Jülich: Jülicher Kinderkultursommer findet ungewöhnlichen Abschluss

Jülich : Jülicher Kinderkultursommer findet ungewöhnlichen Abschluss

Mit „Los Filonautas“ hat im Renaissancegarten der Jülicher Zitadelle ein Seiltanztheater akrobatische Kunststücke in Kombination mit einer fortlaufenden Geschichte gezeigt. Mit der Vorstellung durch die beiden Artisten und Schauspieler Soledad Prieto und Valentin Hecker ist damit das Theaterprogramm des Jülicher Kinderkultursommers abgeschlossen.

Die Bühne stand an diesem Tag in einer Gebäudenische der Zitadelle, so konnten alle Kinder — die Veranstaltung wurde vom Kulturbüro der Stadt für Zuschauer ab vier Jahren empfohlen — bei sengender Sonne im Schatten sitzen. In der ersten Reihe verschaffte eine Mutter sich und ihrem Kind mit einem mitgebrachten Kühlpack Abkühlung, als Valentin Hecker alias Silver niemanden Geringeres als seine Capitano auf den Schultern zur Bühne trug.

Dort stand, wie der Leiter des Kulturbüros Christoph Klemens beschrieb: „Das schmalste Boot, das ich je gesehen habe.“ Denn auf der Bühne stand eine Konstruktion aus Seilen und Metallstangen, die an ein Schiff erinnerte. Dabei wurden zwei Plattformen an Bug und Heck des „Wasserfahrzeuges“ durch ein langes Drahtseil miteinander verbunden.

„Capitano, wo geht die Reise hin?“, sagte Silver die Capitano und musterte besorgt das „Schiff“. Sie antworte: „Auf die Suche.“ „Und wo schlafen wir?“ „Na hier. Ein Bett mit Komfort“, sagte die Kapitänin und zog die wohl schmalste Hängematte, die je gesehen worden ist, auseinander. Sie war nichts weiter als ein Seil, das mit zwei Schlaufen an dem großen Drahtseil angebracht war, was erste Lacher bei den Zuschauern hervor rief. Trotzdem ging Silver mit auf die Reise. Mit Taschentüchern, die zuvor von den beiden Artisten verteilt worden waren, winkte das Publikum den Scheidenden nach.

In der Folge erlebte das Duo ein abwechslungsreiches Abenteuer — aber zuerst musste für das leibliche Wohl gesorgt werden. „Der große Tisch“, kündigte Silver von einer der Plattformen aus an und hielt einen Tisch in die Höhe, der höchstens 40 Zentimeter Höhe hatte und eine proportional passende Tischplatte besaß — sehr zum Amüsement des Publikums.

Dann der ernstere Part: Mit konzentrierter Mine platzierte Silver auf dem Seil balancierend den Tisch, der mit der Hilfe eines Gewichts auf dem Seil stehen blieb. Nach einigen weiteren spannenden Momenten saßen beide Künstler auf dem Seil auf Stühlen. Mit einem Fuß und durch die Zwischenstreben des Stuhls wurde dabei das Gleichgewicht gehalten.

Im Verlauf der Reise reichte es Silver, der Handlanger der Capitano zu sein. „Hier bin ich jetzt Kapitän“, brüllte er von seiner Plattform aus. „Nein!“, antwortete ein Kind, das wohl mit der Capitano sympathisierte. Als er eine Flagge, die sein Gesicht abbildete, hisste, frischte der Wind auf. „Das ist mein Bereich“, schimpfte die Kapitänin und ein Degenkampf entbrannte, der mit der Niederlage des Meuternden endete. Zur Versöhnung tanzten Capitano und Silver einen Tango auf schwankendem Seil.

Mit einem „Guck mal, Silver, da ist eine Insel!“, näherten sich die Reise und das Spiel ihrem Ende. „Das sieht irgendwie genauso aus wie eben“, dachte Silver laut. Da „Jülich in der Zitadelle“ auch ganz schön sei, war der Fehlschlag der Reise gar nicht so schlimm und unter dem Applaus des jungen Publikums traten Silver und seine Capitano ab .Sie auf seinen Schultern — wie eben.

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