Jülich: Bachelor-Arbeiten zeigen mögliche neue Stadthalle

Bachelor-Arbeiten für Jülich : Eine Stadthalle mit direktem Gleisanschluss

Auf der Suche nach dem Standort einer neuen Jülicher Stadthalle gibt es nun einen Favoriten. Ein großer und optisch ansprechender Veranstaltungstempel kann nämlich problemlos auf dem rückwärtigen Grundstück des Kulturbahnhofs gebaut werden. Das steht nach dem inzwischen abgeschlossenen Studentenwettbewerb fest.

13 Bachelor-Arbeiten von Architektur-Studierenden der Fachhochschule Aachen wurden eingereicht, fünf davon prämiiert. Sie sind im Kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathauses in nächster Zeit zu sehen. Ziel des Wettbewerbes war es nicht zwingend, den einen passenden Entwurf zu finden, der dann auch umgesetzt wird, sondern Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen. Das erklärte Bürgermeister Axel Fuchs, der zur fünfköpfigen Jury gehörte. Die Studentinnen und Studenten erfüllten genau diese Erwartungen.

Ein Beitrag sieht einen vieleckigen Bau mit scharfen, klaren Kanten und futuristischer Optik neben dem KuBa vor. Ein anderer schafft eine Art multifunktionales Amphitheater auf der Rückseite. Dort führen über die gesamte Grundstücksbreite Stufen nach oben zu einem rechteckigen Bau. Diese Treppen haben es in sich, denn sie bilden praktisch das Dach der darunter befindlichen Stadthalle, wobei die äußeren Stufen eine wunderbare Tribüne beim Public-Viewing darstellen könnten. Dieser Vorschlag ist ein echter Hingucker, wäre aber mit aufwändigen und teuren Erdarbeiten verbunden.

Den mit 500 Euro dotierten ersten Preis gewann Lisa-Marie Gutt, deren Neubauvorschlag den vorhandenen Kulturbahnhof umschließt. Nicht nur das: Die Studentin will die alte Bahnhofshalle, die für Konzerte, Kleinkunst und Kino eine gefragte Location ist, in ihrem Vorschlag nach hinten verlängern. Das hätte für den „klassischen KuBa“ deutlich höhere Kapazitäten zur Folge. An diesen Anbau schließt sich auf dem Rückgrundstück dann unmittelbar ein Hallenkomplex mit unterschiedlichen Höhen und einer Art „Faltdach“ an. Der rostrot eingefärbte Neubau erinnert in der Form an Industriebauten und greift damit die unmittelbare Umgebung auf.

Das Bild zeigt, dass eine Verlängerung des heutigen KuBa-Saals geplant ist und die Gebäude an drei Stellen verbunden wären. Foto: Volker Uerlings

Alle Arbeiten sind so dimensioniert, dass sie Raum für eine große Bühne und wenigstens 600 Sitzplätze bieten.

Ein großes Ganzes aus Alt- und Neubau schuf auch die Wettbewerbszweitplatzierte Kubra Ugur mit ihrer „BlackBox“. Auch sie hat den heutigen KuBa-Saal verlängert und dahinter einen rechteckigen komplett schwarzen Hallenkomplex angebaut. Zwischen Alt und Neu gibt es großzüge Verbindungswege, die mit Glas überdacht sind. Sie erhielt für ihren Entwurf 400 Euro.

„Auf und aus dieser Fläche hinter dem Kulturbahnhof kann man offensichtlich viel machen. Sie ist tatsächlich nutzbar für ein solches Kulturzentrum“, fasst Axel Fuchs seine Eindrücke aus den studentischen Vorschlägen zusammen. Kurzum: „Aus meiner Sicht ist eine KuBa-Erweiterung alternativlos.“

Neben dem Alleinstellungsmerkmal, das der direkte Gleisanschluss bietet, prüft nach Angaben des Bürgermeisters die Stadtverwaltung gerade, wie ein Problem gelöst werden kann. Parkplätze sind in der Nähe des KuBa nämlich Mangelware. Daher untersuchen die Fachämter, ob es möglich ist, auf der anderen Gleisseite und dem heutigen Pendlerparkplatz ein kleines Parkhaus zu errichten, das von der Machart her so ähnlich sein könnte wie das am Dürener Kino.

In nicht mehr allzu langer Zeit werden in Jülich Fakten geschaffen: Am Aschermittwoch 2019 – das ist der 6. März – wird die alte Stadthalle in der Düsseldorfer Straße geschlossen. Bis zum Jahresende wird auch die Hauptbühne samt Kuppelzelt im Brückenkopf-Park demontiert. Damit verliert die Herzogstadt binnen drei Monaten ihre größten zentralen Veranstaltungsstätten. Anfang Dezember wird der Stadtrat über den Wirtschaftsplan des Parks befinden, der laut Axel Fuchs, Interimsgeschäftsführer der Park GmbH, eine Ersatzlösung enthält: ein großes neues Veranstaltungszelt.

Gibt es hierfür eine Mehrheit, dann wären 2019 die im Stadtgarten geplanten Kulturevents gesichert – und es gäbe bis auf Weiteres auch einen Stadthallenersatz, bis der Rat über Ort und Art eines festen Neubaus beschlossen hat, zum Beispiel am Kulturbahnhof.

Bürgermeister Axel Fuchs könnte sich vorstellen, dass die KuBa-Erweiterung auch Bestandteil des Integrierten Handlungskonzeptes wird, mit dessen Erstellung bald begonnen wird und das finanzielle Fördermöglichkeiten durch das Land eröffnet.

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