Jülicher Schülerausstellung beeindruckender Schluss der Gedenkreihe

Ende der Veranstaltungsreihe : Jülicher Schülerausstellung ist beeindruckender Schlusspunkt

Jülicher Schulen vergraben Botschaften des Projektes „Nie wieder! Was wir heute von gestern für morgen lernen“ an die nächste Generation in Zeitkapseln. Eine ungewöhnliche Veranstaltungsreihe zum 80. Jahrestag der Pogromnacht ist beendet.

In den letzten Monaten war in Jülich ein breites Bündnis zusammengekommen, um Gedenkveranstaltungen anlässlich des 80. Jahrestages der Pogromnacht zu organisieren. Zu diesem besonderen Jahrestag fand eine ganze Veranstaltungsreihe rund um die in Jülich seit vielen Jahren von den Kirchen, der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz und engagierten Einzelpersonen organisierte Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 8. November statt. Besonders wichtig war es allen Beteiligten, junge Menschen in die Gedenkveranstaltungen stärker einzubinden. Erstmalig waren alle weiterführenden Jülicher Schulen an den Vorbereitungen beteiligt.

In allen Schulen setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Thematik auseinander. Das wurde bereits bei der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Jülich im Jahr 1938“ im Kulturbahnhof deutlich. Der Einladung der Stadt und des Jülicher Geschichtsvereins waren auch viele Jugendliche gefolgt und trugen zu einer anregenden Podiumsdiskussion bei.

Das Projekt der Schulen unter dem Titel: „Nie wieder! Was wir heute von gestern für morgen lernen: 2018 -1938 - 2068“ bildete den Abschluss der Gedenkveranstaltungen und führte zuletzt alle Beteiligten auf dem Propst-Bechte-Platz zusammen. Stellvertretend für Bürgermeister Fuchs, der an diesem Tag dienstlich verhindert war, fasste Beigeordneter Martin Schulz die Idee des Projektes kurz zusammen: „Nur wer die Vergangenheit kennt, der hat eine Zukunft – dieses Zitat von Wilhelm von Humboldt ist ebenso knapp wie treffend und diente den Jülicher Schulen als Grundlage für ihre Auseinandersetzung mit den Ereignissen des 9. November 1938. Der Blick sollte dabei nicht nur zurück in die Geschichte, sondern eben auch in unsere Gegenwart und in die Zukunft gehen.“

Die weiterführenden Jülicher Schulen beschäftigten sich mit der Frage, welche Lehre man im Jahre 2018 aus der Reichspogromnacht ziehen und welche Botschaft man der kommenden Generation in die Zukunft, in das Jahr 2068, hinüberrufen wolle. So hat sich jede Schule auf ganz eigene Weise mit dieser Thematik auseinandergesetzt und ihre Erfahrungen und Einsichten zusammengetragen. Diese Ergebnisse werden in einer gemeinsamen Ausstellung im Neuen Rathaus präsentiert.

Zugleich sollen die Einsichten und Lehren unserer Tage als Botschaft auf den Weg zur nächsten Generation gebracht werden. Dazu hat jede Schule ihr Projekt in einer Zeitkapsel verschlossen. Gleich neben dem Mahnmal für die ermordeten Juden des Jülicher Landes wurde nun gemeinsam ein Baum gepflanzt und die Zeitkapseln aller Schulen an seinen Wurzeln vergraben. „So sollen die Botschaften symbolisch in die Zukunft wachsen“, schloss Schulz sein Grußwort.

Er verband damit die Hoffnung, dass vielleicht die Schülerinnen und Schüler von heute in 50 Jahren gemeinsam mit ihren Enkeln diese Kapseln wieder hervorholen und sich erinnern werden, dass Ideale wie Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit und Mitbestimmung zeitlose Güter sind, deren Bedeutung man auch im Jahr 2068 noch kennt, schätzt und lebt. Schülerinnen und Schüler vom Berufskolleg, Mädchengymnasium, Gymnasium Haus Overbach und Gymnasium Zitadelle sowie von der Schirmerschule, der Sekundarschule und der Stephanusschule stellten ihr jeweiliges Projekt kurz vor, um dann gemeinsam die Zeitkapseln zu vergraben.

Im Anschluss wurde die Gemeinschafts-Ausstellung im Neuen Rathaus eröffnet. Die Besucher zeigten sich beeindruckt und bewegt von den Ergebnissen. Texte, Bilder und Gedichte sind ebenso in der Ausstellung zu finden wie selbst erstellte Audio-Dateien oder Videos. So nehmen die jungen Menschen die Besucher im Film mit auf einen Rundgang zu historisch bedeutenden Orten der Judenverfolgung in Jülich und der Umgebung, lassen sie teilhaben an einem Interview mit Heinz Spelthahn als Vorsitzendem der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz und singen ein Lied, das tief bewegt und zum Nachdenken anregt.

Die Ausstellung„Nie wieder! Was wir heute von gestern für morgen lernen:2018 – 1938 – 2068“ ist bis Freitag, 14. Dezember, im Neuen Rathaus (Kleiner Sitzungssaal) zu sehen: montags bis mittwochs von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr und freitags von 8.30 bis 12 Uhr.

Ungewöhnlich war die Gedenkveranstaltungsreihe auch gestartet: Um auch die Verantwortung der damaligen politischen Vertreter in den Fokus zu rücken, bildete eine Ansprache des Bürgermeisters im Neuen Rathaus den Auftakt. Im vollbesetzten Sitzungssaal sorgten der Chor des Mädchengymnasiums und ein Streicher-Ensemble des Gymnasiums Zitadelle für einen feierlichen Rahmen.

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