Jülich: Ein Wasserstoff-Tank mit dem Zeug zum Hoffnungsträger

Massentauglicher Druckbehälter : Ein Tank mit dem Zeug zum Hoffnungsträger

Ein Druckbehälter made in Jülich hat das Zeug zum Hoffnungsträger bei der Herstellung moderner Autos, bei der Energiewende und letztlich beim Strukturwandel.

Es ist die neueste Entwicklung des Unternehmens Nproxx im Stetternicher Forst, die der Automobilindustrie ab dem 1. April auf der Hannover Messer präsentiert wird. Der besonders leichte 700-Bar-Wasserstofftank eignet sich nach Unternehmensangaben aufgrund seiner besonders hohen Speicherdichte in besonderer Weise für den Einsatz in der Automobilindustrie, weil die Wasserstofffahrzeuge mit mehr Kraftstoff und weniger Tankgewicht geplant und gebaut werden könnten. Der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn sieht auf der Basis dieses Kraftstoffspeichers eine Möglichkeit, auf lange Sicht im Kreis Düren neue Arbeitsplätze in der Industrieproduktion zu schaffen.

Weltweit gebe es vier Hersteller vergleichbarer Behälter: zwei in Asien, einen in Norwegen und eben Nproxx in Jülich. „Der Jülicher Tank aber ist leistungsstärker“, sagte Spelthahn am Freitag im Kreishaus über den Marktvorteil aus seiner Sicht, nachdem er in diesen Tagen in dem Unternehmen informiert worden war. Von daher fühle er sich in der Wasserstoffoffensive bestärkt, an der der Kreis Düren festhalte.

Der Bau von fünf Tankstellen – eine in der Nähe der Rurtalbahnzentrale in Düren-Distelrath – ist vorgesehen, die Anschaffung von zehn mit Wasserstoff betriebenen Bussen ebenfalls. Die Technologie, die sich nach seinem Eindruck vor allem eignet, um hohe Lasten zu befördern und damit viele Diesel-Aggregate zu ersetzen, sei natürlich auch auf der Schiene sehr gut vorstellbar. Anstatt zum Beispiel die Bördebahnstrecke von Düren in Richtung Zülpich/Euskirchen für 25 bis 30 Millionen Euro zu elektrifizieren, sei es möglich, moderne Triebwagen anzuschaffen, die mit Wasserstoff betrieben werden.

„Historische Chance“

Noch stärker aber wiegt für ihn die Chance, den Nproxx-Druckbehälter mittelfristig massenhaft in Automobilen einzubauen. Laut Unternehmen sei das ab mittelgroßen Autos, Kombis oder SUV möglich. Kontakte zu Herstellern gibt es. Sollte sich diese Verbindungen zum Beispiel auf der Hannover Messe verstetigen, müsste allerdings erst noch die Produktions-Infrastruktur geschaffen werden, um die Tanks in großer Stückzahl herzustellen.

Spelthahn: „Wir haben in Jülich die wirklich historische Chance, mit einer Technologie durchzustarten, die in Europa unterrepräsentiert ist.“ In der Kreisverwaltung gibt es auch Überlegungen, eine Testproduktion von „grünem Wasserstoff“ unmittelbar angebunden an einen älteren und abgeschriebenen Windkraftpark zu starten, um möglichst das gesamte Spektrum dieser Antriebsart in einer Wertschöpfungskette vor Ort zu halten.

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