Jülicher Buchhandlung Fischer wird zu Thalia

Aus Fischer wird Thalia : Ende eines Jülicher Traditionshauses

Ein Stück Jülich gehört bald der Geschichte an. Die Buchhandlung Fischer wird zum 1. März von der Buchhandlungskette Thalia übernommen.

Auf der Feier, bei der es darum gehen sollte, dass es das Familienunternehmen seit 150 Jahren gibt – von diesem Anlass gingen fast alle der vielen Gäste aus – gab Geschäftsführer Wolfgang Hommel bekannt, dass das Jülicher Unternehmen ab Ende Februar nicht mehr existiert. Aus der fünften Generation der Familie – einer Familie, die die jüngere Jülicher Stadtgeschichte stark mitgeprägt hat – hat sich kein Vertreter gefunden, der den Staffelstab übernehmen will.

„Und ich hätte auch keinem dazu geraten“, sagte Hommel in den Minuten, in denen es trotz vieler Gäste minutenlang ungewöhnlich leise war in der Buchhandlung. Zu schwierig sei das Geschäft geworden. Der Internethandel und vor allem Amazon hätten vieles verändert seit den guten Jahren, deren Ende Hommel irgendwo um 2007 festmachte. Seitdem sei es immer schwerer geworden für kleine Unternehmen.

Das Ende des Familienunternehmens mit tiefen Wurzeln in die Jülicher Geschichte machte die Gäste betroffen. Der liebevolle Rückblick auf die Firmengeschichte und die Anekdoten aus den vergangenen 30 Jahren, die Hommel und seine Frau Eva Behrens-Hommel humorvoll gestaltet hatten, war nicht mehr präsent, als den Gästen klar wurde, das die Zeiten vorbei sind, in denen sich Jülich eines Markennamens wie Fischer rühmen konnte.

Applaus für das Lebenswerk

Hier stehen 379 Jahre Erfahrung im Buchhandel: Ein großer Teil des Fischer-Teams wechselt im März nicht den Arbeitsplatz, aber den Arbeitgeber. Foto: Guido Jansen

Trotzdem endete der Abend nicht mit traurigem Ton. Das begann damit, dass sich die Gäste von ihren Plätzen erhoben und applaudierten. Wolfgang Hommel, der mit seinem Emotionen kämpfend am Rednerpult stand, seiner Frau Eva, die nicht immer vorne stehen wollte. Es war ein andächtiger Applaus, keiner mit überschwappenden Emotionen wie nach einer gelungenen Theaterpremiere. Sondern mehr so, als würde ein Mensch einen Preis für sein Lebenswerk erhalten. Kein Jubel, sondern eine Respektbekundung. „Das ist ein Tag, an dem man mal dankbar sein kann für alles, was ihr in den vergangenen drei Jahrzehnten geleistet habt“, sagte Bürgermeister Axel Fuchs in Richtung der letzten Fischer-Buchhändler-Generation. „Fischer, das ist in Jülich ein Pfund.“

Respekt klang in dem Applaus womöglich auch dafür mit, dass Hommel dafür Sorge getragen hat, dass zwar die beeindruckend lange Tradition des Familienunternehmens endet, in Jülich aber nicht in Sachen Büchern die Lichter ausgehen. Der Standort wird zu einer der knapp 300 Thalia-Filialen. Die Mitarbeiter haben alle ein Angebot zur Übernahme erhalten, die meisten haben angenommen. Das Wissen um Bücher bleibt den Jülicher Lesern also größtenteils erhalten. Leiter der künftigen Thalia-Filiale wird Jürgen Schmitte, der – wie viele andere – schon seit vielen Jahren zum Fischer-Personal gehört. „Wir bringen es insgesamt auf 379 Jahre Berufserfahrung im Buchhandel“, sagte Schmitte und bedankte sich bei Hommel, dass es aufgrund des gut geregelten Übergangs „noch mehr werden dürfen“.

Das Team musste das Geheimnis lange hüten. Entsprechend groß sei die Erleichterung, dass man ab sofort über alles reden könne, bekannte Hommel. Gleichwohl waren Tag und Abend der Jubiläums- und Abschiedsfeier für die Mitarbeiter und ihn nicht so verlaufen wie erwartet. Und das, obwohl der besondere Abend minutiös geplant und mit einer ergreifenden Choreografie gestaltet war.

Die Fusion der Ketten

Anekdoten zum Abschied: Eva Behrens-Hommel berichtete von 30 Jahren voller besonderer Lesungen. Foto: Guido Jansen

Denn am Vormittag passierte in der Welt des Buchhandels etwas, dass Hommel und seine Mitarbeiter so überraschte wie das Ende von Fischer die Jülicher Kunden: Es wurde bekannt, das Thalia als deutsche Nummer eins mit der Nummer vier, der Mayerschen Buchhandlung, fusioniert. Auch, um noch stärker zu sein im Wettbewerb mit Amazon.

Hommel schilderte, dass auch die Mayersche ein Kandidat für die Übernahme gewesen sei. Dann hätten jetzt alle Verträge am Tag der Bekanntgabe der Übernahme durch die Mayersche mit Thalia neu verhandelt werden müssen.

Jetzt wird am 1. März aus Fischer Thalia, die Gesichter in der Buchhandlung bleiben erhalten. Auch die Partnerschaft mit unserer Zeitung geht weiter, jetzt ist Thalia unsere Zweigstelle für Ticketverkauf und Anzeigenannahme. Zur Ruhe setzen wird sich Wolfgang Hommel nicht. Die Fischer-Tradition will er fortsetzen, indem er den Jos. Fischer Verlag übernimmt. Der war, wie die Buchhandlung, vor 150 Jahren von Joseph Fischer gegründet worden.

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