Jülicher Familie schickt Kamera in 31.000 Meter Höhe

Stratosphärenflug gestartet : Von Koslar an den Rand des Weltalls

Die Vorbereitungszeit dauerte mehr als ein halbes Jahr. Was manche gern als „Weltraumprogramm des kleinen Mannes“ bezeichnen, hat die Faszination einer Koslarer Familie geweckt: ein Flug in die Stratosphäre, also an den Rand des Weltalls.

„Können auch wir Messungen von Wetterdaten bei unter -40°C durchführen? Hält der Ballon, bis er auf der vorberechneten Höhe platzt? Reicht die Akkukapazität? Hält auch die Kamera den Belastungen stand?“ Und nicht zuletzt: „Können wir das System nach der Landung wieder sicher orten?“ Der Koslarer Arne Spangenberg hatte von einem solchen Flug gehört, der vor einigen Jahren von einem Jülicher Gymnasium aus startete. Die Faszination, die dieses Thema ausüben kann, packte auch ihn.

„Es hat mich einfach gereizt, ein selbstgebautes Messsystem unter diesen Bedingungen einzusetzen. Obendrein sollte eine mitgeführte Kamera Bilder liefern, die man nicht alle Tage machen kann. Es ist mal etwas ganz anderes, Kondensstreifen von Verkehrsflugzeugen aus der Höhe sehen zu können!“ Schließlich war dann auch der Rest der Familie mit diesem Vorhaben einverstanden. Von der Planung ging das Projekt in die praktische Umsetzung über. Vorausgegangen war den Überlegungen auch eine Risikoabschätzung. Zwar muss eine solche Sonde für einen sicheren Sinkflug mit einem Fallschirm gesichert sein und sie darf ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten. Dennoch fliegt immer ein gewisses Restrisiko mit. Aus diesem Grunde muss ein solcher Flug genehmigt und ausreichend versichert werden.

Dank der guten Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung, einem Haftpflichtversicherer und der Deutschen Flugsicherung wurde dieses Risiko so klein wie möglich gehalten. Einem Aufstieg stand nichts mehr im Wege.

Mehr als 3000 Liter Helium strömten in Koslar am Abflugtag zischend in den Stratosphärenballon, der sich langsam von einer unansehnlichen, formlosen Wurst zu einem prächtigen Flugobjekt beachtlicher Größe verwandelte. Fallschirm, Spezialschnüre und natürlich die Messsonde lagen bereit. Das Wetter konnte kaum besser sein: keine Wolken und am Startplatz wehte kaum ein Wind. Vorsichtig verschloss das Team den Ballon und hängte die „Last“ an. Ein letztes Prüfen der Systeme, tiefes Durchatmen, dann der Countdown: „5, 4, 3, 2, 1 – Abflug“.

Mehr als eine halbe Stunde war der Ballon mit bloßem Auge noch zu erkennen. Ein Team der Universität Cambridge hat nach Angaben von Arne Spangenberg ein frei verfügbares Programm entwickelt, mit dem man einen solchen Ballonflug berechnen kann – von der benötigten Heliummenge bis zum voraussichtlichen Landeort. Dieses Programm errechnete für den Flug eine Landung in Mönchengladbach voraus.

Für den Fall einer Baumlandung wurden Leiter und Teleskopstangen in einen Anhänger gepackt, wie die Familie berichtete. Am Zielort angekommen, wurde der Ballon kurz nach der vorausberechneten Landezeit angerufen. Das Ortungssystem sollte per SMS mit den eigenen Koordinaten antworten – doch nichts geschah. Funkstille. Banges Warten, bis der Ballon schließlich doch antwortete. Beide Ortungssysteme deuteten an, dass er noch flog. Schließlich änderten sich seine Koordinaten nicht mehr. Wo könnte er sein? Feld oder Fichte? Weder noch – er landete sicher und völlig unbemerkt mitten auf einer ruhigen Nebenstraße. Das Team brauchte ihn nur noch aufzuheben und gemeinsam mit den Anwohnern die Ballonreste aus dem Rosenbeet einzusammeln.

Zu Hause zeigte sich bei den Spangenbergs, dass der Flug ein voller Erfolg war: Alle Systeme arbeiteten einwandfrei und die Kamera lieferte entsprechend gute Bilder. Einem weiteren Flug steht also nichts mehr im Wege. Schon im nächsten Jahr sollen die Auszubildenden eines Jülicher Unternehmens in eigener Verantwortung einen Stratosphärenballon aufsteigen lassen. Die Erfahrungen, die mit diesem Flug gewonnen wurden, sollen dann dem Projekt zu Gute kommen.

(ma.ho.)