Jülich: Die Daubenrather Dorfgemeinschaft soll wiederbelebt werden

Daubenrath hat jetzt einen Heimatverein : Die Dorfgemeinschaft soll wiederbelebt werden

In Daubenrath gibt es jetzt einen Heimatverein, der das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den 245 Einwohnern stärken will. Der hat sich gegründet, weil es sonst so gut wie nichts gibt.

Rollt ein Auto mit ortsfremdem Kennzeichen durch Daubenrath, dann mustern es die Ortsältesten, die gerade an der Straße stehen, solange es in Sichtweite ist. Andreas Strehl lacht, als er diese kleine Anekdote des Halters eines Autos mit ortsfremden Kennzeichen hört. „Ja, so ist Daubenrath. Hier kommen nicht viele fremde Autos durch. Am meisten noch das Fahrzeug des Pflegedienstes“, sagt der 44-Jährige. Er muss es wissen, er ist Ur-Daubenrather, genau wie sein Kumpel Robert Dreyling (42). „Daubenrath ist ein Fluchtweg für das Forschungszentrum, hier leben 245 Menschen, ansonsten ist hier tote Hose“, berichten die beiden.

Früher sei mehr los gewesen. Mehr Schützenfest, das Trommlercorps war größer. Im Sommer beim Grillen mit Freunden, alle Anfang, Mitte 40, alle Ur-Daubenrather, muss dann folgender Satz ungefähr so gefallen sein: „Da muss man was dran ändern.“ Das war der Moment, in dem die Idee zum Heimatverein Daubenrath entstanden ist. Dreyling ist der Vorsitzende, Strehl sein Stellvertreter. „Bevor da jetzt jemand was reininterpretiert: Wir sind völlig unpolitisch. Wir werden auch nicht mit einer Fahne durch den Ort marschieren. Wir haben den Verein Heimatverein genannt, weil Daubenrath unsere Heimat ist“, sagt Dreyling.

Wiederbeleben wollen sie vor allem den Gedanken einer Dorfgemeinschaft. Der sei ein wenig eingeschlafen. Viele Ur-Daubenrather seien weggezogen, auch ein paar Freunde aus der gemeinsamen Grill-Gemeinschaft. Übrig geblieben seien wenige Junge und mehr Ältere. Und von den Älteren ziehen hin und wieder auch welche weg in Richtung Innenstadt. „Sie wollen die Infrastruktur wie Geschäfte, Apotheken und Ärzte lieber direkt vor der Türen haben“, erklärt Strehl. Trotzdem, Leerstände in Daubenrath sind selten. Obwohl es keine Kneipe gibt und kein kleines Geschäft, ziehen hin und wieder Menschen nach Daubenrath.

Die Nähe zum Forschungszentrum wirkt. Der Belag der Haupstraße durch das Dorf sieht mit seinen kleinen Rissen und Hubbeln zwar aus wie ein Miniatur-Relief der Eifel, dafür ist die Internetverbindung rasend schnell. Zwischen neuen und alteingesessenen Daubenrathern wachse der Gemeinschaftsgedanke allerdings recht langsam. Das wollen Dreyling, Strehl und Co. ändern.

„Natürlich werden wir skeptisch betrachtet, weil wir etwas Neues versuchen. Das hier ist schließlich ein kleines Dorf“, sagt Dreyling. „Die Leute wollen erstmal sehen, was wir können.“ An Silvester richtet der Heimatverein eine Feier in der Schützenhalle aus. Alle seien eingeladen, mit Kind und Kegel, genau wie Gäste aus anderen Orten. Der Eintrittspreis von 38,50 Euro sei so kalkuliert, dass die Kosten für Saalmiete, Getränke und Essen gedeckt sind. Plus minus null wolle man rauskommen, sagt Dreyling. Strehl und er kommen dafür auf, wenn nach der Feier Geld fehlt. Im Moment ist die Hälfte der 65 Karten weg.

Weitere Pläne des Heimatvereins, in dem jeder gegen eine Aufnahmegebühr von 15 Euro Mitglied werden kann: ein Osterfeuer, ein gemeinschaftliches Dorffrühstück, ein Sommerfest, ein Erntedankfest. „Wir wollen das auf jeden Fall durchziehen“, sagen Dreyling und Strehl. Ihr kleines Heimatdorf, in dem früher jeder jeden gekannt hätte, soll nicht zu einem anonymen Schlaf-Dorf werden.