Bundesumweltministerin Svenja Schulze besucht den FH-Campus: Jülicher Ideen für die Zukunft der Energie

Bundesumweltministerin Svenja Schulze besucht den FH-Campus : Jülicher Ideen für die Zukunft der Energie

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist auf dem FH-Campus im Solarinstitut zu Gast, um zu schauen, was Jülich auf den Gebieten Strukturwandel und Energiewendezu bieten hat.

Das Solarinstitut ist möglicherweise einer der ersten Bauherrn auf der Merscher Höhe. Dort entsteht bekanntlich ein Gewerbegebiet, das die Stadt Jülich sowie die Gemeinden Titz und Niederzier gemeinsam aufziehen; der sogenannte Brainergy-Park. „Wir führen gerade intensive Gespräche, weil wir unseren Piloten da bauen wollen“, sagte am Montag Ulf Herrmann, Professor am FH-Campus Jülich und Direktor des Solarinstituts Jülich. Er sagte das nicht zu irgendwem, sondern zu Svenja Schulze, der Bundesumweltministerin. Die war auf Einladung ihres Dürener SPD-Parteigenossen Dietmar Nietan in der Stadt, um sich anzuschauen, welche Entwicklungen aus Jülich einen Beitrag zu den großen Themen Energiewende und Strukturwandel leisten können. Ein Pilot ist die letzte und größte Teststufe, in der eine Anlage oder ein Bauteil zu Forschungszwecken hergestellt wird, bevor es für die Industrie produziert wird.

Drei Projekte

Die Jülicher Forscher erklärten drei ihrer Ideen und Projekte. Offenbar sollte die Ministerin verstehen, dass das Rheinische Revier und das Jülicher Land aus ihrer Sicht nicht nur die Region ist, in der der Strukturwandel mit den irgendwann endenden Braunkohletagebauen passiert. Hier entstehe auch das Wissen, mit dem der Schritt in die Zeit danach gelingen kann. Und deswegen sollen gleichzeitig zum Wegfallen der Arbeitsplätze in der Braunkohle neue Stellen entstehen in Nachfolgetechnologien. „Wir wollen eine Energieregion bleiben“, sagte Nietan. „Daran arbeiten wir schon jetzt mit großem Know-how und hiesigen Partnern.“

Schulze signalisierte, dass die Botschaft angekommen sei. „Hier in der Region wird nicht abstrakt, sondern sehr konkret an der Zukunft gearbeitet“, sagte sie. Deswegen werde in Berlin diskutiert, wie man das vorhandene Wissen auch im Rheinischen Revier nutzen könne.

Drei Projekte lernte Schulze kennen. Quirinus, das digitale Kraftwerk, soll einen „digitalen Zwilling“ der Stromversorgung schaffen. „Damit wird der Zustand des Netzes zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort sichtbar“, erklärte Annette Anthrakidis vom Solarinstitut. Ziel der Simulation sei, zu zeigen, wie der Anteil der erneuerbaren Energien erhöht und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden können.

Nicht digital, sondern bald konkret wird multiTESS, eine neue Energiespeichermethode, die helfen soll, den großen Knackpunkt von Wind- oder Sonnenenergie zu beheben. Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, dann gibt es keinen Strom. Und bisher auch keine Lösung, wie man Strom speichern kann, wenn es einen Überschuss gibt. Nicht nur kurz-, sondern vor allem langfristig. multiTESS ist der Pilot, der im Brainergy-Park gebaut werden soll. Kern ist ein keramischer Wärmespeicher. Heiße Luft strömt durch die von Kanälen durchzogene Keramik, erhitzt sie auf bis zu 1000 Grad. Abgegeben wird die Energie, indem die Keramik kalte Luft erhitzt. In längeren Phasen ohne Wind und Sonne soll die notwendige Hitze übergangsweise mit Gasbrennern erzeugt werden „Die günstigste Methode der Energiespeicheurng ist, wenn wir über Speicher in Kraftwerksgröße nachdenken“, sagte Ulf Herrmann.

In genau dieser Dimension plant Bernhard Hoffschmidt, Direktor des Solarinstituts am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und einer der Gründerväter des Jülicher Instituts. Flüssigsalzspeicher nehmen die Energie in Form von Wärme auf. Geplant sei laut Hoffschmidt eine Demonstratoranlage in Industrie-Maßstab, die das DLR und der Energieversorger RWE bauen wollen - für mehrere 100 Millionen Euro. Herkömmliche Kraftwerke könnten in Speicherkraftwerke umgewandelt werden, Arbeitsplätze blieben erhalten oder könnten neu entstehen.

(jan)