Jülich: Parkdeck-Sanierung für sechs Millionen Euro?

Haushaltsrede des Bürgermeisters : Parkdeck-Sanierung für sechs Millionen Euro?

Die Hiobsbotschaft hat Bürgermeister Axel Fuchs (parteilos) in der Ratssitzung am Donnerstag bei der Einbringung seines Doppelhaushaltes für 2019/2020 eher nebenbei präsentiert: Die Sanierung der Tiefgarage an der Zitadelle werde vermutlich bis zu sechs Millionen Euro kosten – Raunen im Zuschauerraum.

Die Zahl war offenbar so frisch, dass selbst der Fachausschuss bisher nicht informiert werden konnte und Fuchs vorsichtshalber den Satz „Ob wir uns das leisten können oder wollen, müssen wir noch beraten“ hinterherschob. Dazu besteht die Gelegenheit am 20. März, wenn besagter Fachausschuss im Rathaus tagt. „Bei der Summe von fünf bis sechs Millionen Euro handelt es sich um eine erste grobe Schätzung“, sagte Beigeordneter Martin Schulz. Der Vorteil aus Sicht von Schulz: „Diese Summe würde reichen, die Lebensdauer des Bauwerks für die nächsten 30 Jahre zu sichern.“

Die Erkenntnis, dass die Tiefgarage bröckelt und dringend sanierungsbedürftig ist, ist nicht neu. Entstanden sind die Schäden vorrangig dadurch, dass Wasser in das Gebäude eindringen konnte. Mitte 2017 hatte der Planungsausschuss deshalb schon erste Sofortmaßnahmen gebilligt. An der Mauer zum Wallgraben (Attica) wurden alle Belüftungsöffnungen überdacht, um das weitere Eindringen von Schlagregen zu verhindern. „Die fehlende Abdeckung hat im Wesentlichen dazu geführt, dass wir Schäden haben“, erklärte ein Gutachter damals.

Der schätzte die Kosten für eine Komplettsanierung auf vier Millionen Euro – inzwischen liegt man bei sechs Millionen Euro und hat – wie Schulz am Freitag erklärte – bereits 1,2 Millionen Euro in das Gebäude investiert. Mit ein Grund: „Wir haben weitere Untersuchungen vornehmen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass der Schaden größer ist als bisher angenommen“, sagte Schulz.

Das Hauptproblem ist aus seiner Sicht aber etwas ganz anderes. Die Tiefgarage stützt mit ihrer Mauer gleichzeitig die Schlossstraße ab. Will man also die sanierungsbedürftige Decke zwischen dem ersten und zweiten Untergeschoss erneuern, kann man die nicht einfach entfernen. „Technisch ist die Sanierung sehr schwer umzusetzen. Wir haben viele Varianten untersuchen lassen, überlegt, ob wir mit Stützen arbeiten können oder sogar das Gebäude mit einem Material volllaufen lassen, das man anschließend wieder gut entfernen kann“, erklärte Martin Schulz.

Der Beigeordnete hat aber noch zwei andere Kennzahlen parat. Zum Beispiel die Summe von fünf bis acht Millionen Euro, die ein Neubau einer Tiefgarage in etwa kosten würde. Eine Summe, die allerdings täuscht. Zum einen wären es die Kosten für einen Neubau „auf der grünen Wiese“, zum anderen müsste dann noch der Abriss bezahlt werden. Der dürfte – siehe Begrenzungsmauer zur Schlossstraße – ebenfalls nicht billig werden.

Frühestens 2020

Aus heutiger Sicht würde Schulz sich deshalb eher gegen einen Neubau entscheiden. „Nur die Sanierung macht Sinn“, betonte er. Unabhängig von der Antwort auf die Sinnfrage sind die Kosten für die Sanierung im Haushalt bereits eingepreist. In seiner Haushaltsrede verwies Fuchs darauf, dass aus 2018 noch 1,7 Millionen Euro für die Maßnahme zur Verfügung stehen, weitere 4,3 Millionen sollen in 2019 und 2020 zur Verfügung gestellt werden. Schulz geht davon aus, dass eine Sanierung – sollte sich der Rat für diesen Weg entscheiden – frühestens 2020 umgesetzt werden kann.

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