Jülich: Jülicher Gymnasien kehren zurück zu G9

Jülich : Jülicher Gymnasien kehren zurück zu G9

Die Leitentscheidung der CDU/FDP-Regierungskoalition in Düsseldorf nach der Landtagswahl im vergangen Jahr, wonach die Gymnasien ab dem Schuljahr 2019/20 für Fünft- und Sechstklässler zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren (G9), hat unmittelbare Auswirkungen auf die Schulwahl für die jetzigen Viertklässler.

Deren Anmeldung zu weiterführenden Schulen steht im Februar an. Dann ist es ein wesentliches Auswahlkriterium, ob das Abitur nach acht Jahren zu erreichen ist (G8) oder nach neun.

Dr. Edith Körver leitet das Gymnasium Zitadelle der Stadt Jülich. Foto: Uerlings

So war im Vorfeld der Landstagswahl die Landeselternschaft nicht müde geworden, die Rückkehr zu G9 zu fordern, wofür sogar eine breit angelegte Unterschriftensammlung initiiert worden war.

Thorsten Vogelsang ist Oberstudiendirektor am Gymnasium Haus Overbach. Foto: Uerlings

Eine Umfrage bei den drei Jülicher Gymnasien hat ergeben, dass dort die gewünschte Rückkehr zu G9 vorgesehen ist. Das sei auch den Eltern bei den Tagen der offenen Tür im November so kommuniziert worden, war von den Schulleitungen unisono zu hören.

Christiane Clemens hat im vergangnen Jahr die Leitung des MGJ übernommen. Foto: Wolters

Ein Beibehalten von G8 ist überhaupt nur dann möglich, wenn im Schuljahr 2018/19, das nach den Sommerferien beginnt, der neu gebildeten Schulkonferenz — der gehören Vertreter von Schülern, Lehrern und Eltern an — ein entsprechender Antrag gestellt und mit einer Zweidrittelmehrheit plus einer Stimme verabschiedet wird. So hoch ist die Hürde für das Bestehen von G8 von der NRW-Regierungskoalition gelegt worden. Zudem besteht nur im kommenden Schuljahr die Möglichkeit, einen Antrag auf Beibehaltung von G8 zu stellen. Alle Klassen, die aktuell die Gymnasien im Land besuchen, werden dagegen bis zum Abitur unter den Vorgaben von G8 weitergeführt.

Pro- und Contra-Listen

„Es waren sämtliche Gremien beteiligt und wir haben Pro- und Contra-Listen erstellt“, berichtet Schulleiterin Dr. Edith Körver über die Entscheidungsfindung am städtischen Gymnasium Zitadelle Jülich. „Es gibt keinen zwingenden Grund, von G8 abzukehren“, hatte Körver sich im vergangenen Juni zu Beginn der G8/G9-Diskussion eher für eine Beibehaltung von G8 ausgesprochen. Jetzt sieht es so aus, „als würde es eine Rückkehr zu G9 geben“, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem gebe es auch weiterhin für alle Schüler die Möglichkeit, das Abitur schon nach acht Jahren zu erlangen, indem besonders begabte Schüler in der Sekundarstufe I „nach intensiver Beratung“ eine Klasse überspringen.

„Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit G9 machen“, gibt Thorsten Vogelsang seine Stellungnahme unter Vorbehalt ab. Neben dem erwähnten Antrag an die Schulkonferenz auf Beibehaltung von G8, der indes recht unwahrscheinlich ist, haben Schulministerium und Landtag noch etliche Hausaufgaben zu erledigen, um bis zu den Sommerferien ein neues Schulgesetz zu verabschieden, in dem auch der Übergang von G8 zu G9 rechtlich verbindlich geregelt ist. Bei der Entscheidung der Overbacher Privatschule, so Vogelsang, „war auch der neue Schulträger mit im Boot“. Bekanntlich hat das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) zum 1. Januar 2018 die Geschäftsleitung in Barmen übernommen. Von den Eltern sei die Entscheidung für G9 übrigens äußerst positiv aufgenommen worden, fasst der Schulleiter entsprechende Reaktionen beim Tag der offenen Tür zusammen: „Es hat nach der Ankündigung zugunsten von G9 ordentlich Applaus gegeben.“

Großes Bedürfnis bei Eltern

Das war beim Mädchengymnasium Jülich (MGJ) wohl ähnlich, wie Schulleiterin Christiane Clemens zum Verlauf des Informationstages und der Resonanz der Eltern berichtete, dass das MGJ zu G9 zurückkehren werde. „Das war ein großes Bedürfnis bei den Eltern“, stellte die Schulleiterin fest, da G8 viele Erziehungsberechtigten doch sehr verunsichert habe. Clemens bedauert es ebenfalls, dass es vom Land NRW noch keine Durchführungsbestimmungen zum Umstieg auf G9 gibt, „wir stochern im Nebel“.

Gut findet sie den Schulterschluss zwischen den Leitungen der Jülicher Gymnasien, die eine Durchlässigkeit bei eventuellen Schulwechseln gewährleiste.

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