Koslar: Kardinal aus Sri Lanka feiert eine Messe in Koslar

Koslar : Kardinal aus Sri Lanka feiert eine Messe in Koslar

Seit mehr als 20 Jahren besteht eine freundschaftliche Partnerschaft zwischen den Gemeinden St. Adelgundis Koslar /Engelsdorf und der Katholischen Gemeinde Ratnapura in Sri Lanka. Im Rahmen dieser engen Kontakte zelebrierten am vergangenen Sonntag der Erzbischof von Colombo, Kardinal Dr. Malcolm Ranjith, und Pfarrer Dr. Peter Jöcken eine Hl. Messe in der St. Adelgundis Kirche.

Am feierlichen Hochamt wirkten zudem die Begleiter des Kardinals Monsignore Neville Joe Perera, Pfarrer Iude Samanthe, Pfarrer Nicola Denintan und Pfarrer Tyronne Perera mit. In Anlehnung an die Lesung aus dem Buch „Deuteronomium“: „ Achte auf den Sabbat (…), sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte ist ein Ruhetag, dem Herren fortwährend geweiht“, las Pfarrer Jöcken aus dem Evangelium nach Markus.

Das ausgewählte Fragment des Neuen Testaments beschreibt eine Gegebenheit aus dem Leben Jesu, bei der die Pharisäer ihn eines schweren Verbrechens bezichtigten. Jesus heilte einen sterbenden Menschen am Ruhetag, brach damit die geltenden Glaubens-Gesetze und hatte eine harte Strafe zu erwarten.

Die Antwort Jesu, der Sabbat sei für den Menschen und nicht der Mensch für den Sabbat da, nahm Kardinal Ranjith zum Anlass seiner Predigt und erläuterte seine Bedeutung für die Auslegung der biblischen Gebote damals und heute. „An jedem Sonntag erleben wir, wie wohltuend dieses Gebot ist“, sagte Ranjith, „doch auch die biblischen Regeln können in Ausnahmesituationen aufgehoben werden“.

Der Kardinal sprach von der Absicht Jesu, die Menschen zurück zur ursprünglichen Bedeutung der Gebote Gottes zu führen. „Der Ruhetag sollte den Menschen dienen und ihnen keine neuen Lasten aufgeben. Wir dürfen bei der Auslegung unserer Glaubensgebote weder der rigoristischen Versuchung nachgeben, noch dürfen wir diese Vorschriften aus Bequemlichkeit über Bord werfen“, hieß es weiter in der Predigt.

„Die Rückkehr zur anfänglichen Bedeutung der Gebote, die das Wohl und Heil eines jeden Menschen im Sinn haben, scheint mir eine sinnvolle Lebensregel zu sein“, sagte der Erzbischof und legte den Gläubigen nahe: „Fragen wir uns, was Gott mit seinen Geboten für uns im Sinne hatte“.

Der beim Pontifikat 2013 als ernstzunehmender Papstkandidat geltende Kardinal und Freund von Joseph Ratzinger erzählte bei einem gemütlichen Frühstück im Gemeindehaus von seinen lang andauernden Beziehungen zu Deutschland. Er bezeichnete es als „seine zweite Heimat“. In seinem Geburtsland Sri Lanka sind die Christen mit rund acht Prozent der Bevölkerung eine Minderheit.

Weit über 70 Prozent der Menschen gehen dem buddhistischen Glauben nach. Rund 13 Prozent Hindus und knapp 10 Prozent Moslems bilden weitere Glaubensminderheiten. In dem vom langjährigen Bürgerkrieg geschwächten Land gibt es nach den Worten Kardinals Ranjith gegenwärtig keine religiösen Konflikte. Er ist überzeugt von der Möglichkeit einer dauerhaften, friedlichen und respektvollen Koexistenz von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen.

Der Erzbischof von Colombo gehört zu den Vertretern der katholischen Kirche, die von sinkenden Zahlen der Gläubigen und leeren Kirchen nicht entmutigt werden. „Diese Probleme sind nicht unüberwindbar“, sagt er als Verfechter einer optimistischen statt pessimistischen Evangelisierung.

„Christentum ist Herzsache, man muss seine Schwestern und Brüder verstehen“, erläutert er weiter. Gefragt nach seiner Stellung zu den „Modernisierungsmaßnahmen“ von Papst Franziskus innerhalb der Kirche antwortet der als konservativ geltende Kardinal:

„Es ist keine Modernisierung, das steht alles schon im Evangelium. Wir müssen an den Lehren Jesu dranbleiben. Ich bin mit unserem Papst sehr zufrieden“. Im Namen des Gemeinderates bedankte sich Peter Brendel bei Kardinal Ranjith und seinen Begleitern für den feierlichen Gottesdienst und das gemütliche Beisammensein, bevor die Gäste direkt aus dem beschaulichen Koslar gen Rom abreisten.

(mavo)
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