Jülich: Jülichs Zukunft: Erlebniszentrum oder reine Nahversorgung?

Jülich: Jülichs Zukunft: Erlebniszentrum oder reine Nahversorgung?

Ganz so schlecht wie manche meinen, ist es um die Stadt Jülich nicht bestellt. Für die Zukunft als Mittelzentrum rechnet Dr. Stefan Holl, Geschäftsführer der Marktforschungsgesellschaft GMA Ludwigsburg der Herzogstadt ganz gute Chancen aus.

Zwei bis drei - diese Note gab er für die bisherigen Anstrengungen, Jülich fit für die Zukunft zu machen, bei einer Podiumsdiskussion in der Geschäftsstelle der Sparkasse Düren in Jülich am Schwanenteich.

Das Geldinstitut hatte gemeinsam mit dem Verein Stadtmarketing Jülich zu dieser Gesprächsrunde eingeladen und Holl als kompetenten Gesprächspartner gewinnen können. Mit ihm am Tisch saßen Prof. Dr. Herbert Schmidt vom Vorstand der Sparkasse, der als Moderator fungierte, sowie Martin Schulz, Beigeordneter der Stadt Jülich und Wolfgang Hommel von Seiten der Geschäftsleute und diskutierten über „Jülich 2020: Einkaufsstadt zwischen Erlebnis und Bedarfsdeckung”.

Als Außenstehender hatte Holl sich die derzeitigen Gegebenheiten in der Stadt angesehen und mit anderen Städten verglichen. Schon jetzt so betonte er, müssten die Weichen für die Zukunft gestellt und Ziele ins Auge gefasst werden. Zwar sah er Jülich in einem positiven Licht, doch auch hier gebe es reichlich Potenzial zur Verbesserung.

„Die Stadt lebt auch vom Umland”, betonte er und sah es als gut an, dass Jülich durch vorhandene Arbeitsplätze mehr Menschen in die Stadt holt, als täglich nach draußen pendeln. Auch die demographische Entwicklung sah er positiv und prognostizierte bis 2020 lediglich eine leichte Abnahme der Bevölkerungszahlen. Darauf könne man aufbauen, meinte Holl.

Mit offenen Augen war er durch die Stadt gewandert und hatte das Geschäftsleben als gesunde Mischung empfunden. Das Jülicher Einkaufszentrum habe für die Stadt genau die richtige Größe und mit einigen Filialisten sei es gut bestückt. Um auch für die Zukunft gerüstete und gut aufgestellt zu sein, sei es nötig drei Dinge zu beachten.

Vernetztes Denken zwischen Verwaltung und Einzelhandel, in dem Handel, Gastronomie, Freizeit und Wohnen berücksichtigt wird, sei ebenso unabdingbar wie eine effiziente Flächennutzung und eine am Markt und den Bedürfnissen der Bürger orientierte Planung.

Schwierig, betonte dagegen Hommel, seien die Bedürfnisse der Kunden zu erforschen. 90 Nationen leben zurzeit in und um Jülich. Neben den Menschen mit Migrationshintergrund gebe es die traditions- und heimatverbundene Bevölkerung sowie durch das Forschungszentrum auch eine Schicht mit hoher Bildung und anspruchsvollem Denken. Er wollte von Holl genau wissen, ob Jülich sich zu einem Zentrum der Bedarfsdeckung oder Erlebniszentrum entwickeln sollte.

Diese Entscheidung wollte der Marktforscher der Stadt und der Kaufmannschaft nicht abnehmen. Erste Ansätze sah er allerdings darin, dass Jülich zum Erlebniszentrum werden könne. Einige hochwertige Marken seien hier bereits vertreten und auch das Umfeld spreche dafür.

Ausgebaut werden solle da allerdings die sogenannte Evening Economy (sprich Cafés, Gaststätten etc.) verbunden mit etwas Tourismus. Dazu gehöre auch eine entsprechende Gestaltung der Innenstadt, mit Park- und Grünflächen, Beleuchtung, eventuell Wasseranlagen und ähnlichem. Hier so betonte er, gebe es immer etwas zu verbessern.

Ein attraktives Stadtbild sei wichtig, deshalb müsse die Verwaltung auch stets ein Auge auf die ansässigen Filialisten haben, die oft zu uniformiert heran kämen. Dies konnte Martin Schulz nur bestätigen. „Jülich hat ein Gesicht. Deshalb ist bei uns Werbung an den Geschäften ein wichtiges Thema, denn das Gesamtbild muss stimmen”, meinte er.

Natürlich wurden auch die zahlreichen Zuhörer in die Diskussion mit einbezogen, doch letztendlich musste Prof. Schmidt feststellen, dass man Jülichs Zukunft nicht an einem Abend diskutieren kann. Er appellierte allerdings auch an die Bürger sich in den Planungs- und Entwicklungsprozess mit einzubringen.

Zuvor hatte Hommel bemerkt, dass ein Verein wie das Stadtmarketing Jülich mit den Herausforderungen der Zukunft überfordert sei und hier eine Lösung gefunden werden müsse. Er vermisste auch die jüngere Generation, die sich bisher in das Engagement um Jülich nicht einbringt. Schulz sah dagegen die Zukunft positiv und versprach sich mit allen Beteiligten zusammen zu setzen, um ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.

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