Jülich: Jülicher Atommülllager muss geräumt werden

Jülich: Jülicher Atommülllager muss geräumt werden

Wohin mit den 152 Jülicher Castoren? Eine endgültige Antwort auf diese Frage wird es bald geben müssen. Denn die NRW-Atomaufsicht — das NRW-Wirtschaftsministerium — hat am Mittwoch die Räumung des Atom-Zwischenlagers angeordnet.

Das Forschungszentrum Jülich bekommt bis Ende September Zeit, einen detaillierten Plan aufzustellen, wie und wohin es die rund 290.000 hoch radioaktiven Brennelemente des ehemaligen Versuchsreaktors transportieren will. Bis die Castoren tatsächlich abtransportiert werden, dürften aber noch Jahre vergehen. Die Genehmigungsverfahren für Atomtransporte sind kompliziert und zeitaufwendig.

Damit sind die Pläne des Forschungszentrums Jülich (FZJ), eine offizielle Genehmigung für die weitere Lagerung der Castoren zu erhalten, durchkreuzt. Eine Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz ist in weite Ferne gerückt, weil aktuelle geologische Untersuchungen ergeben haben, dass der Untergrund, auf dem heute die Castoren lagern, für die weitere Unterbringung nicht geeignet ist. Denn: Bei extrem starken Erdbeben bietet der Boden nicht genug Standfestigkeit. Ein sogenanntes 100.000-jähriges Bebenereignis könnte zu einer Bodenverflüssigung führen. Dabei entsteht durch extremen Druck ein instabiler Sand-Wasser-Schlamm. Darauf errichtete Gebäude können versinken.

Aus diesem Grund sah sich die Atomaufsicht nun zum Handeln gezwungen und habe die Räumungsanordnung erteilt, sagte Matthias Kietzmann, Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums. Sowohl er als auch das FZJ verwiesen darauf, dass die heutigen Anforderungen zur Erdbebensicherheit erheblich über den Standards lägen, die zum Zeitpunkt des Baus des Lagers gegolten hätten.

Derzeit gibt es zumindest theoretisch drei Möglichkeiten, wohin die Jülicher Castoren transportiert werden könnten. Favorisiert wird vom FZJ gewiss der Transport in die USA, wo der Kernbrennstoff der Reaktorkugeln herkommt. Die US-Amerikaner haben ihre generelle Bereitschaft bereits erklärt. Seit Juni läuft dort eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Das Verfahren dauert neun bis zwölf Monate. Das Ergebnis wird darüber entscheiden, ob und wann der Kernbrennstoff verschifft werden kann.

Eine zweite Möglichkeit ist der Transport ins Zwischenlager Ahaus — so wie es das Forschungszentrum ursprünglich geplant hatte. Die dazu erforderlichen Genehmigungsverfahren ruhen derzeit und müssten wieder aufgenommen werden.

Zumindest theoretisch könnten die Castoren auch in Jülich bleiben. Nämlich dann, wenn der Geologe seine bisher noch vorläufigen Ergebnisse revidiert.

Kietzmann vom NRW-Ministerium betonte ausdrücklich, dass die jetzige Räumungsanordnung keinen Einfluss auf geltende Sicherheitsbestimmungen habe: „Es wird keine Hau-Ruck-Aktion geben. Sowohl bei der weiteren Lagerung wie auch bei einem Transport steht die Sicherheit der Menschen an erster Stelle.“