Jülich: Keine Chance vor giftiger Attacke mit Hundeköder

Jülich: Keine Chance vor giftiger Attacke mit Hundeköder

Jülich. Freitag um 1 Uhr nachts kommt Maja Noack Noack nach Hause. Sie öffnet die Türe zum Garten, will nur kurz sie drei Hunde nochmal aus dem Haus lassen, bevor die endgültige Nachtruhe ansteht. Ein Strahler an der Wand leuchtet weit in ihren länglichen Garten hinein, ihre Vierbeiner kann die Jülicherin von der Tür aus gut erkennen.

Und auch, dass sie gerade etwas fressen, das sie besser nicht fressen sollten — wie sich später herausstellt, handelt es sich um Giftköder.

Alle wieder wohl auf (v.l): Widney, Fiona und Istas wurden Opfer einer Giftköder-Attacke. Foto: Laura Laermann

Es ist nicht das erste Mal, dass in Jülich Giftköder ausgelegt wurden, um Hunde umzubringen. Immer wieder werden Fälle wie dieser bekannt. Bereits im Dezember 2015 berichtete unsere Zeitung über eine ganze Serie von Hundegift-Attacken. Sowohl auf Privatgrundstücken in Stetternich als auch in der Innenstadt und in Barmen wurden Hunde vergiftet.

Am vergangenen Wochenende schlugen wieder mehrere Täter zu: Neben dem Köder in Jülich Zentrum machte die Polizei einen weiteren Fall in Nideggen bekannt. Nach Informationen unserer Zeitung wurden außerdem Köder in Stetternich zwischen Sophienhöhe und Wasserturm entdeckt. Eine typische Stelle für Giftköder sei auch der Ruhrdamm heißt es aus Hundebesitzer-Kreisen.

Vergiftete Fleischbällchen

Als Maja Noack sieht, wie ihre Hunde etwas kauen, stürmt sie in den Garten, schiebt ihre Hunde zur Seite. Sie hebt etwas kleines Rundes auf und wirft es weit weg. Nur Sekunden später realisiert sie, dass es sich dabei um Hackfleisch handelte. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie schon Böses. Mit ihren Hunden macht sie sich auf die Suche nach dem weggeworfenen Fleisch. Wenn die Hunde es einmal finden, dann auch noch ein zweites Mal. Und tatsächlich findet sie das eingeschnittene Fleischbällchen wieder. Als sie es aufbricht, entdeckt sie kleine rote Kügelchen darin — Rattengift.

Noack ist geschockt: „Menschen, die so etwas tun, sind krank“, sagt sie. Mit dieser Meinung ist sie nicht alleine. Auf Facebook warnt die Jülicherin andere Hundebesitzer vor den Giftködern. Viele User drücken in Kommentaren ihre Betroffenheit aus. Gleich 94 Mal wurde ihr Beitrag bislang in dem sozialen Netzwerk geteilt. „Jetzt sind noch nicht einmal die Fellnasen im eigenen Garten sicher“, schreibt eine Userin.

Das befürchtet auch Noack, denn der Täter hatte die vergifteten Fleischbällchen auch einfach über ihren Gartenzaun geworfen. Irgendwann abends muss es passiert, glaubt Noack, als sie selbst nicht Zuhause war und es dunkel genug war, um nicht entdeckt zu werden. „Ich denke, dass war eine Attacke gegen mich“, lautet ihre Vermutung. „Wenn jemand gezielt meinen Hunden schadet, weiß er, dass er damit mich trifft.“ Denn ihre Hunde Fiona, Istas und Widney sind ihr Ein und Alles.

Daher zögert Noack in der besagten Nacht auch keinen Moment und fährt sofort zur nächstliegenden Notfallpraxis in Erkelenz. Denn obwohl Noack so schnell in ihrem Garten reagiert hatte, konnte sie zwei ihrer Hunde nicht mehr davor bewahren, die Köder zu fressen. In der Praxis in Erkelenz schickt man sie weiter zur Tierklinik in Mönchengladbach. Beide betroffenen Hunde, Fiona und Istas, bekommen eine Spritze, die bewirken soll, dass die Hunde erbrechen und das Gift so wieder den Weg aus dem Körper findet.

Ein paar Tage später scheinen die Hunde wieder wohl auf zu sein, sagt Noack. In einer Nachuntersuchung bei ihrem örtlichen Tierarzt werden aber nochmal die Blutwerte der Tier untersucht werden. Trotzdem sitzt der Schock immer noch tief. „Jetzt im Nachhinein habe ich natürlich Angst, dass es nochmal passieren könnte“, sagt die Jülicherin. „Ich lasse meine Hunde jedenfalls nicht mehr alleine in den Garten.“

App: „GiftköderRadar“

Auch bei Spaziergängen will sie noch mehr darauf achten, was ihre Hunde fressen. Allerdings reichen schon wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit, um einen Hund zu vergiften. Denn ein Fleischbällchen verschlingt zumindest ein großer Hund mit einem Happen. Werden Köder dann auch noch im hohen Gras oder in Gebüschen platziert statt offensichtlich auf dem Weg, ist es für den Hundehalter fast unmöglich, nachzuvollziehen, ob der Hund etwas gefressen hat.

Das wird dann erst deutlich, wenn der Hund erste Auffälligkeiten zeigt. Erbricht er, speichelt stark oder wirkt schlapp, müde und lustlos, können das Anzeichen dafür sein, dass ein Köder geschluckt wurde, erklärt Margret Knorre von der Jülicher Tierarztpraxis Knorre. Sie rät, sofort zum Tierarzt zu fahren und den Hund röntgen zu lassen. Denn handelt es sich nicht um Gift im Köder, sondern um spitze Gegenstände wie Rasierklingen, können diese beim Erbrechen Verletzungen im Magen oder in der Speiseröhre veruursachen, erklärt Knorre. Bei den neuen Rattengifte könne es auch einige Tage dauern, bis erste Anzeichen auftreten.

Damit es aber gar nicht erst dazu kommt, wurde die App „GiftköderRadar“ entwickelt (www.giftkoeder-radar.com). Nutzer des Programms werden über ihr Smartphone gewarnt, wenn ein Giftköder in ihrer Nähe entdeckt wurde. Die Fündigen können dort ganz genau angeben, wo sie den Köder entdeckt haben und um welche Form von Köder es sich handelt.

Bei der Zusammenstellung der Köder haben sich Täter schon vieles einfallen lassen: Rasierklingen, Angelhaken, Nägel oder Rattengift versteckt in Leberwurstbroten, Frikadellen oder Hundekuchen.

Maja Noack hat zwar kein Verständnis für „Hundehasser“, weiß aber auch, dass es unter den Hundehaltern schwarze Schafe gibt: „Einige Hundehalter lassen den Kot ihrer Vierbeiner einfach liegen. Das ist eine Sauerei.“ Um die Situation zu entschärfen, appelliert sie daran, Hundekotbeutel beim Spaziergang mitzunehmen — und richtig zu entsorgen. Was in Jülich fehle, sind Tütenspender für Hundekot und Mülleimer, sagt Noack. Zumindest wäre dieser Vorschlag schon mal ein erster Lösungsansatz, über den die Stadt nachdenken könnte.

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