Jülicher Literatur in der Stadtbibliothek

Rund um das Thema Buch : Abwechslungsreiche Spielarten der Literatur

Jülicher Autoren präsentieren ihre Werke in der Stadtbibliothek Science-Fiction, Sachliteratur, Liebesroman und Märchen in Lesungen und Diskussion

Der Arbeitskreis Jülicher Bibliotheken präsentierte in seiner Herbstveranstaltung aus der Reihe „Rund um das Thema Buch“ die Werke von Jülicher Autoren. Spätestens an diesem Abend wurde den zahlreichen Gästen in der Stadtbücherei bewusst, dass in der Herzogstadt nicht nur Forschung und Geschichte großgeschrieben werden. Auch das geschriebene Wort hält hier gegenwärtig seinen würdigen Einzug. Leseproben vier verschiedener Genres wurden von den Schriftstellern persönlich präsentiert.


Märchenhafte Traumwelt


Als eine Gutenachtgeschichte las Irmgard Dahmen, passend zur Abendstunde, aus ihrem Märchen „Lia bei den Polarelfen“ vor. 2004 erschien aus der Feder der gebürtigen Jülicherin der erste Band über Lias Abenteuer, in dem die zierliche Zauberfee auf der Suche nach dem Mondschein ihre niedlichen Freunde und Weggefährten zum ersten Mal trifft. Der gemütliche Marienkäfer Hermann, die resolute Ameise Maxi und der drollige kleine Drache Momo stehen ihr zur Seite auch im Land der nicht immer netten Polarelfen und leisten große Unterstützung bei Lias Rettungsaktion für die Lavendelelfen im dritten Band. Diese verzaubernde, humorvolle und warme Geschichte versetzte das Publikum in die Welt der Träume, die auch eine große Rolle im Buch von Nadine Rademacher-Ilski spielen.

„Was wäre, wenn Träume nicht nur ein Kopf-Kino in unserer persönlichen Nachtvorstellung wären? Was wäre, wenn wir am liebsten nicht mehr aufwachen würden, weil wir den Lebenssinn im Traum gefunden zu haben glauben und die Realität als eine quälende Überbrückung bis zur nächsten Schlafstunde betrachten?“

Diese Fragen stellt die in Jülich lebende Autorin und erzählt in der „Traumreise“ eine romantische Geschichte von der Liebe, die scheinbar nur im Traum erlebt werden kann. Mit ihrer jungen Protagonistin entführt sie die Leser auf eine spannende, diesmal reale Reise in die exotische Welt der Senoi im Regenwald Malaysias. Träume sind ein wesentliches Element in der Kultur und Gesellschaft dieses indigenen Volkes.

Die wie Fantasy anmutende Geschichte, in der ein im Traum erscheinender Tiger eine wesentliche Rolle spielt, zeigt zudem einige aktuelle Aspekte des respektvollen oder räuberischen Umgangs mit der Natur.


Quellen der Zukunft

Die Romane von Ralph Edenhover spielen in einer Realität, in der die Fragen des Umweltschutzes längst ihre Bedeutung und Adäquanz verloren haben. Seine hauptberufliche Tätigkeit als Physiker und Ingenieurwissenschaftler ist eng mit einer Institution verbunden, in der die „Zukunft gemacht wird“, dem Jülicher Forschungszentrum. Das Eintauchen in sein Szenario der „Century 23“-Trilogie bietet dem Leser nicht nur eine ordentliche Portion von wissenschaftlich fundierter Phantastik, es wirft zudem unterschwellig die Frage auf: Wohin führt der Wunsch nach noch gravierenderen Erfolgen der Wissenschaft und noch schnelleren Entwicklungen der Technologien?

In „Ex Vitro“, „Per Ignem“ und „In Abyssum“ sind manche der gegenwärtigen Menschheitsträume in Erfüllung gegangen. Im Sonnensystem wurden Kolonien gegründet, gentechnisch manipulierte Menschen trotzen der lebensfeindlichen Umgebung im Weltall und mächtige rohstofffördernde Konzerne sorgen für Energiequellen aus dem Universum.

Die Kehrseite dieses technologischen Fortschritts und der brisanten wissenschaftlichen Erkenntnisse sind die düstere, von Umweltverschmutzung gezeichnete Erde, eine seelenlose Klassengesellschaft und erbitterte Kriege um die industrielle Vorherrschaft.

Nach diesem spannenden Ausflug in die zum Glück immer noch Science Fiction-Literatur hörte das Publikum mit größtem Vergnügen den historischen Ausführungen Guido von Bürens zu. In der Sammelpublikation „Die Festung der Neuzeit in historischen Quellen“ stellt der Historiker die Armierung der Festung Jülich im 17. Jahrhundert vor. In einer Zusammenfassung seiner Arbeit erläuterte er die Problematik einer Großfestung wie diese, die in Jülich im 16. Jahrhundert unter nahezu idealen Gesichtszügen errichtet wurde. „Solch eine Festung steht und fällt mit der Besatzung und den Waffen, die sich dort befinden“.

Die von den spanischen Besatzern in der Zeit von 1621 bis 1660 detailliert geführten Inventarauflistungen beinhalten sowohl das aus der Zeit des Herzogs Wilhelm 5. stammende Waffenarsenal als auch die von den Spaniern selbst nach Jülich verlegten Geschütze und Armeematerialien.

Diese Bestandslisten werden bis heute in einem Adelsarchiv auf Schloss Haag in der Nähe von Geldern aufbewahrt und sind mit ihrer kompletten Überlieferung des Inventars ein seltener Glücksfall für jeden Geschichtsforscher. Sie verdeutlichen zudem, dass die Zitadelle Jülich, die heute als ein bedeutendes Kulturmerkmal vernommen wird, ursprünglich ein beträchtlicher Teil der Kriegsmaschinerie gewesen ist. Eine bewegte Diskussionsrunde über die Fragen des Publizierens, der Zukunft des Lesens und des Schriftsteller-Daseins in einer durch Digitalisierung veränderten Literatur-Landschaft beendete den äußerst abwechslungsreichen Abend mit den Autoren des gedruckten Wortes in Jülich. (mavo)

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