Jülich: Kaum noch Perspektiven für die Rur-Pappeln

Experte stellt Gutachten vor : Kaum Perspektiven für die Rur-Pappeln

Die Pappeln in der Jülicher Ruraue sind ein identitätsschaffendes Merkmal der Stadt. Das wird nicht mehr lange so bleiben. Denn die Bäume sind in der sogenannten Altersphase. Spätestens in 20 Jahren dürfte jede der 187 Pappeln zwischen dem Brückenkopf und der B56-Brücke abgestorben oder umgestürzt sein.

25 Prozent der Bäume sind jetzt schon so geschwächt, dass sie innerhalb von wenigen Wochen gefällt werden sollten. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das im Jülicher Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss diskutiert wurde.

Deswegen empfiehlt der Fachausschuss dem Rat für dessen Sitzung am kommenden Donnerstag, zu beschließen, alle Pappeln fällen oder kappen zu lassen, die so gut wie keine Standsicherheit mehr haben. Das gilt auch für die Bäume, die die sogenannte Verkehrssicherungspflicht der Stadt Jülich nicht berühren. Also jene Bäume, die nicht in der Nähe von Wegen stehen und zur Gefahr werden können, wenn sie umstürzen. Denn die Ruraue ist durchzogen von kleinen Trampelpfaden. Die sollen von den gefällten Bäumen blockiert werden.

Es bleibt aufgrund der akuten Gefahr keine Zeit, das Fällen von rund 45 Pappeln als Auftrag auszuschreiben. Weiter empfiehlt der Ausschuss, auch die Pappel-Populationen bei Kirchberg in der Nähe der Inde-Mündung und die Pappeln im Barmener Driesch von einem Gutachter-Büro untersuchen zu lassen. Zudem soll die Verwaltung Kontakt mit dem Wasserverband Eifel Rur (WVER) aufnehmen, um noch einmal über deren Vorhaben der Rur-Renaturierung zu sprechen.

Jürgen Kutscheid, Gutachter aus Krefeld, hat die Pappel-Expertise vorgestellt, die sich auf die Exemplare zwischen den erwähnten Brücken beschränkt. Gepflanzt worden seien sie alle um 1950 und damit seien sie alt. „Vor allem im südlichen Bereich westlich der Rur gibt es in ganz großem Umfang Bäume, die dringend gefällt werden müssen“, erklärte Kutscheid, dass die Pappel-Population Richtung B56-Brücke schnell sehr stark ausgedünnt werden müsse, um zu verhindern, dass die nicht mehr standsicheren Bäume zum Problem werden. Ein weiterer Großteil sei jetzt noch sicher, müsse aber dringend in wenigen Jahren erneut kontrolliert werden.

„Sie können davon ausgehen, dass innerhalb von 20 Jahren alle Pappeln verloren gehen“, sagte Kutscheid. Schadpilze wie der Feuerschwamm und der Hallimasch setzen den Bäumen zu. Dazu kämen Käfer wie der Weidenbohrer und der Pappelbock. Der Biber sei ebenfalls im untersuchten Abschnitt aktiv. Und je dünner die Population mit den jetzt notwendigen Fällung werde, desto mehr hätten die verbleibenden Pappeln mit dem Wind zu kämpfen.

Bessere Nachrichten hatte Kutscheid zu den Kastanien auf dem Rurdamm. Die habe sein Team im Schnellverfahren geprüft und einen guten Zustand sowie kaum Erkrankungen festgestellt. Die Bäume bestünden auch, wenn der Windschutz der Pappeln wegfalle. „Damit haben die Bürger Recht behalten“, sagte der Ausschussvorsitzende Heinz Frey (JÜL). Eine Initiative hatte vor einigen Jahren die beabsichtige Fällung der Kastanien seitens des WVER verhindert. Das Argument, dass der Stadt jetzt Kosten entstünden, weil sie die Kastanien-Fällung jetzt selbst übernehmen müsse, sei mit dem Gutachten widerlegt. „Die Bürger haben die Kastanien gerettet“, sagte Frey.