Jülich: Jülich hat ein großes Ziel: Demenzfreundliche Stadt

Jülich: Jülich hat ein großes Ziel: Demenzfreundliche Stadt

Gefordert ist die ganze Stadt. Denn nur, wenn sich alle einsetzen, wird die große Herausforderung für Jülich keine mehr sein. Demenz heißt das Stichwort. Die Krankheit, bei der die Betroffenen schleichend ihr Gedächtnis verlieren und im schlimmsten Falle am Ende nicht einmal mehr ihre eigenen Kinder erkennen.

Demenzielle Erkrankungen wie etwa Alzheimer sind auf dem Vormarsch, auch in der Herzogstadt.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Menschen immer älter werden. Dieser Trend gilt auch für Jülich. „Die Stadt schrumpft, und das Durchschnittsalter der Einwohner wird immer höher”, sagt Katharina Esser vom Amt für Kinder, Jugend und Sozialplanung mit Blick auf den neuen Demographiebericht Jülich.

Erste Altenplanung im Kreis

Zwar war die Herzogstadt in den frühen 70er Jahren die erste im Kreis Düren, die sich der Altenplanung widmete. Doch mit dem Thema „Demenz haben wir uns als Stadt noch nicht intensiv beschäftigt”, bekennt Esser.

Das soll sich ändern. Jülich will demenzfreundliche Kommune werden. Der Weg dorthin ist lang. Aber ein Anfang ist gemacht. Der Startschuss fiel unlängst mit der Auftaktveranstaltung. Rund 20 Teilnehmer fanden sich dazu im Technologiezentrum ein. Frauen und Männer aus unterschiedlichen Bereichen: Ärzte, Altenpfleger, Sozialdienstleister und interessierte Bürger. Gemeinsam sammelten sie an diesem Nachmittag Ideen und Anregungen zur Begleitung und Entlastung von Menschen mit Demenz.

Wie sich eine demenzfreundliche Kommune entwickeln kann, zeigte Martin Polenz. Er gehört zur Fachstelle „Zukunft Alter” in Arnsberg. Die Stadt im Sauerland hat sich bereits 2004 auf den Weg gemacht und intensiv mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt.

„Damals waren die Leistungen gleich Null”, sagt Polenz. Dabei betreffe Demenz die ganze Gesellschaft. Jeder könne daran im Alter erkranken. Um so wichtiger sei es, so der Geograph, sichere Versorgungsstrukturen zu schaffen, besonders in ländlichen Gebieten.

Erster Schritt in Arnsberg war jedoch die Aufklärung der Bevölkerung. „Die Gesellschaft reagiert auf die Begegnung mit einem demenzkranken Menschen oft hilflos”, erklärt Polenz.

So vorbildlich wie in der Modellstadt Arnsberg soll der Umgang mit Demenz auch in Jülich werden. Der Wunsch nach einem Demenz-Netzwerk, das ähnlich organisiert ist wie etwa das Palliativ-Netzwerk, war eines der wichtigsten Anliegen der Teilnehmer. Eingebunden werden sollen auch die Hausärzte, um die Krankheit früh zu erkennen und Betroffene sowie Angehörige an die entsprechenden Stellen weiterzuleiten.

Auch eine Notfallnummer Demenz wurde vorgeschlagen. „Wir werden jetzt die Vorschläge sammeln und sehen, was gemeinsam mit dem Kreis Düren geht”, sagt Katharina Esser. Denn auch Veränderungen in diesem Bereich sind abhängig von dem, was sie die Stadt schlussendlich kosten. „Wir müssen sehen, was wir kurzfristig und was langfristig umsetzen können”, so Esser weiter. Deswegen werde es weitere Treffen geben.

Damit das Thema Demenz nicht wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwindet und die Betroffenen in Vergessenheit geraten.