Jülich: Keine Zweifel: Real- und Hauptschule sollen eins werden

Jülich: Keine Zweifel: Real- und Hauptschule sollen eins werden

Das war deutlich. Der Autor des Schulentwicklungsplanes für den Kreis Düren empfiehlt der Stadt Jülich, ihre Hauptschule Ruraue und Realschule Am Aachener Tor praktisch stehenden Fußes aufzugeben und in einer Gemeinschaftsschule aufgehen zu lassen.

Wolf Krämer-Mandeau erklärte im Fachausschuss am Donnerstag: „Ich würde nicht lange überlegen, sondern heute Abend anfangen, an einem pädagogischen Konzept zu schreiben.” Sollten die Politiker dem Rat folgen, scheint es fraglich, ob die Realschule nach ihrem feststehenden Umzug ins Schulzentrum in zwei Jahren überhaupt noch als solche ihren Betrieb aufnimmt oder gleich mit der GHS zusammen als neue Schule firmiert. Die Kommunalpolitik hielt sich am Donnerstag vornehm zurück und wird die heikle Frage in den nächsten Monaten diskutieren.

Weniger Grundschulstandorte?

Krämer-Mandeau begründete seine Aussagen mit den dramatischen Schülerrückgängen schon in naher Zukunft. Im Jahr 2015 ist die Zahl der Grundschüler von bislang rund 1500 über 1200 auf 1000 gesunken. Das hat in der Einstiegsschulform natürlich ebenso Folgen: Jeder dritte Grundschulplatz wird frei! Zugleich erlebt die Stadt Jülich laut Gutachter fast eine Halbierung ihrer Kinderzahlen: von 450 auf unter 250 pro Jahrgang. Krämer-Mandeau rät daher, sich auf weniger Grundschuldtandorte festzulegen und die bestmöglich auszustatten. Raumnot wird es nicht mehr geben...

Mit Versatz macht sich der Nachwuchsmangel natürlich auch bei den weiterführenden Schulen nachhaltig bemerkbar, wobei ein Trend für die Herzogstadt zu belegen ist: Fast 60 Prozent aller Kinder wechseln aufs Gymnasium. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die potenzielle „Kundschaft” für Haupt- und Realschule sich auf 40 Prozent aller verfügbaren Kinder beschränkt. Für alle Schulformen prophezeit der Experte von der Bonner Projektgruppe Bildung und Region einen massiven Wettbewerb. Wolf Krämer-Mandeau: „Wenn die Köpfe fehlen, beginnt die Kannibalisierung!”

Die Hauptschule leidet nach den Prognosen am meisten. Von 600 Mädchen und Jungen geht die Schülerzahl auf unter 450 zurück. Und es könnte schlimmer kommen: „Wir befürchten, dass sie in Richtung 200 Kinder abbricht! Sie muss sich mit der Realschule verbünden.” Die wiederum verliere auch: von 750 auf unter 600. Die Bonner Projektgruppe ist sich nicht einmal sicher, „ob alle Gymnasien die Entwicklung schaffen werden.”

Bei einer Elternbefragung mit hohem Rücklauf haben die Mütter und Väter mit großer Mehrheit größere Sympathien für eine Gemeinschaftsschule (statt einer Verbundschule) erkennen lassen. Genau die empfiehlt Krämer-Mandeau für Jülich: 5-zügig im Schulzentrum, wo auch die Katholische Grundschule in einem Neubau beheimatet sein wird, und mit dem Angebot einer Oberstufe. Die soll aber nicht eigenständig sein, sondern in Kooperation mit einem bestehenden Gymnasien eingerichtet werden, das davon auch profitieren würde, zumal die empfohlenen Gemeinschaftsschulen für Aldenhoven, Linnich und Titz ihre Kandidaten zulieferten. Und natürlich: Die neue Schule soll im Ganztagsbetrieb laufen. Krämer-Mandeau: „Der Halbtag ist gegessen.”