Jülicher Jakobsbastion aus der Vergessenheit holen

Bürgerbeirat „Historische Festungsstadt“ : Jülicher Jakobsbastion soll wiederbelebt werden

Der Zustand der Jakobsbastion zwischen Bongardstraße und Hallenbad war einer der thematischen Schwerpunkte in der Jahreshauptversammlung des Bürgerbeirats „Historische Festungsstadt Jülich“ im Wintergarten des Jufa.

Es berichtete Winfried Cremerius, unter dessen Federführung die größtenteils in Vergessenheit geratene Bastion „in allen Bereichen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht“ werden soll. Das überwachsene Bollwerk, dessen größte Fläche über rund zwei Drittel der Kirche gehört und unterhalb des Kindergartens „St. Jakobus auf der Bastion“ gelegen ist, rottet seit 20 Jahren vor sich hin und entwickelte sich zum „Feuchtgebiet“ mit verstopften Belüftungsschächten. Ein Teil ist an einen Gartenbaubetrieb verpachtet, der aber in andere, adäquate Lagerräume umziehen würde. Das verbleibende Drittel gehört der Stadt Jülich. Aus diversen Gründen stagniert diesbezüglich zurzeit die „Trennung zwischen Kirche und Staat“. Eine „Rückübertragung an die Stadt Jülich“ wäre laut Cremerius „im Sinne der Pfarrgemeinde“. Die Stadt Jülich zögere, ebenso wie der Träger der katholischen Kindertageseinrichtung „profinos“. In einem Zeitraum von gut einem Jahr ging Cremerius auf die Suche nach Schlüsseln und Plänen, entsorgte unter vielem anderen „auf Privatbasis“ Holz- und Elektroschrott, sprach etliche Male beim Bürgermeister und beim Liegenschaftsamt vor.

Unterstützung erfuhr er etwa durch Historiker Guido von Büren. Dieser informierte Cremerius etwa über Fördermittel, die „das vergüten, was der Verein bisher geleistet hat“, oder eine dreidimensionale Scannervermessung der Jakobsbastion, die eventuell im Rahmen einer Studentenarbeit gestemmt werden könnte. Es fehlen natürlich mehr helfende Hände, obwohl es „nicht jedermanns Sache ist, diesen Dreck anzupacken“, und natürlich finanzielle Mittel. „Mein Elan ist noch nicht gebrochen, das weiterzumachen“, betonte Cremerius, der Bürgerbeirat stärkt ihm den Rücken. Zunächst wird den Mitgliedern ein Ortstermin zur Besichtigung der Jakobsbastion angeboten, und zwar am Samstag, 20. Oktober, um 10.30 Uhr. „Den Jülichern historische Objekte zu beschaffen“, findet Cremerius im Übrigen ebenso wichtig wie Buchveröffentlichungen oder Exkursionen. Diese standen im Fokus des Rückblicks durch Wolfgang Gunia, ein weiterer der vier Beiratssprecher, zu Versammlungsbeginn. Ausverkauft ist die erste Auflage des Buches „Jülich gestern, Jülich heute“. Auf Anregung des Buchhändlers Wolfgang Hommel wird nun nach „vielstündiger Arbeit“ der Beiratsmitglieder eine zweite Auflage gedruckt, die rechtzeitig zum Vorweihnachtsgeschäft verfügbar sein wird. „Glanzstück“ der Beiratsarbeit ist ein Faltplan der Gesamtfestung Jülich mit Erläuterungen in einer Auflage von 1000 Stück. Er wird kostenlos an Mitglieder abgegeben und im Buchhandel und am Infostand der Zitadelle verkauft.

Ebenfalls unter Einsatz von Cremerius wurden am Hexenturm neue Fensterläden in den Stadtfarben Schwarz und Gelb angebracht, erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die finanzielle Hilfe plus Manpower der Stadtwerke. Zum Themenbereich Besichtigungen und Exkursionen zählten eine Führung durch Marcell Perse durch das Ravelin Lyebeck und die Mariannenbastion und Exkursionen zu Burgen und Schlössern im Rheintal. „Gutes Echo“, gute Beteiligung, resümierte Gunia. „Es ist nicht so ganz gesund, dass mehr Nichtmitglieder mitfahren als Mitglieder“, deutete Cremerius auf einen wunden Punkt. Zwei Neumitglieder konnten indes gewonnen werden, damit zählt der Beirat 58 Mitglieder. Ferner zeigte der Bürgerbeirat Präsenz in der Jülicher Bücherbörse und nahm an Versammlungen der „Arbeitsgemeinschaft der Geschichtsvereine“ teil. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Brückenkopfparks 2019 will der Bürgerbeirat „mit unserem Fundus einen Teil der Jubiläumsausstellung bestücken“.

(ptj)
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