Jülich: „Job-Perspektive”: Sorgen um die weitere Finanzierung

Jülich: „Job-Perspektive”: Sorgen um die weitere Finanzierung

Krankenschwester - das war schon immer Nicole Walls Traumberuf. Doch die Lehre bricht sie ab. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Schwangerschaft. Mit 18 Jahren bringt sie ihren Sohn zur Welt. Später beginnt sie eine zweite Ausbildung zur Erzieherin. „Aber das war einfach nichts für mich”, erzählt die 30-Jährige. Viele Jahre ist die junge Frau arbeitslos.

2004 übernimmt sie einen Brückenjob (Ein-Euro-Job) in einem Altenheim. Doch auch das ist nicht von Dauer. Zu schwer wiegen die abgebrochenen Ausbildungen. Nicole Wall ist aufgrund verschiedener Vermittlungshemnisse in der Langzeitarbeitslosigkeit gefangen.

Ähnlich ergeht es Simone Herzig. Einst arbeitete die 33-Jährige im Einzelhandel. „Doch nachdem meine beiden Kinder auf der Welt waren, habe ich meinen Job verloren”, sagt sie. Flexibilität sei nun einmal gefragt in diesem Bereich. „Längere Öffnungszeiten am Abend und auch am Wochenende sind nur schwer mit der Familie unter einen Hut zu bringen”, erklärt Simone Herzig.

Zurück ins Berufsleben

Vier Jahre ist sie arbeitslos. Bis sie - wie auch Nicole Wall - dank der Job-Perspektive wieder zurück ins Berufsleben findet. Das Förderprogramm ist vor allen Dingen für Langzeitarbeitslose gedacht, die oft ohne Berufsabschluss sind, ein Handicap haben, hinter denen Suchtprobleme liegen oder die aus der Haft heraus eine verlässliche Beschäftigung suchen.

Nicole Wall und Simone Herzig arbeiten im St.-Josef-Krankenhaus in Linnich. Simone Herzig kümmert sich um die Essenausgabe, den Speiseplan, nimmt die Wünsche der Patienten entgegen. Nicole Wall arbeitet in der Endoskopie-Abteilung, sortiert, reinigt und reicht die Instrumente. Zusätzliche Stellen mit hohem Nutzen.

„Solche Hilfe entlastet unser Pflegepersonal sehr”, betont Jann Habbinga, Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses. Auch deshalb hat die Einrichtung aktuell vier Brückenjobber im Haus, die in den Bereichen Technik, Grünanlagen und EDV eingesetzt sind, sowie acht Mitarbeiter aus dem Programm Job-Perspektive, die dadurch wieder einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz haben.

Doch weiß niemand so recht, wie es mit der Job-Perspektive weiter geht: Denn für das hoch gelobte Programm sollen die Fördermittel nach einem neuen Schlüssel verteilt werden. Dabei sind in der Region Aachen bis Ende vergangenen Jahres mittels des Beschäftigungszuschusses mehr als 1300 als schwer vermittelbar geltende Langzeitarbeitslose in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gebracht worden. Aktuell bestehen noch mehr als 1000 dieser Beschäftigungsverhältnisse.

„Wir machen uns große Sorgen um die Finanzierung”, sagt Georg Beyß, Kreisdirektor Kreis Düren, „wir appellieren an die Politik, dass man uns Planungssicherheit gibt. Wir mussten jetzt schon die Stellen in der Job-Perspektive reduzieren.”

Dabei schaffe es das Förderprogramm, „dass die Leute wieder auf eigenen Füßen stehen”, betonen Jürgen Schönen, Bereichsleiter Arge in der Städteregion Aachen, und Harald Heffels, Leiter des Jobcenters Erkelenz, Arge im Kreis Heinsberg. Wie Simone Herzig und Nicole Wall, die wieder Lebensmut und eine neue Perspektive im neuen Job gefunden haben.

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