Jülich: Historisches Gebäude wird neu hergerichtet

In Jülich selten: vom Krieg verschontes Gebäude : Neuer Sinn für die alte Druckerei

Alt ist in Jülich ein relativer Begriff, was Gebäude angeht. Es gibt in der Innenstadt altes Gemäuer, am bekanntesten sind die Zitadelle und der Hexenturm. Aber ansonsten ist die Stadt relativ jung. Oder besser gesagt: Alles, was die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs überstanden hat, ist alt. Und in jedem dieser relativ alten Gemäuer steckt eine Geschichte.

Das gilt sicherlich für das Gebäude, in dem sich früher die alte Druckerei der Firma Jos. Fischer befand. Das Unternehmen feierte im vergangenen Jahr 150 Jahre Bestehen als Familienunternehmen. Druckerei und Buchhandel sind noch älter. Durch die einstige Druckerei, die zuletzt gut 50 Jahre als Lagerraum genutzt wurde, weht jetzt ein frischer Wind – oder besser Windt. Der Jülicher Architekt Reinhard Windt hat die Räume oberhalb der alten Druckerei gemietet und nutzt sie als Büro. Und er braucht mehr Platz. Er einigte sich mit Inhaber Wolfgang Hommel auf die Räume im Erdgeschoss. Seit Windt angefangen hat, den Raum zu sanieren, springen Hommel und ihm Bruchstücke der Historie entgegen.

Drumherum war alles platt

Die ist auch besonders, weil das Gemäuer den Krieg überstanden hat. „Als eines von wenigen Gebäuden im Bereich der Innenstadt“, sagt Hommel. Drumherum war alles platt. Das zeigt ein Archivbild aus dem Besitz der Firma Jos. Fischer. Das zeigen alte Luftaufnahmen nach der Zerstörung Jülichs. Das Baujahr kann Hommel benennen: 1924, so steht es auf einem Maueranker geschrieben. Damals hat das Familienunternehmen eine neue Rotation angeschafft, also eine Druckmaschine für Zeitungen. Jülicher Kreisblatt hieß die Zeitung, die damals hier gedruckt wurde und Teil der Tradition unserer Zeitung ist. „Die neue Rotation brauchte Platz, deswegen musste ein neues Gebäude her“, berichtet Hommel aus der Historie des Unternehmens.

Am 7. Oktober 1944 erschien die letzte Ausgabe des Kreisblattes, danach kam der Krieg. Zerstört wurden weder Rotation noch Gebäude. Die Rotation kaufte das Mutterhaus unserer Zeitung, der Zeitungsverlag Aachen, nach Kriegsende. 1968 verlagerte das Unternehmen seine Druckerei an die Römerstraße und aus dem Raum wurde ein Lager. Die Räume darüber, heute Heimat des Architekturbüros, dienten früher zuerst als Setzerei und dann als Zentrum für Studierende.

„Ich habe ein Faible für alte Sachen“, erklärt Reinhard Windt, warum er sich für einen relativ aufwändigen Weg entschieden hat, mehr Platz für sein Architekturbüro zu schaffen. „Ich will den Raum so lassen, wie er sich im Lauf der Zeit entwickelt hat“, erklärt er. Deswegen soll das alte Gemäuer sichtbar bleiben, die Stahlträger, die Lichtschalter und Steckdosen aus Bakelit. „Die hingen hier seit Jahrzehnten einfach nur so rum“, beschreibt Windt. Bald nicht mehr. Sie sollen neu installiert werden. Auch nicht weg soll der alte Röhrenspiralrippen-Heizkörper. Auch wenn er laut Windt ein Staubfänger werden kann. Denn die Heizung wird neu gemacht, genau wie die Fenster, die Türe und die Stromversorgung.

Noch viel zu tun: Reinhard Windt (r.) will bis Ende Februar fertig sein mit dem Herrichten der alten Druckerei. Wolfgang Hommel begrüßt, dass die Vergangenheit des Raums besser erkennbar sein soll. Foto: Jansen

„Das finde ich als Besitzer natürlich toll, dass die Historie dieses Gebäudes wieder auflebt“, sagt Hommel. Schließlich hätte Windt auch einfach nur Rigipsplatten in die einstige Druckerei bauen können und wäre schneller und wohl auch günstiger fertig geworden. Deswegen will Hommel einige historische Utensilien aus der Druckerei-Vergangenheit als Dekoration beisteuern, wenn alles fertig ist. Ende Februar soll das so weit sein.

(jan)
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