Jülich: Jülicher Geschichtsverein legt sein Jahrbuch vor

Jülich: Jülicher Geschichtsverein legt sein Jahrbuch vor

„Nach längerer Vorbereitungszeit ist mal wieder ein Band erschienen. Der Folgeband ist in Vorbereitung.“ Mit diesen, ein wenig entschuldigenden Worten präsentierte Guido von Büren, Vorsitzender des Jülicher Geschichtsvereins, das neue, 568-seitige Jahrbuch, das die Bände 76/77/78 für die Jahre 2008 bis 2010 enthält.

Den „Publikationsstau“ erklärte er mit dem schwerpunktmäßig im archäologischen Bereich liegenden Inhalt, der es „in sich hat“. Mehr als 30 Autoren stellen in über 20 Beiträgen neue Forschungsergebnisse zur Geschichte des Jülicher Landes vor. So ist heute dank der aufwändigen Ausarbeitung von Simon Matzerath, Elaine Turner, Peter Fischer und Joseph Borscheinen bekannt, dass vor 40.000 bis 50.000 Jahren Höhlenlöwen, wollhaarige Nashörner, Riesenhirsche, Mammuts und Höhlenbären durch das Rurtal zogen.

Die neuen Erkenntnisse fußen auf dem Tierknochenfund in der Körrenziger Ziegeleigrube Coenen in den 1960er Jahren, die einer eingehenden Analyse unterzogen wurden.

Für die Ur- und Frühgeschichte ist die Archäologie auf der Aldenhovener Platte von überregionaler Bedeutung. Drei Beiträge befassen sich mit der genauen Auswertung der 2006 ins Museum Jülich aufgenommenen Gerhard-Walter Dittmann-Sammlung. Römisches Fensterglas, Meilensteine an der Via Belgica und Spuren römischer Matronenheiligtümer bezeugen die Wichtigkeit des Jülicher Landes in römischer Zeit.

In der Fortsetzung seiner Themenreihe über die Windmühlen im Jülicher Land konzentriert sich Helmut Holtz nun auf Titzer Mühlenstandorte. Haus Overbach wird nicht nur als beliebtes Postkartenmotiv vorgestellt, sondern ist auch aus historischer und archäologischer Sicht ein weiterer Hauptbetrachtungspunkt.

Dr. Peter Nieveler widmet sich ausführlich dem zwischen 2002 und 2010 neu gestalteten Chorraum der Propsteikirche unter Einbeziehung des neoromanischen Hochaltars durch die chilenische Künstlerin Maria Fernandez. Wolfgang Vomm analysiert das pittoreske Bildmotiv „Dorf im Jülicher Land“ des Düsseldorfer Landschaftsmalers Caspar Scheuren. Leider ist Jülich hier nur namengebend.

Des Weiteren werden der Nationalsozialismus im Jülicher Land, das „italienische Jülich“, sowie die Jülicher Rochuskirche thematisiert. Unter Verwendung erstmals reproduzierter Skizzen des Architekten Gottfried Böhm gliedert dessen ehemaliger Kollege Manfred Speidel den modernen Kirchenbau ein, eine „kleine Sensation für den Fachmann“. Rezensiert werden siebzehn schwerpunktmäßig archäologische Neuerscheinungen zur Jülicher Geschichte, darunter auch Marcell Perses Beitrag zur Römerstraße „Via Belgica“ oder der Kunstkrimi von Gabrielle Häussermann „Wer stahl Schirmers Bilder ?“

Die ausführliche Vereinschronik der Jahre 2006 bis 2010 schließt mit Nachrufen auf Wilhelm Schol und Norbert Thiel. Mit einer Vorschau auf die nächste Ausgabe mit hauptsächlich (kunst)historischen Beiträgen, die im Frühjahr 2015 erscheinen wird, schließt das Jahrbuch des Geschichtsverein.

(ptj)