Glasfaser und Hallenbad: Jülicher Rat will die Prioritäten der Stadtwerke umschreiben

Glasfaser und Hallenbad : Jülicher Rat will die Prioritäten der Stadtwerke umschreiben

Wenn der Rat der Stadt Jülich am Mittwoch (18 Uhr, Neues Rathaus) einen Antrag der JÜL-Fraktion durchwinkt, dann geht es auch um eine Verschiebung von Prioritäten. Das Ansinnen ist naheliegend. JÜL-Fraktionsvorsitzender Heinz Frey fordert, den Ausbau des Glasfasernetzes zu forcieren.

„Ziel muss dabei sein, diese Versorgung in den nächsten drei bis fünf Jahren vollends erfüllt zu haben“, heißt es in dem Antrag, der im Hauptausschuss in der letzten Woche bereits Zustimmung gefunden hatte.

„Ein eigenes Glasfasernetz ist als Standortfaktor enorm wichtig“, argumentiert Frey. „Angesichts der im Rahmen des Strukturwandels möglichen Entwicklungspotenziale der Stadt Jülich ist es daher zwingend erforderlich, auch die notwendige Infrastruktur anzupassen beziehungsweise aufzubauen“, betont Frey, der dabei auch die Stadt selbst als Gesellschafter der Stadtwerke in der Pflicht sieht, wenn es um die Investitionskosten geht.

Der Stadtrat dürfte aber noch einen Schritt weiter gehen, was die Prioritätenliste der Stadtwerke betrifft. Sauer aufgestoßen ist der Politik ein Satz des Geschäftsführer Ulf Kamburg vor ziemlich genau einem Monat. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Kamburg mit Blick auf ein neues kombiniertes Hallen- und Freibad gesagt: „Es gibt jetzt keine Absicht, ein neues Hallenbad zu bauen.“ Kamburgs Betonung lag auf dem Wort „jetzt“, auch vor dem Hintergrund, dass mit dem Umzug der Stadtwerke in den Brainergy-Park, dem dann notwendigen Kundencenter am Schlossplatz und dem mit der Tochtergesellschaft Jülink in Angriff genommenen Ausbau des Glasfasernetzes weitere Kapazitäten vorerst nicht zur Verfügung stehen. Dabei hatte der Rat erst im Oktober einen klaren Beschluss gefasst: „Der Neubau eines Hallenbades wird nach entsprechender Planungsphase schnellstmöglich realisiert.“

Genau das sieht vor allem die CDU gefährdet, die auf die Umsetzung pocht. „Wir stehen vor der Frage, was vorrangig zu bedienen ist“, sagt dazu JÜL-Chef Heinz Frey. Seine Fraktion legt die Priorität auf den Glasfaserausbau. Die CDU hält am Neubau des Hallenbades fest. Bereits im Hauptausschuss war man sich deshalb einig, dass die Stadtwerke ihre Prioritäten ändern sollen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Aussage, der Brainergy-Park sei ohne die eigenen Stadtwerke vor Ort nicht denkbar, unwidersprochen blieb. Daran hat sich nichts geändert.

Allerdings wird sich die Zeitschiene mit einem Ratsbeschluss heute Abend ändern. Die Formulierung in der entsprechenden Sitzungsvorlage ist dementsprechend deutlich geraten. So wird die Geschäftsführung der Stadtwerke einerseits beauftragt, in die „Planungen zum Bau eines Hallenbades am Standort des Freibades einzusteigen“, andererseits wird klar festgelegt, dass der Breitbandausbau und der Badneubau „zu priorisieren sind“. Erst dann soll der Umzug in den Brainergy-Park und der Neubau des Kundencenters auf dem Schlossplatz folgen. Zwei Prestige-Projekte, die nun schon aus finanziellen Gründen Jahre später kommen dürften.