Jülich: Barmener Blaupause für die Nahversorgung der Zukunft

Minister-Besuch in Jülich : Barmener Blaupause für die Nahversorgung der Zukunft

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart besucht den DORV-Laden in Barmen und regt an, darüber nachzudenken, das Projekt auszuweiten. Das Thema ist die Nahversorgung der Zukunft auf dem Land.

Mehr als 2000 Menschen leben im Bereich Barmen und Merzenhausen. Für die Menschen dort gab es am Anfang des Jahrtausends ein Problem: „Wir hatten hier nichts“, sagte Heinz Frey am Mittwochmorgen. Frey, Merzenhausener und Fraktionsvorsitzender der Jül im Jülicher Stadtrat, meinte das nicht im Nachkriegs-Sinn von einer zerstörten Lebensgrundlage. Frey sprach davon, dass es keine Nahversorgung mehr in den betroffenen Stadtteilen gab. Keinen kleinen Supermarkt, keine Bankfiliale. Nichts, wo der Barmener oder Merzenhausener vor Ort zumindest in kleinem Umfang die Dinge des täglichen Bedarfs hätte erledigen können.

Dass NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Mittwoch in Barmen und Merzenhausen zu Besuch war, ist der Tatsache geschuldet, dass aus dem Nichts ziemlich viel geworden ist. So zumindest äußerte sich Pinkwart vor dem DORV-Laden in Barmen. DORV steht für Dienstleistungen und Ortsnahe Rundum-Versorgung, ein Projekt, dass Frey maßgeblich großgezogen hat. Der Laden hält das Nötigste vor, so viel wie möglich stammt von lokalen Bauern und Metzgern. Das Projekt wächst immer weiter. Mittlerweile werden die Menschen rund um Barmen „ONLEINversorgt“. So heißt das Projekt, mit dem registrierte Benutzer über das Internet Waren in den DORV-Laden bestellen können, die es vor Ort nicht gibt.

Im Laden online bestellen

„Das ist toll, wie das hier läuft“, lobte Pinkwart. Denn auch die, die mit dem Internet fremdeln, können das Angebot wahrnehmen, indem sie im DORV-Laden mithilfe der Mitarbeiter bestellen. Die Ware kommt meist am anderen Tag aus einem Hit-Supermarkt in Aachen, angeliefert vom Zeitungszusteller. Pinkwart ist nicht der erste Entscheidungsträger, der feststellt, dass die neu gewachsene Nahversorgung in und um Barmen außergewöhnlich ist. Das Projekt findet europaweit Beachtung als Blaupause für die Versorgung des ländlichen Raumes.

Bei Pinkwarts Besuch klangen erstmals Fragen nach der Zukunft der Nahversorgung rund um Barmen an. Eine Zukunft, in der mehr möglich sein könnte. „Wir müssten darüber nachdenken, wie man das Projekt hochskalieren kann“, sagte Pinkwart in Richtung von Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, der Landtagsabgeordneten Patricia Peill (CDU) und den anderen, die bei seinem Besuch dabei waren. Die Nahversorgung in Ortschaften ohne Nahversorger solle auf eine größere Plattform gehoben werden, beispielsweise, indem man jungen Start-Up-Unternehmen an Bord holt. „Wir kann man daraus ein sich selbst tragendes Modell machen, ohne dass die Ehreamtler überfordert werden“, fragte Pinkwart.

Mit seiner nächsten Frage löste er Lachen in der Runde der Versammelten aus. „Haben Sie hier genügend Leitungskapazitäten“, fragte er nach schnellem Internet für Barmen und Umgebung. Das sei so eine Sache, antwortete Fuchs. Barmen sei kein weißer Fleck auf der Karte der Internetversorgung, aber….. „Die Stadtwerke Jülich arbeiten an einer Breitbandversorgung“, sagte Fuchs. Die Mobilfunkanbindung sei ein schwierigeres Thema, denn Teile von Barmen seien ein Funkloch. „Wenn Sie eine Idee haben, wo man einen Mobilfunkmast installieren kann, dann melden Sie sich“, sagte Pinkwart in Richtung Peill, bevor er in das siebensitzige Elektroauto stieg, das die Victor-Rolff-Stiftung für ONLEINversorgt zur Verfügung stellt. Das war der eigentliche Sinn von Pinkwarts Besuch. Er fuhr mit, als der Wagen bestellte Ware auslieferte an Bürger, für die der Weg vom DORV-Laden eine Belastung darstellt. Zudem ist so auch ein Hol- und Bringdienst möglich, der nicht mobilen Bürgern das Einkaufen im DORV-Laden ermöglicht.

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