Linnich: Kein „Solo“ für Lidl in Linnich

Linnich: Kein „Solo“ für Lidl in Linnich

Es war vielleicht als großer Wurf gedacht, aber er verpuffte wie ein Wattebausch im Gegenwind. Discounter Lidl wird wohl nicht an die Stelle rücken, wo heute noch die Linnicher Stadthalle ihrem Verfall entgegendämmert.

Der so geartete Vorschlag der Verwaltung wurde in der ersten Arbeitssitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt mit einer solch umfassenden und einstimmigen Entschiedenheit abgelehnt, dass der Tagesordnungspunkt in der Ratssitzung am folgenden Tag gar nicht mehr behandelt, sondern gleich zu Sitzungsbeginn gestrichen wurde.

Der Place de Lesquin hinter der Stadthalle zählt ebenfalls zu Linnichs Entwicklungsgebieten. Foto: Jonel

Worum es geht: Die Stadt Linnich sucht seit Jahren nach einer stadtentwicklerischen Lösung für den gesamten Bereich Stadthalle-Place de Lesquin diesseits sowie Erkelenzer Straße jenseits der Rur. Zur Gestaltung des linksrurischen Bereichs (Stadtseite) war eigens ein Investorenwettbewerb ausgerufen worden. Die Ergebnisse des Markterkundungsverfahrens waren ernüchternd. Hotel, Mensa und ein Stadthallenersatz wurden als nicht wirtschaftlich reizvoll eingestuft und von keinem Investor aufgegriffen.

Das vitale Element in diesem Bereich scheint allein der Einzelhandel zu sein, und das in einem Ausmaß, dass der „alte“ Stadtentwicklungsausschuss dem neuen diese Aufgabe gleichsam in die Wiege gelegt hatte. Der sollte nach einer großen Lösung suchen, die den Bedürfnissen der Kernstadt als auch den Interessen des Einzelhandels gerecht wird. Da hinein spielte auch die Zukunft des Discounters Lidl, der nach dem Brand und Verlust seines Verkaufsgebäudes an der Jülicher Straße einen neuen Standort suchte.

Das Markerkundungserfahren im Ohr wurde von dem Planungsbüro VDH, Erkelenz, ein Konzept entwickelt, das sich zunächst nur auf den Bereich des Place de Lesquin zur Rurstraße hin konzentriert. Dort wurde planerisch dem Einzelhandel (Lidl) Raum gegeben. Der hintere, also der eigentliche „Kirmesplatz“ samt Wohnmobilplatz und Schützenheim, sollte später separat beplant werden. Notwendig wäre dazu eine Aufhebung des alten Beschlusses, der die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den gesamten Bereich beinhaltet, und darauf folgend die Ausstellung eines Bebauungsplans nur für den vorderen Bereich (Stadthalle) für Einzelhandel.

Die darauf losbrechende Entrüstung war umfassend. Von SPD — „Eine isolierte Planung auf ein isoliertes Unternehmen auszurichten, halte ich für eine Katastrophe.“ (Hans-Friedrich Oetjen) — über PKL — „Wenn wir dem zustimmen, brauchen wir uns in Linnich nicht mehr sehen zu lassen.“ (Uli Meuser) — und Grüne — „Wie brauchen eine zukunftsweisende und komplex Lösung und keinen Schnellschuss.“ (Cato Hilfert) — bis hin zur CDU — „Kurz und knapp: Wir sind dagegen. (Achim Grün) — kam ein so eindeutiges Nein, dass Bürgermeister Wolfgang Witkopp kund tat, dass er vor diesem Hintergrund und bezogen auf diesen Standort keine weiteren Gespräch mit diesem Investor (Lidl) führen werde.

„Ein Drama ist das nicht, aber ein bisschen schade finde ich das schon“, meinte er, da ein „Frequenzbringer für die Innenstadt“ immer Ziel gewesen sei.

Einen Lösungsweg eröffnet vielleicht der Stadtmarketingverein, der mit Stadtentwicklungskonzept für den Place de Lesquin und die Rurstraße „viele Schritte weiter ist als wir“, so Ausschussvorsitzender Peter Leufen (CDU). Neben der generellen Ablehnung des Lidl-Konzepts von Planer und Verwaltung herrschte ebensolche Einmütigkeit, den Stadtmarketingverein nach der Sommerpause zur Vorstellung seiner Konzeption in den Ausschuss einzuladen.