Jülich: Neue Konstrukte für alte Aufgaben

Wie geht’ mit dem Hallenbad weiter? : Neue Konstrukte für alte Aufgaben

Der Satz von Ulf Kamburg ist deutlich formuliert. „Es gibt jetzt keine Absicht, ein neues Hallenbad zu bauen.“ Kein Wunder. Der Jülicher Stadtwerke-Geschäftsführer hat andere Baustellen: das Infocenter auf dem Schlossplatz, den Umzug der Stadtwerke in den Brainergy-Park, vor allem aktuell auch den Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes in Jülich.

Besonders ist der Satz von Kamburg dennoch. Immerhin hat der Rat der Stadt erst im Oktober einen klaren Beschluss gefasst: „Der Neubau eines Hallenbades wird nach entsprechender Planungsphase schnellstmöglich realisiert“, heißt es da im Protokoll der Sitzung. Das klingt nach einem Widerspruch.

Für Jülichs Beigeordneten Martin Schulz tut sich dieser Widerspruch nicht auf: „Wir müssen innerhalb der kommunalen Familie klären, wie wir mit dem Thema umgehen. Wir sind mit den Stadtwerken darüber im Gespräch. Klar ist, dass die Kompetenz für die Planung eher beim Betreiber angesiedelt ist.“ Schulz bewertet die Prioritäten nicht anders als Kamburg selbst. Aus beider Sicht besteht beim Thema Neubau eines Hallenbades kein aktueller, dringlicher Handlungsbedarf.

Schulz: „Das Schwimmen in Jülich ist in den kommenden Jahren gesichert.“ Und zwar im jetzigen Hallenbad. „Unser Hallenbad ist in die Jahre gekommen“, weiß Kamburg, „aber es ist nutzbar. Und wir wollen es so lange wie möglich nutzen.“ Das nicht nur, weil die Stadtwerke in den letzten Jahren viel Geld in die Erneuerung der Technik gesteckt haben, sondern auch, weil – etwas flapsig formuliert – ein neues Hallenbad nicht für ‚lau’ zu haben ist.

Kamburg weiß natürlich auch, dass die Frage eines neuen Hallenbades mittelfristig beantwortet werden muss. Er stellt sich eine Klärung im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes der Stadt vor, in der die grundsätzliche Ausrichtung der städtischen Entwicklung für die nächsten 15 bis 20 Jahre beantwortet werden soll. Kamburg: „Am Ende dieses Prozesses müssen wir klären, welche Investitionen für welches Thema in welcher Reihenfolge umgesetzt werden.“

Blick ins Jülicher Hallenbad. Erneuerte Duschen im Sanitärbereich der Freizeiteinrichtung. Foto: SWJ

Der Geschäftsführer will aber noch eine andere Frage klären. Die Stadtwerke sind kein Wohltätigkeitsverein, der nach Belieben Freizeitangebote in modernstem Ambiente anbieten kann. Das Hallenbad wird derzeit jährlich von rund 80.000 Besuchern genutzt und fährt Jahr für Jahr ein Defizit von rund 1,3 Millionen Euro ein. „Ich bin nicht die öffentliche Hand, sondern eine GmbH“, sagt Kamburg etwas überspitzt formuliert. Soll heißen: Für das Unternehmen Stadtwerke muss ein neues Hallenbad nicht nur finanzierbar sein, sondern sich auch rechnen.

Wenn Beigeordneter Martin Schulz also von der „kommunalen Familie“ spricht und damit Stadt und Stadtwerke als Betreiber meint, dann wird es bei der Realisierung eines neuen Hallenbades aus Sicht Kamburgs vor allem darum gehen, ein steueroptimiertes Konstrukt zu finden, wie beispielsweise in einer neuen Gesellschaft Funktionen und Aufgaben gebündelt werden können. So, wie beim geplanten Infocenter auf dem Schlossplatz Stadt und Stadtwerke gemeinsam unterschiedliche Aufgaben an einer Stelle bündeln wollen, wäre das auch in anderen Bereichen möglich.

Kamburg fallen da ganz viele Beispiele aus anderen Kommunen ein, in denen dies bereits praktiziert wird. „Es kann Sinn ergeben, mehrfache Funktionen an einer Stelle zu bündeln“, sagt Kamburg und hat dafür auch profane Beispiele: Marketing machen zahlreiche Einrichtungen der Verwaltung bisher in Eigenregie, so etwas könnte man bündeln. Und was im kaufmännischen Bereich denkbar ist, könnte auch in anderen Bereichen funktionieren.

Ein Beispiel von Kamburg sind etwa die Stadtwerke Lingen, die einen Wirtschaftsbetrieb gegründet haben, der neben den Bädern beispielsweise auch Parkhäuser und Tiefgaragen betreibt. Wenn man weiß, dass in Jülich die Tiefgarage für sechs Millionen Euro saniert werden muss, muss es kein Zufall sein, dass Kamburg just dieses Beispiel aufführt. „Leider gibt es nicht die eine Blaupause für eine Lösung, wie wir sie in Jülich brauchen, sondern ein solches System müsste gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Beratern und den wesentlichen prägenden Institutionen in einer Kommune entwickelt werden“, sagt er. Vor allem müsste eine Frage vorab beantwortet werden: Kann man notwendige und wichtige Prozesse alle erst im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes klären, das auf einen Zeitraum von 15 Jahren angelegt ist?

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