„Jülich Live“ bringt Musik in die ganze Stadt

Kneipenfestival mit neun Bands : „Jülich Live“ bringt Musik in die ganze Stadt

Neun Live-Bands spielten am Samstag in der Jülicher Innenstadt bis in die Nacht und lockten die Menschen in Scharen in die Gaststätten. Zum dritten Mal ist die ganze Innenstadt ein einziges großes Konzert.

Am späten Samstagabend schienen auf den Straßen Jülichs einige Bürger ziemlich unentschlossen. Das Angebot von Jülich Live war vielfältig und die Sorge, womöglich etwas zu verpassen in jener besonderen Partynacht, bei einigen erheblich. Neun Live-Formationen verschiedener Stilrichtungen spielten verstreut in der Innenstadt.

Die unterschiedlichen Künstler bedienten mit Rock, Jazz, Salsa und diversen Hits aus der Popmusik verschiedenste musikalische Vorlieben und sorgten für große Abwechslung. Sofern man natürlich bereit war, hin und wieder einen kleinen Fußmarsch in Kauf zu nehmen. Die meisten taten dies mit großem Vergnügen, schließlich machte dieses „Kneipenhopping“ den besonderen Charme jener Veranstaltung aus.

Nach einem Abstecher ins Extrablatt, um von „Pick of the Bunch“ in Partylaune gebracht zu werden, über das Liebevoll, wo „Wohnzimmer Soul“ gerade den Queen-Hit „Anotherone bites the Dust“ spielten, schließlich ins Café Americano, sich von den lateinamerikanischen Rhythmen der dreiköpfigen Band „Fiesta Latina“ mitreißen lassen. So oder so ähnlich kann die Dramaturgie der Partynacht bei so manchem ausgesehen haben. Andere wiederum waren gekommen, um zu bleiben. So etwa viele Gäste im Café Fleur, die vom Auftritt des Duos „J+R Music“ so überzeugt waren, dass sie den ganzen Abend mit ihrer Musik verbracht haben. J+R Music mit Bassist Jörn und Gitarrist Rainer stehen für „handgemachte amerikanische Blues- und Rockmusik“. Ihre Interpretationen von Johnny Cash, Bruce Springsteen oder Elvis Presley hielten viele im Café Fleur fest. „Die sind klasse, die Jungs“, hörte man von zwei gut gelaunten Jülicherinnen, die kurzerhand aufgrund der überzeugenden Darbietung ihre Pläne änderten und vorerst blieben.

„Es ist eine tolle Atmosphäre, die Leute machen super mit, wir sind angenehm überrascht“, stellte Bassist Jörn freudig fest, nachdem sich die Band mit Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ ihren verdienten Applaus abgeholt hatte. Auch die Musiker von „Wohnzimmer Soul“ und Hans Seidowski, Frontmann der Hannoveraner Formation „Pick of the Bunch“, die das Extrablatt zum tanzen gebracht haben, bestätigten den Eindruck, dass sich die Jülicher in dieser Nacht in den neun Locations feiermäßig von ihrer besten Seite gezeigt haben.

Ein Chilene, ein Paruaner und ein Venezuelaner. Eduardo, Jonathan und Ruben von "Fiesta Latina" brachten südamerikanische Rhythmen an die große Rurstraße ins Americano. Foto: Jakub drogowski/Jakub Drogowski

Nach 2016 und 2017 war es bereits die dritte „Jülich Live“-Veranstaltung. Während jedoch ein außergewöhnlich regenreicher Märztag 2017 die Partylaune ein wenig getrübt habe, wie sich Benjamin Loevenich, Betreiber des Liebevoll, erinnerte, spielte das Wetter in diesem Jahr mit. „Die Abendkasse war gut besucht“, zog er bereits gegen 22 Uhr ein kleines Resümee. „Das ist eine gute Sache für die Bars, die Leute nehmen das Angebot an“, sagte Loevenich während es im Liebevoll mit „She’s like the Wind“ romantisch wurde. Adam Ruta, Geschäftsführer des Veranstalters Gastro Event GmbH, gab sich ebenfalls zufrieden. „Wir sind über 600 Karten im Vorverkauf losgeworden, die Abendkassen laufen ebenfalls gut“, stellte er fest und sandte noch einen Dank an die Jülicher Stadtverwaltung. „Die Stadt heißt die Veranstaltung willkommen, mehr Hilfe konnten wir uns gar nicht vorstellen“, so Ruta.

Zeitweise war der Andrang an einigen Orten so groß, dass die Leute die gewünschte Bar gar nicht betreten konnten. „Zum Fässchen“ in der Bongardtstraße erwies sich in jener Nacht ebenfalls als Zuschauermagnet, sodass man bereits von Weitem eine Menschentraube vor der Bar ausmachen konnte. So mussten einige Musikfans die erfrischende Version von „Love me do“ der Beatles von den „Rocket Boys“ draußen anhören. Die Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen, denn schräg gegenüber im Top Ten war noch Platz, wo die Reggae-Formation „Peace Development Crew“ nicht nur Bob Marley-Liebhaber zum tanzen brachte. Ein wenig mehr unter sich, jedoch nicht minder gut gelaunt, war man am Fuße des Hexenturms in der Sportsbar Sky Zone. Die Rocker Christian und Axel vom Duo „Stringbreak“ aus Haan konnten in der Ü18-Bar auch mit eigenen Kompositionen für beste Stimmung sorgen.

Die Live-Acts konnten an diesem Abend allerorts überzeugen, sodass man die „Zugabe“-Rufe im Liebevoll noch im Extrablatt hören konnte, wo die Stimmung ähnlich gelagert war. Manche der Künstler spielten so mehr deutlich mehr als vier Stunden. Für viele Jülicher ging die musikalische Reise erst spät nachts im Kulturbahnhof zu Ende, wo die Hagener Musiker „Second Hand“ den Schlussakt gaben. Zuvor eröffnete dort das Trio „Noisepollution“ aus Schwäbisch Hall den Abend. Die drei Studenten, die seit 10 Jahren gemeinsam Musik machen und mit selbst konzipierten Chorarrangements Songs von Dire Straits, Billy Joel oder Supertramp dreistimmig auffrischen, bekamen von Veranstalter Ruta noch ein ausdrückliches künstlerisches Sonderlob.

Im Gegensatz zu den vergangenen zwei Veranstaltungen wurde der eingesetzte Shuttle-Bus dieses Jahr weniger benötigt. Bis auf das KuBa waren die teilnehmenden Bars zu Fuß schnell erreichbar, wodurch ein besonderer Eventcharakter deutlich wurde. Genutzt wurde der Bus dennoch, zur Freude von Fahrer Dieter Ölbracht, der hin und wieder mit Langeweile zu kämpfen hatte. Manchmal wurde es dann nach seiner Aussage doch spannend, wenn einige der gut gelaunten Gäste während der kurzen Fahrt zum KuBa plötzlich den Drang nach einer Toilette verspürten.

So wurde dank der neun Bands noch bis spät in die Nacht allerorts in der Stadt gefeiert und das am Sonntag folgende Jülicher Frühlingsfest verzeichnete womöglich den ein oder anderen erwarteten Besucher weniger. Veranstalter Ruta gab indes einen optimistischen Ausblick auf das nächste Jahr: „Wenn alles klappt und wir wieder die großartige Unterstützung bekommen, gibt es Jülich Live im nächsten Jahr wieder.“

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