Jülicher Rurdamm: Noch keine akute Gefahr für Gasleitung und Bäume

Jülicher Rurdamm : Noch keine akute Gefahr für Gasleitung und Bäume

Heinz Frey als Vorsitzender des Ausschusses für Planung, Umwelt, Bauen wollte eine klare Antwort. Er fragte am Donnerstag die Vertreter von Thyssengas, ob eine akute Gefahr durch Baumwurzeln für die Gashochdruckleitungen im Untergrund des Rurdamms besteht.

„Dann hätten wir die Leitungen aus dem Betrieb genommen und dann hätte Jülich kein Gas mehr“, lautete die Antwort. Da dem nicht so ist, darf man das durchaus doppeldeutig verstehen: Den Rohrleitungen (Baujahr 1930!) drohen nach Expertensicht vorerst noch keine Beschädigungen, und in der Allee ist im Moment kein „Kettensägenmassaker“ zu befürchten. Nach einer Diskussion vor zahlreichen Gästen im Rathaus gibt es nun ein wenig Luft, um darüber nachzudenken, wie man die Gasleitungen schützen kann, ohne 80 Jahre alte Bäume eines gewachsenen Jülicher Wahrzeichens möglicherweise unnötig zu fällen.

Die Bürgerinitiative Kastanienallee Rurdamm hatte das Thema vor einer Woche an die Öffentlichkeit gebracht und gegen das Vorhaben protestiert, weil sie nähere Informationen vermisst. Bei einer fachmännischen Bewertung wurden nach Unternehmensangaben rund 60 Bäume, die in geringem Abstand zur Gasleitung vor allem auf dem Rurdamm stehen, als „kritisch“ eingestuft. So könnte es passieren, dass ausgerechnet gesunde Bäume einer Allee, die durch Insekten und Pilze über Jahrzehnte dezimiert wurde, gefällt werden.

Die Bewertung „kritisch“ erfolgte nach bestimmten gesetzlichen Richtlinien, die Netzbetreibern wie Thyssengas auferlegt wurden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zahlreiche Vertreter der Initiative bildeten den Großteil des Publikums im Ausschuss und hörten einen kurzen Bericht der Thyssengas-Vertreter, deren Unternehmen auch mit dem Jülicher Versorger Stadtwerke als Netzkopplungspartner kooperiert und das als reiner Erdgas-Transporteur fungiert.

Leitungen verlegen

Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass es nicht nur die Option gibt, Bäume zu fällen. So sei es in manchen Fällen möglich, Wurzelschutzplatten einzuziehen oder einen Wurzelschnitt vorzunehmen, um zu verhindern, dass das unterirdische Geflecht der Bäume die Gasleitungen beschädigt. „Wir werden ohne die Stadt keine Fällung vornehmen“, versicherte ein Unternehmenssprecher. Vielmehr wolle Thyssengas nun mit anderen Einrichtungen Kontakt aufnehmen, die mit dem Rurdamm befasst sind: dem Wasserverband Eifel-Rur oder der Unteren Landschaftsschutzbehörde zum Beispiel. Die Stadt selbst will Gutachten einholen. Wenn alle Ergebnisse vorliegen, soll ein Maßnahmenplan abgestimmt und in einer Bürgerinformation vorgestellt werden. Auszuschließen ist nicht, dass die Hochdruckleitungen ganz oder teilweise verlegt werden – das beantworteten die Thyssengas-Vertreter auf Nachfrage von Bürgermeister Axel Fuchs.

Auf diese Idee kann man kommen, wenn man bedenkt, dass die Leitungen 90 Jahre alt sind und eine durchschnittliche Lebenserwartung von 100 Jahren haben, also in nicht ferner Zukunft Handlungsbedarf bestehen könnte. Dann müsste jetzt nicht eine Allee radikal verkleinert werden, die als solches auch gesetzlich geschützt ist, wie Gabi Frinken für die Bürgerinitiative erklärte.

Ganz sicher vor den Sägen sind die Rosskastanien allerdings nicht. Die Stadt selbst hat angekündigt, bis Ende Februar acht von ihnen zu entfernen, von denen durch massiven Pilzbefall eine erhöhte Bruchgefahr ausgehe.

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