Jülich: Jülicher Jugend löchert NRW-Landtagspräsident André Kuper

Jülich : Jülicher Jugend löchert NRW-Landtagspräsident André Kuper

Landespolitik hautnah in einem interessanten Format erlebten rund 120 Schülerinnen und Schüler der Stufe 9 des Gymnasiums Zitadelle in der Schlosskapelle. Anlass war der Besuch des NRW-Landtagspräsidenten André Kuper, begleitet von Dorothea Dietsch, Leiterin des Sachbereichs „Jugend und Parlament“ im Düsseldorfer Landtag.

Weil alle Schüler der Stufe 9 Politikunterricht erhalten, hatte das Schulleitungsteam um Direktorin Dr. Edith Körver sie als Auditorium ausgewählt. Im Rahmen des Unterrichts waren auch die tiefgreifenden Fragen an Kuper vorbereitet worden. Der ehemalige Rietberger Bürgermeister bekleidet seit genau einem Jahr das Amt des Landtagspräsidenten.

„Unsere Demokratie ist so wichtig, dass sie verdient, gehegt und gepflegt zu werden“, unterstrich Kuper zu Beginn seiner Diskussion mit den Schülern. Genau so wichtig ist ihm der direkte Kontakt mit den Bürgern, besonders mit denen, „um deren Zukunft es geht“. So war sein erstes Anliegen bei Amtseintritt, die Schülerbesuchszahlen des Landtags von derzeit 30.000 auf 150.000 zu erhöhen.

Im Rahmen seines neuen Projekts „Landtag macht Schule“ soll jeder Schüler landesweit „einmal in seiner Schulzeit den Landtag besucht haben“. Nach einem schülergerechten Kurzvortrag Dietschs über den Landtag und seine Aufgaben lautete die erste Schülerfrage: „Wie geht eine Abschiebung vor sich?“ Kuper fasste die Abläufe nach einem abgelehnten Asylantrag zusammen und hob „das mehrfache Angebot der freiwilligen Rückkehr“ hervor, verbunden mit diversen „Rückkehrhilfen“ vor der Zwangsabschiebung.

„Wer acht Stunden arbeitet, soll auch davon leben können“, sei „Ziel aller Fraktionen“, kommentierte der Landtagspräsident die zweite Frage und betonte dabei seine Verpflichtung zur Neutralität im Amt. Klar definiertes Ziel des gesamten Landtages sei die „Digitalisierung der Schulen“, die „vom Grundsatz her“ noch in der Schulzeit der anwesenden Neuntklässler umsetzbar sei. Eine „Superfrage“, der weitere folgen sollten, beantwortete Bürgermeister Axel Fuchs: „Ist die Sekundarschule besser als die Realschule?“ — „Welche besser ist, wird sich erst zeigen, wenn die Schüler die Schule verlassen“, sagte Fuchs und verwies aber auch auf die Anmeldezahlen, die bei dieser Entscheidung in Jülich ausschlaggebend waren.

„Kommt durch Flüchtlinge der Rassismus nach Deutschland und wird er durch sie gesteigert?“ Hier warnte Kuper vor pauschalen Antworten. „Es gibt eine Vielzahl von Flüchtlingen, die keinerlei Rassismus verbreiten“, sagte er. Er erwähnte aber auch jene „mit israelkritischer Einstellung von der Geburtsminute an“, deshalb setzt er sich für „sehr frühe Flüchtlingsintegrationskurse“ ein. „Was wollen Sie dagegen tun, dass viele Gebäude verfallen?“

Kuper verwies auf die Mittel des Projekts „Gute Schule 2020“ und übergab Fuchs erneut das Mikro zur lokalen Analyse. „Das Geld ist schon verplant“, sagte letzterer und erinnerte an die „Besonderheit“, dass die Zitadelle „eigentlich dem Land gehört, die Stadt aber dafür zuständig ist, wenn an der Schule etwas kaputt ist“. Im Rahmen dieser Diskussion entstand die Zusage Kupers, beim Fachministerium vorzusprechen, damit der einstige „wundervolle Innenhof der Zitadelle“ wieder zu einem solchen werde.

Ferner folgte die Einladung der Schüler durch die Landtagsabgeordnete Dr. Patricia Peill in den Landtag. Sie will mit ihnen „weiter im Gespräch bleiben“.

Weitere Schülerfragen bezogen sich etwa auf Antisemitismus, Bildung, Braunkohleausstieg, die Umstellung von G8 auf G9, regenerative Energien, Rentenpolitik oder Tihange. Die Meinungen der Fraktionen für den Erhalt der „natürlichen Ressourcen der Welt“ seien einheitlich, „über die Wege wird sehr heftig gestritten“, sagte Kuper. Zum Abschluss der Diskussion ließ Fuchs abstimmen, wieviele Schüler für oder gegen weitere Windräder plädierten. Die eindeutige Mehrheit der Schüler setzt sich für eine Ausweitung der Windkraft ein.

Den Rahmen der durchaus spannenden Veranstaltung bildeten zwei Gästebucheinträge des Landtagspräsidenten. Eingangs lud Schulleiterin Dr. Edith Körver ihn zum Eintrag ins schulische Gästebuch ein; letzter feierlicher Akt war der Eintrag des Landtagspräsidenten ins „Goldene Buch“ der Stadt Jülich.

(ptj)
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