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Jülich: Jülicher Tafel mit neuer Anlaufstelle Margaretenstraße

Jülich : Jülicher Tafel mit neuer Anlaufstelle Margaretenstraße

Ein Fest zum zehnjährigen Jubiläum der Jülicher Tafel e. V. wäre eigentlich schon längst fällig. Im Januar 2007 schaffte ein hochmotiviertes Team von ehrenamtlichen Helfern einen regulären Betrieb im Dienst der Bevölkerung aufzunehmen. Doch zum Feiern dieser gemeinnützigen Arbeit kamen die Mitwirkenden gar nicht.

Eine unverhoffte Kündigung der Räumlichkeiten in der Lorsbecker Straße zum 31. Oktober 2017 bescherte dem Vorstand und den rund 40 ehrenamtlichen Mitarbeitern alles andere als Feierlaune. „Es war sehr schwierig, neue Räumlichkeiten zu finden“, sagt Vereinsvorsitzende Maria Güldenberg, „die neue Bleibe musste für uns bezahlbar sein und einen Vermieter haben, der uns mochte“.

Stolz erzählen die stellvertretende Vorsitzende Edelgard Heidelberg und die Schriftführerin Dr. Gerhild Lottner von dem Umzug, der dank der vielen Helfer einen fast nahtlos laufenden Betrieb ermöglichte. „Es waren nur acht Tage, an denen unsere Tafel schließen musste“, bekräftigen sie. Dieser laufende Betrieb kommt rund 1400 Kunden aus den Städten Jülich und Linnich, den Gemeinden Titz und Niederzier sowie aus der Ortschaft Schophoven zugute. „Die Bedürftigkeit der Menschen soll und kann nicht warten“, hieß es bei den Umzugsarbeiten, die einen enormen Leistungsaufwand an innerbetrieblichen Kapazitäten und eine große Hilfsbereitschaft von außen mobilisierten.

„Es ist für uns daher wichtiger, eine Dankeschön-Feier für all diese Menschen zu organisieren, die uns mit ihrer Arbeitsleistung sowie Geld- und Sachspenden unterstützt haben, als unseren Jubiläumsfest zu feiern“, sagte die Vorsitzende in ihrer Begrüßungsrede. Sie bedankte sich bei der Familie Schüssler, die als Vermieter ein großes Entgegenkommen bei den Renovierungsarbeiten und der Lagerausstattung zeigte, für die Möglichkeit, „unsere Arbeit überhaupt fortzuführen“.

Ihr besonderer Dank galt den ehrenamtlichen Helfern, die „immer vor Ort gewesen waren und wie besessen gearbeitet haben“. Die Anerkennungsworte galten auch den Kunden und der Geschäftsführung der Discounter-Kette „Lidl“. Mit der „Pfandspende“ wurde der Kauf eines neuen Kühlwagens mitfinanziert. „Einen besonderen Dank richten wir heute an alle Supermarkte und Discounter, die uns mit ihren Lebensmittelspenden und weiteren Aktionen unterstützen. „Ohne diese gäbe es uns nicht“, unterstrich Güldenberg.

„Ich danke auch dem Vorstand für seine herausragende Arbeit und allen, die mit helfenden Händen jeden Tag dazu beitragen, bedürftigen Menschen das Leben leichter zu machen“, führte sie fort und erwähnte zudem die hervorragende Vernetzung mit den städtischen Hilfsorganisationen, welche nach Möglichkeit ihren Obolus zur Existenz der Jülicher Tafel beitragen. Den langjährigen Einsatz der 1. Vorsitzenden, des Vorstands und der vielen Ehrenamtlichen Helfer würdigte der Bürgermeister der Gemeinde Titz, Jürgen Frantzen. Stellvertretend für alle Bürgermeister aus den Zuständigkeitsbereichen und Personen des öffentlichen Lebens sprach er die höchsten Anerkennungsworte aus.

„Was Sie hier leisten, ist aller Ehren wert“, sagte er und „es ist nicht einfach, jedem gerecht zu werden.“ Er erwähnte die öffentliche Diskussion über die Tafel in Essen, die aus seiner Sicht völlig unberechtigt alle Tafeln in den Fokus der Kritik mit eingezogen hatte. „Jülich ist nicht Essen, was hier erbracht wird auch von den Menschen, die nach jahrzehntelanger Arbeit in anderen Bereichen, wie der ehemalige MdL Joseph Wirtz aus Schophoven, sich nochmals in dieser Form in die Gesellschaft einbringen, ist höchstes Lob wert“, sagte der Titzer Bürgermeister. „Der Anteil ihrer Personalkosten an dem gesamten finanziellen Aufwand ist dank dieser Menschen und ihrem ehrenamtlichen Engagement kaum zu beziffern“, fügte er noch hinzu.

Zu der ausgezeichneten Arbeit des Jülicher Teams gratulierte auch Wolfgang Weilerswist, der Vorsitzende des Landesverbands der Tafel in NRW. Dr. Patricia Peill (CDU), Mitglied des Landtags, sprach von der größten Professionalität, die in der Arbeitsplanung der Jülicher Tafel ihrer gleichen sucht. „Auch die sachkundige Hilfe von außen wird hier angenommen und gekonnt umgesetzt“, sagte sie. „Ich zolle meinen höchsten Respekt für das, was hier deutlich spürbar ist“, erklärte Peill und bedachte „das große Wohlwollen den Bedürftigen gegenüber, das freundschaftliche Arbeitsklima und das große Herz im zwischenmenschlichen Umgang“.

Die Landtagsabgeordnete griff die Worte der Vorsitzenden Maria Güldenberg „die wahre Armut ist leise, ihre Stimme wird oft nicht gehört“, auf und lud das ganze ehrenamtliche Team in den Landtag ein. „Die Stimme in der Politik ist wichtig“, sagte sie, „im Landtag könnt ihr die Menschen treffen, die ihr gerne sprechen wollt“. „Die Tafel kommt in den Landtag und der Landtag richtet eine Tafel für Euch“, lautete diese Einladung und wurde mit viel Freude angenommen