die Strapazen, die Hans deswegen durchmachte. Schließlich gab er auf und ließ den „Klumpen“ auf dem Boden liegen. Der Gauner erschien mit dem edlen Ross Juan, auch hier wieder pantomimisch dargestellt, und Hans sah seine Chance. Nach dem erfolgreichen Tausch hob der Gauner den imaginären Goldklumpen ohne jede Anstrengung hoch. Entrüstung unter den Kindern: „Ey, das geht so nicht. Der ist viel schwerer.“

Im weiteren Verlauf handelte der Gauner den naiven Hans immer weiter herunter. Das Pferd Juan war zu ungestüm, die Kuh Else zu unbeweglich und vor allem zu schwer. Dann betrat der Gauner wieder die Bühne, diesmal mit einem Schwein. Dazu machte die Schauspielerin Post, die den Gauner spielte, Geräusche eines Schweins und tat so, als führe der Gauner ein Schwein auf die Bühne. Der arme Hans lag immer noch unter der trägen Else, nicht in der Lage, sich zu befreien.

Mit der Hilfe des Gauners konnte er die Kuh von sich schieben und bekundete sein Interesse am Schwein, denn es ist leichter als die muhende Else. „Und was kann ich dann damit machen?“, fragte Hans den Gauner, der wegen seiner Verkleidung von Hans nicht wiedererkannt wurde. Das Schwein war groß genug für die Schlachtung, also antwortete der Gauner: „Du könntest Steak daraus machen.“ „Steak“, wiederholte ein Kind — und nach einer kurzen Gedankenpause: „Lecker.“

Mittellos, aber glücklich

Nach einer weiteren List des Gauners hatte Hans das Schwein nicht mehr und nahm nun eine Gans in seiner Obhut. Doch der Gauner hatte immer noch nicht genug: „Das ist ein echter Stein mit echtem Moos drauf“, pries der Gauner in neuer Verkleidung seinen Stein an und verriet dessen Geheimnis: „Wenn man diesen Stein nachts unter sein Kopfkissen legt, dann schläft man besser.“ Viele Kinder rieten von dem Handel ab. „Nein, mach das nicht“, oder „Der ist viel zu hart“, riefen sie, doch Hans tauschte den Stein, um diesen kurze Zeit später zu verlieren.

Nun war er mittellos, aber ohne Besitz glücklicher als je zuvor. Zum Ende des Stückes verkündete Hans die Moral von der Geschichte: „Aber ich kann mir meinen Traum des Fliegens immer noch erfüllen. Denn ich habe Hände, mit denen ich fliegen kann.“ Dann breitete er die Arme aus und schwebte davon.