Kein Karneval mehr in der Stadthalle Jülich - Alternativen?

Wat fott es, es fott : Jülichs Karnevalisten auf der Suche nach Alternativen für die Stadthalle

Die neue Session steht vor der Tür, die Stadthalle aber nicht mehr zur Verfügung. Nach dem Abschied von den alten Räumlichkeiten im letzten Jahr, müssen nun Alternativen für die Karnevalisten gefunden werden. Ist es dafür aber eigentlich schon zu spät?

Wo noch im letzten Jahr kräftig gefeiert wurde, herrscht jetzt eine triste Atmosphäre. Das einzige, was rund um die Jülicher Stadthalle noch an die Karnevalssitzungen erinnert, die dort jahrelang stattgefunden haben, sind die Reste von bunten Dekorationen, die auf dem verlassenen Hinterhof neben Glasscherben, Graffiti und zugenagelten Fenstern kein schönes Bild abgeben. Die Stadthalle ist verkauft, sollte eigentlich schon abgerissen werden, um Platz für ein neues Seniorenquartier zu schaffen. Diese Pläne sind allerdings noch nicht umgesetzt und so wird die Halle wohl auch diese Session noch miterleben. Nur feiern wird dort niemand mehr.

Für die Jülicher Karnevalsgesellschaften ist das kein leichter Umbruch, denn Alternativen sind rar. Erika Müller-Bong, Vorsitzende der KG Rursternchen, weiß bisher noch nicht, wo das ehemals in der Stadthalle ausgetragene Tanzturnier der Gesellschaft in dieser Session stattfinden wird. „Wir gehen bisher davon aus, dass das geplante Muschel-Zelt im Brückenkopf-Park oder eine ähnliche Alternative zur Verfügung stehen wird“, sagt sie. Dass es eine Ausweich-Lokalität geben wird, habe Bürgermeister Axel Fuchs bereits zugesichert.

Bei dem Muschel-Zelt handelt es sich um den Ersatz für die marode Hauptbühne mit Kuppeldach im Brückenkopf-Park. Im Februar hatte der Rat die Pläne für die sogenannte „Tent-Music Hall“, die etwa 960.000 Euro kosten soll, zuzüglich Aufbaukosten von rund 100.000 Euro, abgenickt. Bis zu 1500 Menschen sollen in der Muschel Platz finden. Ob sie bereits in dieser Session zum Einsatz kommen kann, ist aber noch unklar.

Quasi nebenan: Die KG Rurblümchen wird auf einem alten Sportplatz hinter der Stadthalle in einem Festzelt feiern. Foto: Kim Statzner

Auch bei der KG Ulk Jülich herrscht Ungewissheit. „Das Problem ist, dass man in der Luft hängt“, sagt Präsident Jörg Bücher. Auch seine Gesellschaft hofft auf das Muschelzelt, das nach dem letzten Kenntnisstand der KG im Dezember stehen soll.

„Die Pläne sind eigentlich sehr vielversprechend“, sagt Bücher. Um Ideen umzusetzen, müsse aber erst mal ein Zelt stehen. Die Sitzungen der KG Ulk sind gebucht, lediglich einen Ort konnten die Verantwortlichen den Akteuren noch nicht nennen. Jörg Bücher und Erika Müller-Bong hoffen nun auf Klarheit bei einem Treffen mit dem Bürgermeister, das am Mittwoch stattfinden soll. Dort soll die versprochene Alternative für die Stadthalle thematisiert werden.

Bei den Rursternchen ist zum Glück keine allzu große Eile geboten, denn sie haben nie Sitzungen in der Stadthalle veranstaltet: Ihr Ordensfest feiern sie auch dieses Jahr im Kulturbahnhof in Jülich. Dort feiert auch die KG Herzogstädter Jülich und die Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus Jülich die Sessionseröffnung. Der Jülicher Geschichtsverein und sein großer Mundartnachmittag hat ebenfalls eine neue Heimat im KuBa gefunden.

Während die KG Ulk auf die Zeltalternative hofft, wollen und können die Verantwortlichen der KG Rurblümchen so lange nicht warten und haben sich selbst um eine Alternative bemüht: Ihre Sitzungen werden in einem Festzelt auf dem alten Sportplatz hinter der Stadthalle stattfinden. „Das ist für uns alternativlos, denn wir müssen die Sitzungen vorher buchen“, sagt Michael Schröder, Geschäftsführer der KG Rurblümchen. Planungssicherheit sei dabei nicht nur aus finanziellen Gründen wichtig.

Eigentlich zu spät?

Aber auch die Buchung eines Festzeltes erwies sich als schwierig. Im Frühjahr waren viele Zelte bereits vermietet. Die Rurblümchen hatten Glück: Ein Zeltanbieter, mit dem die KG bereits im letzten Jahr für ihre Herrensitzung im Brückenkopf-Park zusammengearbeitet hatte, konnte schließlich noch ein Zelt beschaffen und auch die nötige Genehmigung wurde erteilt. An den Alternativen der Stadt ist die Gesellschaft aber durchaus interessiert: „Jedes Jahr wollen wir definitiv kein Zelt aufbauen“, sagt Schröder. Ein Festzelt mitten in der Stadt sei schließlich auch für die Gäste eher ungewöhnlich. Ab 2021 müsse eine andere Lösung gefunden werden.

Bei der KG Ulk und der KG Rur­sternchen möchte man zunächst das Treffen mit dem Bürgermeister abwarten. „Danach müssen wir überlegen, ob eine Alternative rechtzeitig fertig wird, oder wir die Notbremse ziehen müssen“, sagt Bücher. Zu einem so späten Zeitpunkt nur wenige Tage vor Sessionsstart noch ein eigenes Zelt oder eine andere Ausweichmöglichkeit zu finden, könnte sich allerdings als schwierig erweisen, wie nicht zuletzt die Erfahrung der Rurblümchen zeigt.

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