Jülich: Rübenernte weit unter Durchschnitt

Am Freitag endet die Kampagne : Rübenernte weit unter Durchschnitt

Freitag endet die Rübenkampagne. „Das Jahr hat der Landwirtschaft böse mitgespielt“, blickt Heinz Leipertz, Leiter Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen im Rheinland, auf die zu Ende gehende Rübenkampagne zurück.

Am Freitag rollen im Laufe des Nachmittags oder frühen Abends die letzten Fuhren zur Jülicher Zuckerfabrik, die noch das Wochenende benötigt, um die angelieferten Feldfrüchte zu verarbeiten. Traditionell wird am letzten Anfuhrtag auch zur „Fahrersause“ eingeladen, bei der die Fahrer der Lkw, Traktoren, Erntemaschinen, Disponenten und alle Mitwirkenden rund um die Rübe den Abschluss der Kampagne bei Würstchen und Kaltgetränken begehen.

Silos werden nicht voll

Leipertz kann zwar momentan noch keine endgültige Erntebilanz ziehen, aber er weiß, dass die Ernte weit unter dem Durchschnitt ausgefallen ist. „Die Zuckersilos werden nicht voll“, umschreibt er die Mengenerträge, die in diesem Jahr eine große Spanne umfassen. Es habe einzelne Rübenbauern gegeben, die dank guter Böden und eines glücklichen Gewitterregens zufriedenstellende 90 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar erzielt hätten, andere hätten sich auf leichteren Böden angesichts der lang anhaltenden Dürre mit 30 Tonnen begnügen müssen. Im Durchschnitt seien 65 bis 70 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar erzielt worden, rechnet der Rüben-Experte vor.

Erfreulich sei nur der Zuckergehalt von 18,5 bis 19 Prozent, das sei rund ein Prozentpunkt mehr als im langjährigen Mittel. Doch dieser Zuckergehalt habe die Ertragsdefizite nicht kompensieren können, sagt Leipertz, den die Erntemengen ebenfalls „enttäuscht“ haben.

Markt „kaum bewegungsfähig“

Bei den Marktbedingungen sei die sich abzeichnende Verknappung des Rohstoffs für die Lebensmittelindustrie noch nicht spürbar, ergänzt Heinz Leipertz. Da große Unternehmen die benötigten Mengen schon vor anderthalb Jahren mit Vorkontrakten eingekauft hätten sei momentan der Markt „kaum bewegungsfähig“ bei aktuell unbefriedigenden Preisen und einem schwierigen Marktumfeld. Ob und wenn ja wann die Zuckerpreise auf die Verknappung reagieren, sei noch nicht absehbar, ist Leipertz vorsichtig mit Prognosen für die weitere Entwicklung des Zuckermarktes.

Bei all diesen Sorgen und Problemen rund um die Rübe und die anderen Kulturen, die teilweise noch mehr unter den extremen Witterungsbedingungen gelitten haben, ist der Leiter Landwirtschaft bei den rheinischen Fabriken von Pfeifer & Langen froh und stolz über die problemlose Abwicklung der Kampagne. „Es hat alles gepasst“, gelten Lob und Dank all den Abfuhrgruppen von den Maschinenringen und gewerblichen Firmen, die auf Äckern und Straßen unterwegs waren, um die süße Ernte einzufahren.

(ahw)
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