Karl Heinz Emrich investiert in 92 neue Sozialwohnungen in Jülich

Schweizer Straße : Investieren in bezahlbares Wohnen

Karl Heinz Emrich baut mit Unterstützung der Stadt und Förderung des Landes 92 neue Sozialwohnungen in der Schweizer Straße. Im Februar sollen die ersten Wohneinheiten fertig werden. Emrich erklärt, warum sich für ihn das investieren in bezahlbares Wohnen lohnt.

Sozialer Wohnungsbau ist ein Thema, das aktuell nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern auch in Berlin heftig diskutiert wird. Bei explodierenden Mietpreisen wird besonders in den Großstädten der bezahlbare Wohnraum knapp. Während die Meinungen bei der Umsetzung auseinandergehen, scheint eines klar: Mehr Wohnungen müssen her.

In Jülich nähert sich ein Großprojekt des sozialen Wohnungsbaus in der Schweizer Straße nun der Vollendung. Investor Karl Heinz Emrich baut dort, mit Unterstützung der Stadt und Fördergeldern des Landes, 92 neue Wohnungen. Wie Bürgermeister Axel Fuchs bereits bei der Grundsteinlegung im letzten Jahr betonte, habe es in der Schweizer Straße schon immer sozialen Wohnungsbau gegeben, nur das Niveau werde sich grundlegend ändern.

7500 Quadratmeter Grundstück

Auf dem rund 7500 Quadratmeter großen Grundstück, wo noch bis 2014 Nachkriegs-Wohnblöcke mit starkem Sanierungsbedarf standen, die zum Teil weder mit Duschen noch Heizungen ausgestattet waren, stehen nun – noch nicht ganz fertige – moderne Wohnanlagen. Der gesamte Komplex mit 6000 Quadratmetern Wohnfläche ist barrierefrei, die Wohnungen sind in erster Linie auf die Bedürfnisse von älteren Menschen oder Familien zugeschnitten. Auch zwei Gruppenwohnungen für jeweils sieben Personen sowie Tagespflegeeinheiten entstehen.

Bauherr Karl Heinz Emrich investiert seit über 40 Jahren in den sozialen Wohnungsbau. Dass sich gerade bei der aktuellen Zinslage auf dem freien Wohnungsmarkt schneller Geld verdienen ließe, sei ihm durchaus bewusst. „Langfristig rechnen sich Investitionen im sozialen Wohnungsbau aus meiner Sicht aber durchaus“, sagt Emrich. „Aber man muss in einem Zeitraum von 30 Jahren denken und viele Mitwettbewerber denken kurzfristiger.“

Karl Heinz Emrich investiert seit über 40 Jahren in den sozialen Wohnungsbau. Foto: Kim Statzner

Die Wohnungen in der Schweizer Straße werden 5,25 Euro pro Quadratmeter kosten. Damit läge eine Wohnung für eine Person mit 45 Quadratmetern bei rund 236 Euro im Monat. Dieser Mietpreis ist bei Sozialwohnungen festgesetzt. Das ist einer der Gründe, warum sie für Investoren weniger attraktiv sind. Bei höheren Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt sind entsprechend auch die Renditen höher. Sozialwohnungen punkten dafür mit mehr langfristiger Sicherheit und einem geringen Leerstandsrisiko.

Dass mit seinem Bauprojekt das ehemals problembehaftete Wohngebiet an der Schweizer Straße nun eine städtebaulich positive Entwicklung durchmacht, freut Emrich außerdem. „Gewinnoptimierung ist nicht alles im Leben“, erklärt er, laute seine persönliche Philosophie. In seinem aktuellen Projekt schätzt der Investor vor allem das Engagement von Stadt und Bürgermeister. Dieser war sogar persönlich in Düsseldorf vorstellig geworden, um beim Land für Fördergelder zu werben. Mit Erfolg: Von den Kosten von rund 16 Millionen Euro trägt das Land rund 9,6 Millionen. Vermietet werden die Wohnungen über die Stadt an Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein.

Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um Sozialhilfeempfänger, wie der Begriff Sozialwohnungen vielleicht suggeriert. In die öffentlich geförderten Wohnungen kann einziehen, wer unter einer gewissen Einkommensgrenze liegt. In diese Gruppe fallen zum Beispiel auch ältere Menschen mit einer kleinen Rente oder Familien mit einem geringen oder mittleren Einkommen.

Bezug ab Februar 2020

Das erste Gebäude und damit die ersten 30 Wohnungen werden voraussichtlich im Februar 2020 bezugsfertig sein, aktuell werden Fliesen gelegt und Böden gegossen. Im zweiten Haus wird gerade am Dachstuhl gearbeitet. Wenn dieser fertig ist, beginnt auch hier der Innenausbau.

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