Jülich: Keine Schul-„Experimente mit Kindern”

Jülich: Keine Schul-„Experimente mit Kindern”

Die Stadt Jülich will die Einführung der Sekundarschule in nur neun Monaten umsetzen.

Die politischen Vertreter werden hierzu am Montag, 20. Januar, um 18 Uhr, im Neuen Rathauses die Weichen stellen müssen. Es ist die letzte Sitzung in diesem Jahr, und der Antrag an die Bezirksregierung Köln als Schulaufsicht muss bis 23. Dezember vorliegen.

Die Stadtelternschaft Jülich wirft unter der Überschrift „Keine Experimente mit Kindern!” die Frage auf: Auf welcher Grundlage die Ausschuss-Mitglieder über die Zukunft der Bildungslandschaft in Jülich entscheiden wollen.

Es gebe „kein pädagogisches Konzept”. Lediglich ein erstes Treffen habe hierzu laut Sitzungsvorlage am 9. November stattgefunden. Ferner seien verwaltungsrelevante Details über Schulspitze und Folgen für die Lehrerschaft geklärt, „geschweige denn liegt die - noch im November vorgesehene - Abfrage des Elternwillens vor”, schreibt die Stadtelternschaft.

Am vergangenen Freitag waren nur Eltern der 3. und 4. Klassen der Grundschulen als Entscheidungsträger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, die in der Sitzungsvorlage für den Schulausschuss „notwendig” genannt wird. „Eine Beteiligung oder Diskussion zum Thema ist offenbar nicht erwünscht, lediglich eine Information gewollt.

Bewusst werden mit der Einladung der Zielgruppe alle anderen Betroffenen von der Information ausgeschlossen: Was ist mit Kindern, die in der Folgejahren eine Klasse wiederholen müssen und dann in eine neue Schulform wechseln müssten? Oder werden sie dann ,durchgeschleppt, weil ,Sitzenbleiben unmöglich ist?”, heißt es seitens der Stadtelternschaft.

Auch alle nachfolgenden i-Dotz-Generationen wären von den jetzt anstehenden Entscheidungen betroffen.

Die Verwaltung plane die Entscheidung im Eilverfahren, die nach dem „Turbo-Abi” G8, Offener Ganztagsgrundschule und Flexibler Schuleingangsphase für die Betroffenen - Lehrer wie Schüler - zum Chaos führen werde und letztlich zu Lasten der Kinder gehe.

Soll aber die Sekundarschule die beste Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem werden und Real- und Hauptschule als etablierte Einrichtungen ablösen, seien Umsicht und Planung vonnöten. Das Zeitkorsett ist, so kritisiert die Stadtelternschaft Jülich, derart knapp geschnürt, dass für eine pädagogische und praktische Entwicklung dieses völlig neuartigen Schulsystems keine Zeit bleibe - und Eltern damit jeder Entscheidungsgrundlage beraubt würden.

Zwei Monate vom ersten Gespräch bis zur Entscheidung über die Bildungslandschaft in Jülich „sind zu wenig. Neun Monate zur Entwicklung eines neuen pädagogischen Konzepts ebenfalls”.

Es gebe keine Notwendigkeit, die Chance einer einjährigen Planungsphase und Konzeptentwicklung nicht zu nutzen, „um Fehler, wie sie in der Vergangenheit begangen wurden, nicht zu wiederholen”, schreibt die Vereinigung, in der sich Jülicher Mütter und Väter zusammengeschlossen haben.

Die Stadtelternschaft Jülich regt an, dass Eltern am Montag, 21. November, in der Schulausschuss-Sitzung die Chance nutzen sollten, durch ihre Anwesenheit ein umsichtiges Vorgehen einzufordern. Und das ist aus ihrer Sicht „eine Verschiebung der Entscheidung in das Folgejahr 2013/14”.

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