Jülich: Renoviertes Kriegstotendenkmal neu eingesegnet

Renoviertes Kriegstotendenkmal neu eingesegnet : Eine Mahnung an die Lebenden

Das aus Sponsorengeldern in Höhe von 6000 Euro renovierte Kriegstotendenkmal auf dem Kirchvorplatz der Kirche St. Hubertus wurde im Rahmen der Gedenkfeiern zum Volkstrauertag durch Propst Josef Wolff neu eingesegnet.

„Meine Seele wartet auf den Herren, mehr als die Wächter auf den Morgen“. Auf diesen Psalm 130 bezog sich Propst Josef Wolff bei der Neueinsegnung des Kriegstotendenkmals auf dem Kirchvorplatz der Welldorfer Kirche St. Hubertus. „Diese Menschen haben die Nacht erlebt und warten auf den Morgen. Wir Lebenden schulden es den Opfern, dass Menschen so etwas nie wieder erleben“, betonte Wolff und schwang sein Aspergil, um das renovierte Denkmal mit Weihwasser zu besprengen. Leitfaden seiner Predigt zuvor in der Messfeier war die Stelle aus dem Lukasevangelium „Kein Stein wird mehr auf dem anderen bleiben“. Von der Tempelzerstörung in Jerusalm gelangte er thematisch zu „einer der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges vor unserer Tür“. Wolff erinnerte an das christliche Anliegen, „durch Erinnerung zum Frieden beizutragen“.

Der schlimmste Tag

In der anschließenden Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages mit der Kapelle Enzian, der Feuerwehr Welldorf und der St. Hubertus-Schützenbruderschaft rief Ortsvorsteher Christian Klems den „kühlen, sonnigen Herbsttag heute vor 75 Jahren in Welldorf“ in Erinnerung, der „als vielleicht schlimmster Tag“ in die Geschichte des Ortes einging. 467 Bomber der Royal Air Force radierten von 15.28 Uhr bis 15.50 Uhr mit Luftminen, Sprengbomben, Phosphor- und Stabbrandbomben das historische Jülich völlig aus. Auch im mit Einheimischen, Flüchtlingen, Soldaten und Schanzarbeitern überfüllten Welldorf fanden 33 Menschen den Tod. „Unser Heimatort war zu 70 Prozent zerstört“, unterstrich Klems. „Rechtzeitig zu erkennen, wenn Bürgerrechte ausgehöhlt und mit Füßen getreten werden“, sei die Lektion, die laut Klems aus den „schrecklichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts und der heutigen Zeit“ zu lernen seien. Die Machbarkeit dieses schwierigen Weges untermauerte der Ortsvorsteher und Bezirksbundesmeister mit drei Ereignissen, „die sich zum 30. Mal jähren“: Die Montagsdemonstrationen in der DDR, die Genehmigung der Ausreise der 4000 DDR-Flüchtlinge aus der Botschaft der Bundesrepublik in Prag und den Fall der Mauer. Das Kriegstotendenkmal war 1954 mit Spenden aus der Bevölkerung errichtet worden. Vor 65 Jahren wurde die Inschrift der gefallenen und vermissten Soldaten beider Weltkriege durch Witterungseinflüsse unlesbar, deshalb dankte der Heimatverein den Sponsoren, die 6000 Euro für die Renovierung zusammengetragen hatten.

Das Denkmal sei „kein Ort für Heldenverehrung“, vielmehr eine „Erinnerung an die Toten und den Lebenden eine Mahnung“ wie es in den Dankesworten des Heimatvereins an die Sponsoren hieß. Bei den „schrecklichen Ereignissen vor 75 Jahren“, als das historische Jülich völlig ausradiert wurde, fanden auch 33 Menschen in Welldorf den Tod.

(ptj)