Aldenhoven: Jüdische Zeitzeugin berichtet Schülern vom Erlebten

Aldenhoven: Jüdische Zeitzeugin berichtet Schülern vom Erlebten

Die heute 73-jährige, in Pulheim lebende Tamar Dreifuss zählt zu den wenigen noch lebenden Menschen, die den Holocaust überlebt haben.

Die gelernte Erzieherin, die nach dem Krieg viele Jahre in Israel gelebt hat und dieses Land auch heute noch als ihre Heimat betrachtet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die schlimmen Geschehnisse von damals an die heutige Jugend weiterzugeben.

Diesmal waren es die Zehntklässler der Käthe-Kollwitz-Realschule, die im Geschichtsunterricht mit dieser schlimmen Epoche aus der Zeit ihrer Großeltern konfrontiert worden sind. Viel beeindruckender für sie war, den Vortrag einer Zeitzeugin zu erleben.

Diesen Vortrag, der die jungen Menschen so betroffen machte, bezeichnete Tamar Dreifuss als „Laudatio” für ihre Mutter. Ihr allein und „vielen Wundern” verdankt sie das Überleben. Tamar war damals drei Jahre alt, als der Russland-Feldzug und gleichzeitig die Juden-Verfolgungen begannen.

Sie lebte damals wohlbehütet im nordpolnischen Wilna, dem später zu Litauen gehörenden Vilnius. Ihre Mutter hat nach dem Krieg die Geschehnisse in einem Buch festgehalten, das später von der Tochter in die deutsche Sprache übersetzt wurde. Tamar hat außerdem ihre eigene Geschichte in dem Kinderbuch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar” festgehalten.

Der Leidensweg einer Familie

Nach einer kurzen Zeit bei Verwandten und in einem katholischen Kloster begann dann der Leidensweg, zunächst für Tamar und ihre Eltern. Später als der Vater deportiert war, erlebte das kleine Mädchen zusammen mit ihrer nie aufgebenden Mutter alle erdenkbaren Schrecken, von der Deportation über mehrmalige missglückte Fluchtversuche, Monate im Ghetto bis zum Konzentrationslager. Aber ihre Mutter gab nie auf. Mit Mut, List und Täuschung entkam sie dem KZ. Als Jüdin zunächst unerkannt, verdingte sie sich mit der kleinen Tochter als Arbeiterin auf verschiedenen Gutshöfen. Als die Verfolger ihrer beinahe habhaft wurden, versteckte sie sich mit der Tochter in einer Hundehütte. Schließlich wurden die beiden durch den Vormarsch der Roten Armee gerettet.

Tamar Dreifuss sprach leise, ergänzte ihren Vortrag durch Passagen aus dem Buch ihrer Mutter. Man spürte förmlich die Betroffenheit der jungen Menschen, die fast atemlos zuhörten und noch viel mehr wissen wollten. Schließlich musste ihre Klassenlehrerin Nicole De Bus „Stop” sagen, weil sie sonst den Schulbus verpasst hätten.