Jülich: Jülicher FH-Institut für Schlüsseltechnologien

Jülich : Jülicher FH-Institut für Schlüsseltechnologien

Vor gut zehn Jahren wurden die Nano- und Biotechnologie als die beiden Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts identifiziert. Und vor einem Jahrzehnt hat die Fachhochschule Aachen auf dem Campus Jülich dieser Entwicklung schnell entsprochen: Das Institut für Nano- und Biotechnologien (INB) entstand in der Schnittstelle.

Zu Beginn des ganztägigen Festsymposiums in Jülich am Freitag mit vielen wissenschaftlichen Fachvorträgen stellte Institutsleiter Professor Michael J. Schöning das INB vor.

Gründungsmitglieder waren neben ihm selbst die vier Professoren Marcus Baumann (Pflanzenbiotechnologie), Manfred Biselli (Zellkulturtechnik), Arnold Förster (Halbleitertechnik / Nanoelektronik) und Arshak Poghossian (DNA-Sensoren/Nanostrukturen). Der zündende Funke zur Institutsgründung entstand im Übrigen aus einer „Fachsimpelei“ zweier Wissenschaftler aus komplett unterschiedlichen Fachdisziplinen am Mittagstisch, es handelt sich um den erfahrenen Biotechnologen und heutigen FH-Rektor Professor Baumann und den Mikrosensoriker und Institutsleiter Schöning.

Die stark anwendungsorientiert geprägten Forschungsaktivitäten wurden in den Folgejahren durch den Enzymtechnologen Prof. Thorsten Selmer, den Immunologen Prof. Peter Öhlschläger, den Mikro/Nanosystematiker Prof. Torsten Wagner und Prof. Petra Siegert (Biokatalyse) weiter gestärkt und intensiviert.

Michael J. Schöning nannte als Forschungsschwerpunkte in seiner Einführung die anwendungsorientierte „Online“-Analysetechniken für biotechnische und mikrobiologische Prozesse. Ein Beispiel hierfür ist die Messung des Acetyl- oder Diacetylgehalts im Fermentierungsprozess der Wein- oder Bierherstellung. Zweiter Baustein ist das grundlagenorientierte „Nano-/Bio“-Interface, das sich mit markierungsfreien chipbasierten Biosensoren mit „nano-inspirierten“ Oberflächen für die Analytik und Materialforschung befasst. Dritte Säule ist die industrie-orientierte intelligente Gassensorik zur Überwachung von Sterilisationsprozessen, wie in der Herstellung von Cartonagen durch Wasserstoffperoxyd.

14 Doktoranden am Institut

Ein wichtiges Ziel war von Anfang an die Förderung der Ausbildung von Doktorand(inn)en, zunächst in Form von kooperativen Promotionen mit Universitäten im In- und Ausland. Seit Institutsgründung wurden 17 Doktorarbeiten erfolgreich abgeschlossen, derzeit arbeiten 14 Doktoranden am Institut. Das INB hat mit mehr als 300 international beachteten Publikationen und über 500 Tagungsbeiträgen von sich reden gemacht, das heißt: „Alle 12 Tage ist die FH mit einer Publikation in der Öffentlichkeit vertreten. Das ist eine Visitenkarte“, betonte der Institutsleiter. Dazu wurde das INB, das Mitbegründer der jährlichen Tagungsreihe „Engineering of Functional Interfaces“ ist, 16 Mal auf wissenschaftlichen Konferenzen ausgezeichnet.

Schöning verwies explizit auf Kooperationsverträge mit der Philipps-Universität Marburg, der Transnationalen Universität Limburg in Belgien (beide seit 2010) und der belgischen KU Leuven seit 2016, einer der Top-Unis der Welt. Vor allem besteht seit 1999 eine Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich mit etwa 100 Studierenden im Jahr. Dazu gibt es mehr als 50 langjährige wissenschaftliche Kooperationen mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industriepartnern.

Insgesamt waren 15 Gastwissenschaftler mehr als drei Monate lang im Rahmen von Austauschprojekten am INB tätig. Die Schüler- und Weiterbildung schlägt sich unter anderem in den Projekten „Helle Köpfe“, „Girls Day“ und Schnupperstudien nieder, sowie in Nanoelektronik-Workshops im Pascal Technikum Grevenbroich oder in Workshops, Lernferien, Junior- oder Ferienakademien im ­Science College Overbach. Insgesamt erwarb das INB mehr als zehn Millionen Euro an Drittmitteln aus zwölf Töpfen.

Im ersten Fallbeispiel einer kooperativen Promotion der FH Aachen mit der Uni Marburg betonte Professor Michael Keusgen aus dem dortigen Institut für pharmazeutische Chemie: „Das Entscheidende an Kooperationen ist die gegenseitig Wertschätzung“. Interessant war auch seine Definition der Promotion, die nicht mit einem „studiumsähnlichen Programm“ zu vergleichen sei, sondern „dem Nachweis der Befähigung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit dient. Der hochmotivierte Doktorand kommt idealerweise mit Wunschvorstellungen in eine Arbeitsgruppe“, fasste er zusammen.

(ptj)