Jülich: Joseph-Kuhl-Medaille für Wissenschaftler Conrad Doose

Jülich: Joseph-Kuhl-Medaille für Wissenschaftler Conrad Doose

Für die Verleihung ihrer „Joseph-Kuhl-Medaille” hatte die gleichnamige Jülicher Gesellschaft im Pulvermagazin einen würdigen geschichtsträchtigen Ort gefunden. Denn als Begründer kulturhistorischer Vereine haben sich beide jetzt Geehrte verdient gemacht.

Dipl.-Ing. Conrad Doose, Vorsitzender des Fördervereins „Festung Zitadelle”, erhielt Urkunde und Medaille für die wesentlich weitergeführte Erforschung der von Pasqualini projektierten und realisierten Stadt- und Schlossanlage. Ebenso trug Doose die Neuanlage der Stadt Jülich nach dem Zweiten Weltkrieg durch Réné von Schöfer in die Öffentlichkeit und propagierte sie medienwirksam, verbunden mit zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Altbürgermeister Dr. Peter Nieveler, Vorsitzender des „Freundekreis Stadtarchiv”, wurde für sein Wirken um das Wohlergehen seiner Heimatstadt Jülich, seine Verdienste um das kulturelle Leben und die Pflege der Erforschung der Ortshistorie ausgezeichnet.

Hartnäckiger Wissenschaftler

Die Medaille trägt das Bildnis des Jülicher Ehrenbürgers und ersten Verfasser einer wissenschaftlichen Darstellung der Jülicher Stadtgeschichte, Professor Joseph-Kuhl (1830 - 1906). Die Laudatio für den Wahl-Jülicher und Geschichts-Autodidakten Doose hielt Georg Mölich, wissenschaftlicher Referent des Landschaftsverbandes Rheinland: Wie kam der ehemalige Leiter der Zentralen Werkstätten der früheren Kernforschungsanlage dazu, sich vor 20 Jahren intensivst mit der Renaissancestadt Jülich zu beschäftigen?

Diese Frage führte Mölich einerseits auf die Tatsache zurück, dass Doose „im Leben viel herumgekommen ist und woanders Erfahrungen mit kultureller Hervorbringung und Geschichte gemacht hat”. Ausschlaggebend sei andererseits die „Hartnäckigkeit des Naturwissenschaftlers.

Ungewöhnlich fand der Laudator Dooses Überblicksdarstellung als erste Publikation: „Er hat ein Defizit wahrgenommen und auszugleichen gesucht”. Zielstrebig habe Doose Mitstreiter um sich versammelt und ein Gelehrten-Netzwerk aufgebaut. „Heraushebenswert” fand Mölich die „Idee, eine Welt, die für viele im Verborgenen liegt, wieder zum Leben zu erwecken”.

Die Lobrede auf seinen früheren Lateinlehrer Nieveler hielt Prof. Günter Bers, Vorsitzender der Joseph-Kuhl-Gesellschaft: Mit seiner originellen Individualität, rheinischer Fröhlichkeit und bodenständigem Katholizismus habe Nieveler „ein offenes Ohr für alle Menschen und ihre Probleme”.

Als bedeutsam für Nievelers Laufbahn nannte Bers dessen Geschichtslehrer Dr. Johannes Habsguth im staatlichen Gymnasium des damals völlig zerstörten Jülichs, der mit der Geschichte seiner Heimatstadt Jauer promovierte hatte. Nieveler, ehemaliger Studiendirektor und stellvertretender Leiter des Mädchengymnasiums Jülich, engagiert sich seit 1970 in den meisten Vereinen seiner Heimatstadt, bei zweien ist er Gründungsvorsitzender. 1972 begann seine politische Laufbahn, an deren Ende er Bürgermeister wurde.

Landesgartenschau durchgesetzt

Als „herausragendes Ereignis” nannte Bers die Durchsetzung der Landesgartenschau 1998 und die damit verbundene Umgestaltung des Brückenkopfes. Der Laudator betonte Nievelers „spezielles Talent, wenn nötig, von einer besonderen Art von Widersetzlichkeit” zu sein. So sei Nieveler Vorkämpfer für die vom Grundgesetz eingeräumte Möglichkeit des Besuchs von Privatschulen.

1975 stieg der Geehrte in die Jülicher Ortsgeschichte ein, übersetzte historische Werke zum Teil aus dem Lateinischen, schrieb Aufsätze in regionalgeschichtlichen Jahrbüchern und Zeitschriften und ist Mitherausgeber des Buches „Herrn von Jülich”.

Die Versammlung freute sich sehr über den überraschenden Besuch des erkrankten früheren Vorstandsmitglieds und Medaillenträgers Helmut Scheuer.

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