Jülich: Goldenes Priesterjubiläum von Heinrich Bongard

Goldenes Priesterjubiläum von Heinrich Bongard : Die Entscheidung nie bereut, Priester zu werden

Heinrich Bongard wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. Noch heute ist der ehemalige Pfarrer der Propsteigemeinde St. Mariä Himmelfahrt Jülich seelsorgerisch tätig. Sonntag wird gefeiert.

Als der damalige Bischof Dr. Johannes Pohlschneider am 1. März 1969 unter elf Diakonen, die sich im Hohen Dom zu Aachen versammelt hatten, auch Heinrich Bongard zum Priester weihte, befand sich die Katholische Kirche gerade in einer Zeit des Aufbruchs. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte die Kirche kräftig durchgelüftet und die Hoffnung geweckt, dass diese positiven Vorzeichen das Wirken der gerade Geweihten noch lange begleiten werden.

Heute, 50 Jahre später, ist von der damaligen Euphorie nur noch wenig zu spüren, im Gegenteil: Kirche, zumal die Katholische, das verbinden auch viele Gläubige mit Priestermangel, leeren Gotteshäusern, Bedeutungsverlust, Jammertal und nicht zuletzt mit den Missbrauchsskandalen, die momentan (fast) alles kirchliche Denken und Handeln überwölben.

Am Sonntag, 24. März, begeht Pfarrer i.R. Heinrich Bongard sein Goldenes Priesterjubiläum als eine Art Kontrapunkt zu der Krise, die allenthalben beklagt wird. Den Entscheidungsträgern in der Katholischen Kirche rät der Jubilarpriester zu „Ehrlichkeit und konsequentem Handeln”, der Missbrauch sei zu ahnden und Präventionsmechanismen aufzubauen, empfiehlt der Geistliche. Getragen fühlt er sich dabei von einem schier unerschütterlichen Glauben: „Ich bin mir sicher, dass der Glaube nie verschwinden wird”, sagt Bongard, denn der Mensch brauche einen Bezug zum Göttlichen, sei quasi „unheilbar religiös”. Seiner Kirche rät der Seelsorger deshalb, sich gerade auf dieses Grundbedürfnis der Menschen einzustellen und mit den richtigen Angeboten darauf zu antworten.

Ein Wunsch aus Kindertagen

Bongard selbst, der am 1. Oktober 1940 in Untermaubach geboren wurde, hegte den Priesterwunsch schon in jungen Jahren. Als Bub mit neun oder zehn Jahren wollte er Priester werden und in die Mission gehen. Bevor er als Priesteramtskandidat in Aachen begann, absolvierte er das Gymnasium wegen einer Erkrankung im Schwarzwald und im Emsland.

Theologie und Philosophie studierte er vier Semester in Bonn und zwei in Freiburg, dem das viersemestrige Priesterseminar folgte. „Wir verkünden uns nicht selbst, sondern Christus Jesus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen”, lautet sein Weihespruch, der auch über Bongards weiterem Leben stehen könnte. Als Kaplan wirkte er sieben Jahre an St. Castor Alsdorf und war danach achteinhalb Jahre als Militärpfarrer tätig, ehe er 1984 als Pfarrer der Propsteigemeinde St. Mariä Himmelfahrt Jülich eingeführt wurde.

„Priester zu werden war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Aber ich habe sie nie bereut”, sagte der Jubilar in einem Interview. Auch nach der „Pensionierung” in Jülich 2010 ist Bongard als Seelsorger aktiv geblieben. Befreit von allen Verwaltungsaufgaben widmet er sich in Aldenhoven und den Nachbarpfarreien als Subsidiar den priesterlichen Diensten, quasi von der Wiege bis zur Bahre. Um körperlich und geistig fit zu bleiben, wandert der 78-Jährige, setzt sich aufs Fahrrad oder fährt im Winter Ski. Die Inliner, mit denen er früher seine Runden am Blausteinsee drehte, hat er mit 75 Jahren vorsichtshalber zur Seite gestellt.

Spenden für Haus in Indien

Am Sonntag um 11 Uhr bei der Eucharistiefeier in der Propsteikirche wird der langjährige Propst wieder an alter Wirkungsstätte am Altar stehen. Anschließend bittet er seine Gäste ins Pädagogische Zentrum des Gymnasiums Zitadelle. Freuen über die Feier dürfen sich auch die Bewohner des „Bongard House” im indischen Paratwada.

Das geht auf die Patenschaft für einen indischen Theologiestudenten zurück, die der Jubilar kurz nach der Priesterweihe begann und aus der längst eine Freundschaft und das Haus entstanden sind, in dem mittellose Jungen wohnen, damit sie eine weiterführende Schule besuchen können. Statt Geschenken wünscht sich der Jubilar Spenden für das Haus.